Große Geste im Tour-de-France-Finale

Philipsen nimmt die Beine hoch, damit van der Poel sicher siegt

Von Joachim Logisch

Foto zu dem Text "Philipsen nimmt die Beine hoch, damit van der Poel sicher siegt"
Jasper Philipsen (Alpecin - Premier Tech) jubelt im Ziel der 21. Tour-Etappe - über den Sieg seines Teamkollegen Mathieu van der Poel. | Foto: Cor Vos

27.07.2026  |  (rsn) - Ein unglaublich spannendes Finale und eine ganz große Geste auf den Champs-Élysées krönten diese 113. Tour de France. Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech), der mit der größten Geschwindigkeit von hinten herangebraust kam, hörte zehn Meter vor dem Ziel auf zu treten, riss den rechten Arm in die Höhe und feierte so den Sieg seines Teamkollegen Mathieu van der Poel, der mit knapp einer Radlänge als Sieger über die Linie bretterte.

Man weiß nicht sicher, ob Philipsen noch am Niederländer vorbeigekommen wäre. Sicher ist aber, dass er es nicht mehr versuchte. Der Belgier gönnte dem ehemaligen Weltmeister aus vollem Herzen den Sieg. "Mathieu hat in der Vergangenheit schon so viel für mich getan, er ist ein unglaublicher Teamkollege und selbst ein Champion – und mehr als das, auch ein Freund“, ließ Philipsen bei Eurosport durchblicken, warum er sich so für seinen Kumpel freute.

"Alles, was er tut, nicht nur für mich, sondern auch fürs Team, ist alles andere als egoistisch. Er ist einfach unglaublich stark und liebt es, anderen Teamkollegen zu Siegen zu verhelfen. Und das macht ihn zu einer wunderbaren Person“, lobte er van der Poel, der ihn auf der 17. Etappe von Chambery nach Voiron zum so wichtigen und herbeigesehnten Etappensieg gezogen hatte. Auch hier ist es müßig, darüber zu diskutieren, ob van der Poel nicht selbst schon dort seinen zweiten Etappensieg nach dem Erfolg auf der 9. Etappe in Ussel hätte feiern können.

Keine Frage ist, dass der Sieg dem Niederländer unendlich viel bedeutete. "Das war eines der Rennen, die ich in meinem Leben noch gewinnen wollte. Ich habe natürlich noch ein paar, aber das war eines davon“, gestand er im Flash-Interview.

Dafür musste van der Poel den zurzeit weltbesten Rennfahrer mit einer Weltklasseleistung besiegen. Der Alpecin-Kapitän hatte im letzten Anstieg zum Montmartre das Tempo derart erhöht, dass ihm nur noch Tadej Pogacar UAE - Emirates - XRG)  folgen konnte. Gemeinsam fuhren sie sich auf den letzten zehn Kilometern einen Vorsprung von rund 15 Sekunden heraus, der aber bis zum Erreichen der Flamme Rouge wegen der Nachführarbeiter des Decathlon-Teams in der Verfolgergruppe auf fünf Sekunden schmolz.

Bei etwa 500 Meter vor dem Ziel drehte sich van der Poel noch mal um. Und als er sah, wie dicht ihm die Verfolger nahgekommen waren, mobilisierte er alle Kräfte und ließ Pogacar hinter sich, der einsah, dass sein Unterfangen, als erster Mann in Gelb nach Bernhard Hinault 1982 in Gelb in Paris zu gewinnen, aussichtslos war.

“Ich dachte, dass wir wieder eingeholt werden würden“

Die Verfolger kamen unter der Führung von Mads Pedersen (Lidl – Trek) immer näher. Als der Däne dann seinen Sprint begann, löste sich Philipsen aus dessen Windschatten. Um einiges schneller als sein Teamkollege, jagte er dem Schlussstrich entgegen, bis sein Antritt in Jubel überging.

"Es ist unglaublich. Es war so hart und dann mit dem besten Fahrer der Welt vorne zu sein… Ich muss Tadej einen großen Respekt aussprechen. Ich dachte, dass wir wieder eingeholt werden, doch dann habe ich nur noch an diesen Moment gedacht und 500 Meter vor dem Ziel meinen Kopf runtergenommen. Ich bin so schnell gefahren, wie ich konnte“, erinnerte sich van der Poel bei Eurosport an die letzten Meter eines denkwürdigen Rennens, das genau den von den Organisatoren erhofften Verlauf genommen hatte.

