Vorjahreszweite neue Weltmeisterin, Czapla Neunte

Chladonova sprintet in Montréal vor Holmgrenzu U23-Gold

Von Matthias Seng

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Viktoria Chladonova (li.) ist in Montréal neue U23-Straßen-Weltmeisterin geworden. | Foto: Cor Vos

24.09.2026  |  (rsn) – Im vergangenen hatte sie sich im WM-Straßenrennen der U23 in Kigali hinter der Französin Célia Gery noch mit Silber zufrieden geben müssen. Diesmal holte sich Viktoria Chladonova bei den Welt-Titelkämpfen auf dem schweren Stadtkurs in Montréal im Sprintduell gegen Isabella Holmgren souverän die Goldmedaille vor der Kanadierin, die sich vor den heimischen Fans den Traum vom Regenbogentrikot nicht verwirklichen konnte.

Das Duo hatte sich im letzten schweren Anstieg des Tages von der sprintstarken Belgierin Fleur Moors abgesetzt und im Finale gut zusammengearbeitet, wobei die 21-jährige Holmgren die meiste Tempoarbeit übernahm. Im Bergaufsprint musste sie sich dann der zwei Jahre jüngeren Tschechin deutlich geschlagen geben.

Mit 33 Sekunden Rückstand sicherte sich Moors aus der kleinen Gruppe der Verfolgerinnen die Bronzemedaille vor der starken Schweizerin Mara Winter, die nur knapp das Podium verpasste und Vierte vor der zeitgleichen Australierin Talia Appleton wurde. Nach einer starken Vorstellung kam Justyna Czapla als beste der vier deutschen Starterinnen mit 1:16 Minuten Rückstand als Neunte ins Ziel. 

Vor der 22-Jährigen landeten noch die Belgierin Lore De Schepper (6. / +0:39), die USA-Amerikanerin Katherine Sarkisov (7. / +1:10) und Sydney Swierenga (+1:16) als zweitbeste Kanadierin. Appletons Landsfrau Mackenzie Coupland (+1:46) vervollständigte die Top Ten.

“Es ist ein wahnsinnig schönes Gefühl, ich kann es noch nicht wirklich glauben. Es war so ein schönes Rennen. Ich bin so glücklich und will allen danken, die mich unterstützen. Es bedeutet mir viel. Ich wollte unbedingt gewinnen. Die letzten beiden Monate habe ich so hart dafür trainiert“, sagte die neue U23-Weltmeisterin, die im Zeitfahren Bronze noch um weniger als eine Sekunde verpasst hatte, im Flash-Interview.

“Wir haben mit Isabella und Fleur wirklich toll zusammengearbeitet und am Schluss konnte ich mit einem guten Sprint gewinnen. Ich habe versucht, Isabella zu folgen, es war so ein langer Sprint und ich bin wirklich froh, dass ich es geschafft habe“, so Chladonova, die 2024 bereits Bronze im WM-Rennen der Juniorinnen geholt hatte und nach Silber in Ruanda nun Gold in Kanada bejubeln konnte.

“Es war wirklich was besonderes, so oft meine Namen und `Go Canada` zu hören. Das Team ist so gut gefahren und alle meine Teamkolleginnen waren super stark. Natürlich bin ich ein bisschen enttäuscht, nicht gewonnen zu haben", sagte Holmgren zu Eurosport, ehe sie das Positive hervorhob und hre Gegnerin lobte: "Aber ich bin so dankbar für das Publikum und für meine Teamkolleginnen. Ich bin auch stolz auf Viki (Chladonova), sie ist so eine nette Person und eine starke Fahrerin. Es war ein guter Tag. Das Team war immer für mich da. Sie haben attackiert und das Rennen hart gemacht, es ist auch ihr Ergebnis.”

Czapla: "Mehr war nicht drin"

"Ich denke, mehr war heute einfach nicht drin. Ich hatte nicht die Beine, um direkt bei der Gruppe mit dabei zu sein, als sie gegangen ist. Am Ende waren sie einfach zu stark, um die Lücke zu schließen. Aber ich denke, ich kann mit der Leistung sehr zufrieden sein. Es ist immer noch ein Top-Ten-Ergebnis. Ich habe einfach alles gegeben, was ich hatte. Ich habe attackiert, bin aktiv gefahren und kann damit zufrieden sein. Wir sind bis zum Ende noch Vollgas gefahren, aber leider nicht mehr rangekommen", bilanzierte Czapla im Ziel gegenüber RSN ihren WM-Auftritt.

So lief das U23-Straßenrennen der Frauen:

Im ersten Straßenwettbewerb dieser Weltmeisterschaften waren auf zehn Runden des Stadtkurses von Montréal insgesamt 134 Kilometer zu absolvieren, inklusive der 1,6 Kilometer langen und 7,3 Prozent steilen Côte Camillien-Houde. Rund 2.700 Höhenmeter mussten die insgesamt 112 U23-Fahrerinnen aus 41 Nationen bewältigen.

