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27.07.2026 | (rsn) - Ein unglaublich spannendes Finale und eine ganz große Geste auf den Champs-Élysées krönten diese 113. Tour de France. Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech), der mit der größten Geschwindigkeit von hinten herangebraust kam, hörte zehn Meter vor dem Ziel auf zu treten, riss den rechten Arm in die Höhe und feierte so den Sieg seines Teamkollegen Mathieu van der Poel, der mit knapp einer Radlänge als Sieger über die Linie bretterte.
Man weiß nicht sicher, ob Philipsen noch am Niederländer vorbeigekommen wäre. Sicher ist aber, dass er es nicht mehr versuchte. Der Belgier gönnte dem ehemaligen Weltmeister aus vollem Herzen den Sieg. "Mathieu hat in der Vergangenheit schon so viel für mich getan, er ist ein unglaublicher Teamkollege und selbst ein Champion – und mehr als das, auch ein Freund“, ließ Philipsen bei Eurosport durchblicken, warum er sich so für seinen Kumpel freute.
"Alles, was er tut, nicht nur für mich, sondern auch fürs Team, ist alles andere als egoistisch. Er ist einfach unglaublich stark und liebt es, anderen Teamkollegen zu Siegen zu verhelfen. Und das macht ihn zu einer wunderbaren Person“, lobte er van der Poel, der ihn auf der 17. Etappe von Chambery nach Voiron zum so wichtigen und herbeigesehnten Etappensieg gezogen hatte. Auch hier ist es müßig, darüber zu diskutieren, ob van der Poel nicht selbst schon dort seinen zweiten Etappensieg nach dem Erfolg auf der 9. Etappe in Ussel hätte feiern können.
Keine Frage ist, dass der Sieg dem Niederländer unendlich viel bedeutete. "Das war eines der Rennen, die ich in meinem Leben noch gewinnen wollte. Ich habe natürlich noch ein paar, aber das war eines davon“, gestand er im Flash-Interview.
Dafür musste van der Poel den zurzeit weltbesten Rennfahrer mit einer Weltklasseleistung besiegen. Der Alpecin-Kapitän hatte im letzten Anstieg zum Montmartre das Tempo derart erhöht, dass ihm nur noch Tadej Pogacar UAE - Emirates - XRG) folgen konnte. Gemeinsam fuhren sie sich auf den letzten zehn Kilometern einen Vorsprung von rund 15 Sekunden heraus, der aber bis zum Erreichen der Flamme Rouge wegen der Nachführarbeiter des Decathlon-Teams in der Verfolgergruppe auf fünf Sekunden schmolz.
Bei etwa 500 Meter vor dem Ziel drehte sich van der Poel noch mal um. Und als er sah, wie dicht ihm die Verfolger nahgekommen waren, mobilisierte er alle Kräfte und ließ Pogacar hinter sich, der einsah, dass sein Unterfangen, als erster Mann in Gelb nach Bernhard Hinault 1982 in Gelb in Paris zu gewinnen, aussichtslos war.
Die Verfolger kamen unter der Führung von Mads Pedersen (Lidl – Trek) immer näher. Als der Däne dann seinen Sprint begann, löste sich Philipsen aus dessen Windschatten. Um einiges schneller als sein Teamkollege, jagte er dem Schlussstrich entgegen, bis sein Antritt in Jubel überging.
"Es ist unglaublich. Es war so hart und dann mit dem besten Fahrer der Welt vorne zu sein… Ich muss Tadej einen großen Respekt aussprechen. Ich dachte, dass wir wieder eingeholt werden, doch dann habe ich nur noch an diesen Moment gedacht und 500 Meter vor dem Ziel meinen Kopf runtergenommen. Ich bin so schnell gefahren, wie ich konnte“, erinnerte sich van der Poel bei Eurosport an die letzten Meter eines denkwürdigen Rennens, das genau den von den Organisatoren erhofften Verlauf genommen hatte.
An den drei Montmartre-Anstiegen nämlich hatten die besten Fahrer dieser Tour de France nämlich wie erwartet attackiert und die Flachlandsprinter wie Olav Kooij (Decathlon - CMA - CGM) Sprinter damit in Zugzwang gebracht. "Ich habe nur darauf gewartet, bis mich ein Rad überholt, aber es ist einfach nicht passiert. Im allerletzten Moment habe ich einen Pirellireifen neben mir gesehen und das war der von Jasper (Philipsen)“, wusste er, dass sich die ganze Mühe gelohnt hatte, weil einer von ihnen gewinnen würde.
Völlig erschöpft sank van der Poel kurz hinter der Ziellinie vom Rad. Minutenlang lag er auf dem Boden, bis er wieder in der Lage war, auf seinen Beinen zu stehen und ein erstes Siegerinterview zu geben. "Das zeigt, dass wir nie aufgeben. Der Start dieser Rundfahrt war vielleicht nicht so gut, aber die Plätze eins und zwei auf der Champs-Elysees sind wirklich gut“, durfte er einen mehr als zufriedenen Schlussstrich unter diese Tour seines insgeasmt auf drei Etappen erfolgreichen Teams ziehen.
Mit dem Sieg auf den Champs Élysées hatte van der Poel wieder hatte etwas geschafft, was zuvor weder seinem Opa Raimond Poulidor noch seinem Vater Adrie van der Poel gelungen war. Der hatte in Paris 1982 hinter Bernard Hinault immerhin Platz zwei belegt. "Gegen seine Erfolge bin ich nur ein kleiner Junge“, freute sich van der Poel Senior, vielleicht auch deshalb ganz besonders, weil sein Sohn das Gelbe Trikot besiegt hatte.
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