An den drei Montmartre-Anstiegen nämlich hatten die besten Fahrer dieser Tour de France nämlich wie erwartet attackiert und die Flachlandsprinter wie Olav Kooij (Decathlon - CMA - CGM)  Sprinter damit in Zugzwang gebracht. "Ich habe nur darauf gewartet, bis mich ein Rad überholt, aber es ist einfach nicht passiert. Im allerletzten Moment habe ich einen Pirellireifen neben mir gesehen und das war der von Jasper (Philipsen)“, wusste er, dass sich die ganze Mühe gelohnt hatte, weil einer von ihnen gewinnen würde.

Mathieu überflügelt Vater Adrie und Opa Poulidor

Völlig erschöpft sank van der Poel kurz hinter der Ziellinie vom Rad. Minutenlang lag er auf dem Boden, bis er wieder in der Lage war, auf seinen Beinen zu stehen und ein erstes Siegerinterview zu geben. "Das zeigt, dass wir nie aufgeben. Der Start dieser Rundfahrt war vielleicht nicht so gut, aber die Plätze eins und zwei auf der Champs-Elysees sind wirklich gut“, durfte er einen mehr als zufriedenen Schlussstrich unter diese Tour seines insgeasmt auf drei Etappen erfolgreichen Teams ziehen. 

Mit dem Sieg auf den Champs Élysées hatte van der Poel wieder hatte etwas geschafft, was zuvor weder seinem Opa Raimond Poulidor noch seinem Vater Adrie van der Poel gelungen war. Der hatte in Paris 1982 hinter Bernard Hinault immerhin Platz zwei belegt. "Gegen seine Erfolge bin ich nur ein kleiner Junge“, freute sich van der Poel Senior, vielleicht auch deshalb ganz besonders, weil sein Sohn das Gelbe Trikot besiegt hatte.

Mehr Informationen zu diesem Thema

17.08.2026Seixas klärt Zukunftsfrage bei Kriterium in Etten-Leur

(rsn) – Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) hat seine Auszeit nach seinem vierten Platz bei der Tour de France beendet und bei einem Kriterium im niederländischen Etten-Leur teilgenommen. Am Rande

09.08.2026Kanter nahm für die Zukunft viel von der Tour mit

(rsn) – Zwei Wochen nach seinem vierten Platz auf den Champs-Élysées in Paris, mit dem er ein starkes Tour-Debüt abschloss, setzt Max Kanter wieder auf dem Rad. Allerdings lässt es der Sprinter

02.08.2026Rubio: “Können daran arbeiten, dass sich so was nicht wiederholt“

(rsn) – Ermals nach seinem schlimmen Sturz auf der 19. Etappe der Tour de France hat sich Einer Rubio zu Wort gemeldet. “Es sind nun einige Tage seit dem Unfall bei der Tour de France vergangen, u

31.07.2026Vingegaard: “Haben die Tour vielleicht falsch eingeschätzt“

(rsn) – Als Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) auf der 15. Etappe der Tour de France stürzte und mit einem Schlüsselbeinbruch ausschied, lag er auf Rang zwei im Klassement bereits ziemlich

28.07.2026Seixas: “Bin stolz auf den vierten Platz in der Gesamtwertung“

(rsn) – Zum Podium in Paris hat es trotz aller Bemühungen nicht mehr gereicht, doch mit Platz vier bei seinem Debüt bei der Tour de France (2.UWT) kann Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) mehr als

28.07.2026Plugge zu nächtlicher Kontrolle: “Hat unserem Team geschadet“

(rsn) – In der Nacht vom 18. auf den 19. Juli gab es bei der Tour de France 2026 nächtliche Dopingkontrollen - und zwar bei den beiden besten Fahrern im Klassement. Jonas Vingegaard (Visma - Lease

27.07.2026Grün ist abgehakt! Jetzt jagt Pedersen ein Monument

(rsn) – Mit zwei Zielen war Lidl – Trek zur Tour de France 2026 gereist: Etappensieg(e) und Grünes Trikot für Mads Pedersen! Der Däne bekam dazu fast ein ganzes Team an Helfern abgestellt. Der

27.07.2026Nach dieser Tour träumen Evenepoel und Denk von mehr

(rsn) – Am Ende wurden beide Ziele erreicht. Red Bull – Bora – hansgrohe blickt nach zwei Etappensiegen und dem zweiten Platz im Gesamtklassement von Remco Evenepoel auf eine erfolgreiche Tour d

27.07.2026Degenkolbs elfte war seine letzte Tour: “Kann gut damit leben“

(rsn) – Die Schlussetappe seiner letzten Tour de France (2.UWT) beendete John Degenkolb (Picnic – PostNL) auf dem 89. Platz. Aus ganz anderen Gründen jedoch wird ihm seine Abschiedsvorstellung au