Mit der Niederländerin Megan Arens schied eine der Favoritinnen bereits auf der ersten Runde aus, ehe auf der folgenden Schleife die Finnin Wilma Aintila und die Slowakin Sofia Ungerova davonzogen. Zum Duo fuhr nach einer langen Aufholjagd in Runde drei noch die Tschechin Eliska Kvasnickova vor, gemeinsam erarbeiteten sich die Ausreißerinnen einen Vorsprung von zwei Minuten. Nach einem Defekt wurde De Schepper von einer Teamkollegin wieder nach vorn gebracht, mit Febe Jooris schied ein Mitglied des starken belgischen Teams nach einem Sturz jedoch schon früh aus.

Zeitfahr-Weltmeisterin Felicity Wilson-Haffenden beschleunigte in Runde vier aus dem Feld heraus und initiierte so eine achtköpfige Gruppe, zu der auch die Deutsche Magdalena Leis und die Schweizerin Lea Huber gehörten. Lange hielten sich diese Ausreißerinnen aber nicht vorn, aus dem dann Leis und Clara Jäger nach einer Tempoverschärfung an der Côte Camillien-Houde zurückfielen.

Das Streckenprofil des WM-Straßenrennens der U23 Frauen | Foto: Veranstalter

Das war zur Hälfte des Rennens bereits deutlich geschrumpft, hatte seinen Rückstand gegenüber dem Spitzentrio aber auch auf rund 30 Sekunden reduziert. 60 Kilometer vor dem Ziel konnte Kvasnickova dem Tempo an der Spitze nicht mehr folgen. 17 Kilometer später gingen bei einem Sturz im hinteren Teil des Feldes mehrere Fahrerinnen zu Boden, darunter auch die Niederländerinnen Babette van der Wolf und Nienke Vinke, die aber beide wieder den Anschluss schafften.

Wilson-Haffenden führte die Verfolgerinnen rund 45 Sekunden nach den Ausreißerinnen auf die drittletzte Runde, wo Ava Holmgren nach einem Antritt an der Côte Camillien-Houde die Flucht von Aintila und Ungerova beendete. Kurz darauf attackierte Chladonova, wodurch zahlreiche Fahrerinnen abgeschüttelt wurden, darunter auch die Britin Cat Ferguson und die letztjährige U19-Weltmeisterin Paula Ostiz.

Kurz darauf versuchte es die letztjährige Silbermedaillengewinnerin im kurz darauf folgenden zweiten Anstieg ein zweites Mal, wodurch das Feld nochmals kleiner wurde. Mit ihrer dritten Attacke kam Chladonova dann 32 Kilometer vor dem Ziel mit Isabella Holmgren und Moors weg. Zeitgleich wurde Vinke - diesmal durch einen Defekt - gestoppt und musste wieder ihr Rad wechseln, was sie aller Chancen beraubte.

Czapla kämpft und wird doch abgehängt

Das Spitzentrio erarbeitete sich rund 20 Sekunden Vorsprung auf die nächsten Verfolgerinnen, zu denen auch Czapla, De Schepper, Winter und deren Landsfrau Anina Hutter gehörten. Die Deutsche sorgte zunächst allein für Tempo, eher die drei Australierinnen Coupland, Appleton und Emily Dixon die Spitze übernahmen. Dennoch wuchs der Rückstand auf fast eine halbe Minute an, ehe Coupland mit ihrer Attacke die Gruppe sprengte.

Der Australischen Meisterin folgen konnten nur De Schepper, Winter, Swierenga und auch Czapla folgen. Die Deutsche U23-Zeitfahrmeisterin ging an der letzten Überquerung der Côte Camillien-Houde erneut in die Offensive. Vorne schüttelte Holmgren zwölf Kilometer vor dem Ziel Moors ab, Chladanova konnte hier nur mit Mühe folgen.

Chladonova lässt Holmgren im Sprint keine Chance

Czapla dagegen musste dahinter bei einer Tempoverschärfung von De Schepper passen. Die Belgierin führte Appleton und Winter sechs Kilometer vor dem Ziel an ihre Landsfrau heran und spannte sich dann vor Moors. Die Spitze konnten die vier Verfolgerinnen aber nicht mehr gefährden.

Chladonova führte das Duo auf die 600 Meter lange ansteigende Zielgerade, wo Holmgren von ihrem Hinterrad aus den Sprint eröffnete. Die Tschechin ließ sich aber nicht überraschen und zog 100 Meter vor dem Ziel an ihrer Konkurrentin vorbei, um sich souverän die Goldmedaille zu sichern.

Eine gute halbe Minute dahinter holte sich Moors Bronze knapp vor der noch stark aufkommenden Winter und Appleton. Czapla kam als Neunte ins Ziel.

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