Astana-Sprinter rundet starkes Tour-Debüt ab

Tränen statt Triumph: Kanter Vierter auf den Champs-Élysées

Von Christoph Matt

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Max Kanter (XDS - Astana) wurde Vierter auf en Champs-Élysées - und war enttäuscht über den entgangenen Sieg. | Foto: Cor Vos

26.07.2026  |  (rsn) - Die Emotionen übermannten Max Kanter (XDS - Astana) im Ziel der Tour de France. Sichtlich gerührt und enttäuscht zeigte sich der Deutsche über seinen vierten Platz auf der finalen 21. Etappe, Zu nahe schien für den Tour-Debütanten der Sieg auf den Champs-Élysées. “Die letzten Tage haben wir alle so viel investiert, um hier anzukommen. Dann kommt man in die Position, um den Sieg mitzusprinten, und dann fehlt nicht viel. Ich bin gerade ziemlich enttäuscht”, sagte der 28-Jährige im Zielinterview mit der ARD.

Dabei war die Kanters Tour-Ausbeute keineswegs schlecht: Fünf Top-10-Ergebnisse – ein zweiter Platz, zweimal Vierter, ein siebter und ein neunter Rang – standen für den Sprinter der kasachischen Mannschaft am Ende zu Buche. Es hätte wahrlich schlimmer ausgehen können.

Auch wenn Rang vier zum Abschluss nicht seine beste Platzierung war, so kam Kanter in der französischen Hauptstadt so nahe an den ganz großen Coup heran wie nie zuvor in den vergangenen drei Wochen. Vor ihm landeten mit dem Alpecin-Duo Mathieu van der Poel und Jasper Philipsen sowie dem "Grünen", Mads Pedersen (Lidl - Trek) drei Superstars.

Dem engen Sprintfinale vorausgegangen war ein hoch spannender Kampf zwischen den Ausreißern Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) und van der Poel, die sich am letzten Anstieg zum Montmartre absetzen konnten, und dem Rest des Feldes mit den starken Sprintern. Van der Poel rettete sich schließlich vor seinem heransprintenden Teamkollegen Philipsen und Pedersen. Auf der Ziellinie betrug der Abstand zwischen Kanters Vorder- und van der Poels Hinterrad  weniger als eine Radlänge.

Neben den Sprintetappen hatte der Cottbuser bei seiner ersten Grand Tour in Frankreich auch die Punktewertung im Blick. Kanter  mischte bei einigen Zwischensprints mit, konnte dort aber nie die volle Ausbeute abholen. Denkbar knapp war es auf der 10. Etappe, als er sich in einem langen Sprint nur Pedersen geschlagen geben musste. Am Ende landete er in der Wertung des Grünen Trikots ebenfalls auf dem vierten Rang.

“Ich muss die Erfahrung einfach mitnehmen und das Positive daraus ziehen. Ich werde weiter an mir arbeiten und hoffe, dass ich in Zukunft noch mal stärker zurückkommen kann. Generell bin ich schon zufrieden. Aber ich bin ehrlich: Am Ende will man hier einen Etappensieg holen und dafür hat es nicht ganz gereicht. Wir können trotzdem viele positive Schlüsse ziehen”, resümierte Kanter nach seiner ersten Frankreich-Rundfahrt.

Der beste deutsche Sprinter kann auf starken Sprintzug bauen

Der ehemalige Bahnfahrer holte sich mit seinem beim diesjährigen Paris–Nizza seinen ersten Sieg auf WorldTour-Niveau und darf wohl als der aktuell beste deutsche Sprinter bezeichnet werden. Kanter hinterließ nun auch bei der Grande Boucle einen starken Eindruck – seine Enttäuschung in Paris zeigte im Übrigen auch, dass er mit gesundem Selbstbewusstsein diese Tour bestritt. 

Einen großen Anteil an Kanters Ergebnissen hat auch sein Team. In vielen Finals konnte sich der deutsche Kapitän auf einen gut funktionierenden Sprintzug verlassen. Das ehemalige Team von Mark Cavendish, mit dem der Brite seinen historischen Rekord-Etappensieg holte, verkraftete den Abgang von Sprintcoach Mark Renshaw zu dieser Saison offenbar problemlos. 

Auch auf den Champs-Élysées war Kanter nicht auf sich allein gestellt und hatte bis auf die Zielgerade einen Anfahrer an seiner Seite. Zwar reichte es am Ende nicht für einen Tagessieg. Doch angesichts seiner Leistungen wird er durchaus mit einer Nominierung für die nächste Tour de France rechnen dürfen – auch wenn diese 113. Ausgabe gerade erst einige Stunden alt ist.

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