26.07.2026Tränen statt Triumph: Kanter Vierter auf den Champs-Élysées

(rsn) - Die Emotionen übermannten Max Kanter (XDS - Astana) im Ziel der Tour de France. Sichtlich gerührt und enttäuscht zeigte sich der Deutsche über seinen vierten Platz auf der finalen 21. Eta

26.07.2026Der neue Pogacar: Bei dieser Tour mehr als nur ein Seriensieger

(rsn) - Tadej Pogacar (UAE - Emirates – XRG) erwies sich bei dieser Tour de France als Sieger aller Klassen. Der Slowene ist als souveräner Radsportkönig in Paris eingefahren. Den Stadtberg Montm

26.07.2026Das Preisgeld-Ranking: So viel erkämpften die Tour-Teams

(rsn) – 2.300.600 Euro hat die Tour de France in diesem Jahr an Preisgeld an die 23 Mannschaften ausgeschüttet. Das sind 2.000 Euro weniger, als ursprünglich ausgeschrieben (hier das Preisgeldsyst

Weitere Jedermann-Nachrichten

27.08.2026Lidl-Trek-Talent Egholm erster Neuzugang bei Uno-X

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

27.08.2026Schwere Prüfung mit 3.000 Höhenmetern inklusive Schotter

(rsn) – Auch die 6. Etappe führt in einer Schleife nahe der Mittelmeerküste entlang, wenn auch weiter südlich durch die Region Valenciana. Auf 177 Kilometern sind 3080 Höhenmeter zu bewältigen.

27.08.2026Radsport live im Stream, TV und Ticker: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker?In unserer Tagesvorschau informieren wir über die wicht

26.08.2026Das Strafenregister der Vuelta a Espana / 5. Etappe

(rsn) – Die Liste an potenziellen Vergehen, derer Radprofis, Teammitarbeitende oder andere am Rennen Beteiligte im Laufe einer Rundfahrt bezichtigt werden können, ist lang. Genauso lang wie das Reg

26.08.2026Van Aert kontrolliert das Feld – aber nicht seine Brille

(rsn) – Wout van Aert (Visma – Lease a Bike) war im Ziel der 5. Etappe der Vuelta a Espana (2.UWT) glücklich. Sein Team kontrollierte das Finale, der belgische Superstar hatte daran entscheidend

26.08.2026Die Highlight-Videos der Vuelta a Espana

(rsn) – Für Leser und Leserinnen, die lieber schauen statt lesen, bietet radsport-news.com die Highlight-Videos. Die Eurosport-Mitschnitte aller 21 Teilstücke der diesjährigen Vuelta a Espana (2.

26.08.2026Laporte: “Haben gezeigt, wozu wir in der Lage sind“

(rsn) – Während Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) in den Bergen dominiert, sind auch die Sprints der Vuelta a Espana 2026 bisher eine klare Sache. Matthew Brennan (Visma – Lease a Bike) ko

26.08.2026Brennan krönt perfekte Visma-Vorstellung mit zweitem Sieg

(rsn) – Nach mustergültiger Vorbereitung seines Teams hat Matthew Brennan (Visma – Lease a Bike) seinen zweiten Tagessieg bei der 81. Vuelta a Espana (2.UWT) gefeiert. Der 21-jährige Brite ließ

26.08.2026Finn gewinnt auch Schlussetappe und feiert Gesamtsieg

(rsn) – Lorenzo Finn (Red Bull – Bora – hansgrohe) hat mit einem standesgemäßen Auftritt die 62. Tour de l´Avenir (2.2U) für sich entschieden. Der 19-jährige Italiener sicherte sich die abs

26.08.2026Liste der ausgeschiedenen Fahrer / 5. Etappe

(rsn) - 184 Fahrer aus 23 Teams nahmen die Vuelta a Espana 2026 beim Auftaktzeitfahren in Monaco in Angriff. Nicht alle werden das Ziel an der Alhambra in Granada im Süden Spaniens erreichen. Stürz

26.08.2026Unantastbarer Pogacar: Konkurrenz fährt ihr eigenes Rennen

(rsn) - Seit neun Rundfahrten ist Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) ungeschlagen. Und bei der Vuelta a España (2. UWT) dürfte sich das nicht ändern. Vielleicht konnte man nicht schon nach der 4.

26.08.2026Uijtdebroeks gibt Vuelta auf: “Halte den Schmerz nicht mehr aus“

(rsn) – Genau 26:11 Minuten nach Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) erreichte Cian Uijtdebroeks (Movistar) als 182. und damit letzter Fahrer in Andorra das Ziel der 4. Etappe der Vuelta a Espa

JEDERMANN-RENNEN DIESE WOCHE
  • Keine Termine