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26.07.2026 | (rsn) – Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) hat in einem packenden Finale auf den Champs-Élysées die abschließende 21. Etappe der 113. Tour de France (2.UWT) für sich entschieden und nach 88,7 Kilometern durch Paris die Sprinter knapp auf Distanz gehalten.
Der 31-Jährige Niederländer konnte sich nach einer Attacke an der letzten Montmartre-Überquerung gemeinsam mit Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) absetzen und bis auf die Zielgerade einen Vorsprung von wenigen Sekunden behaupten. Als die Verfolger dann fast heran waren, mobilisierte van der Poel nochmals alle Kräfte und rettete sich knapp vor seinem Teamkollegen Jasper Philipsen ins Ziel, um seinen zweiten Etappensieg zu feiern. Der Belgier wiederum hatte, nachdem er auf den letzten Metern noch an Mads Pedersen (Lidl - Trek) vorbeigezogen war, aufgehört zu treten und van der Poel den prestigeträchtigen Sieg überlassen. Der Alpecin-Star sackte kurz hinter der Linie völlig entkräftet zusammen,
Als bester Deutscher sprintete Max Kanter (XDS – Astana) auf den vierten Platz und beendete damit seine erste Frankreich-Rundfahrt mit einem Spitzenergebnis, nachdem er schon zuvor viermal unter den besten Vier gelandet war. Van der Poels Landsmann Olav Kooij, dessen Decathlon-Equipe viel gearbeitet hatte, musste sich mit Rang fünf begnügen. Pogacar nahm auf den letzten Metern, nachdem er nicht mehr mit MVP mithalten konnte, die Beine hoch und wurde noch bis auf Rang 30 durchgereicht. Kurz darauf konnte der 27-jährige Slowene jedoch seinen fünften Gesamtsieg feiern, womit er mit den Rekordhaltern Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard und Miguel Indurain gleichzog.
“Bereits vor einem Jahr habe ich darüber nachgedacht, als ich krank war und die Etappe zuhause vor dem Fernseher verfolgen musste. Ich habe bereits über diesen Moment nachgedacht. So wie es jetzt gelaufen ist, ist ein Traum“, kommentierte van der Poel im Flash-Interview seine grandiose Fahrt, mit der er eine herausragende Tour de France krönte.
Dabei vergaß er aber nicht, auch seinem Kontrahenten Pogacar ein Sonderlob auszusprechen. “Es ist unglaublich. Es war so hart und dann mit dem besten Fahrer der Welt vorne zu sein… Ich muss Tadej meinen großen Respekt aussprechen. Ich dachte, dass wir wieder eingeholt werden, doch dann habe ich nur noch an diesen Moment gedacht. Ich habe 500 Meter vor dem Ziel meinen Kopf runtergenommen und bin so schnell gefahren, wie ich konnte. Ich habe nur darauf gewartet, bis mich ein Rad überholt, aber es ist einfach nicht passiert. Im allerletzten Moment habe ich einen Pirelli-Reifen neben mir gesehen und das war der von Jasper (Philipsen)“, so van der Poel, nachdem er dem Alpecin-Team nach holperigem Tour-Beginn den dritten Tagessieg beschert hatte.
“Es zeigt, dass wir nie aufgeben. Der Start dieser Rundfahrt war vielleicht nicht so gut, aber die Plätze eins und zwei auf den Champs-Élysées sind wirklich gut“, sagte er auch mit Blick auf Philipsen, der bis zur 17. Etappe auf seinen ersehnten Tagessieg warten musste, wobei er da auf die perfekte Unterstützung von van der Poel bauen konnte. Dafür gab er 28-Jährige nun in Paris etwas zurück. “Das war eines der Rennen, die ich in meinem Leben noch gewinnen wollte. Ich habe natürlich noch ein paar, aber das war eines davon“, fügte van der Poel nach dem 62. Sieg seiner Profikarriere an.
Derer 127 hat nun Pogacar auf seinem Konto. Im Gesamtklassement lag der Weltmeister nach 21 Etappen: 6:26 Minuten Minuten vor dem Belgier Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe), der als Gesamtzweiter sein bisher bestes Ergebnis bei der Tour einfuhr und zudem zwei Etappen gewann. Das Podium in Paris komplettierte Pogacars Teamkollege Isaac Del Toro (+ 9:42), der wie der viertplatzierte Franzose Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM / +11:56) erstmals die Frankreich-Rundfahrt bestritt. Sein Landsmann Lenny Martinez (Bahrain Victorious / + 13:02) wurde Gesamtfünfter vor der dänisch-spanischen Lidl-Trek-Doppelspitze Mattias Skjelmose (+ 14:59) und Juan Ayuso (+17:48).
"Ich bin jetzt sieben Mal die Tour gefahren und stand sieben Mal auf dem Podium – fünf Siege. Das ist etwas, was man sich nicht mal in ein Drehbuch schreiben würde. Wirklich unglaublich, auch für mich", sagte Pogacar im Flash-Interview zu seinem erneuten Tour-Triumph, dem er auf der Schlussetappe auch noch mit einem weiteren, dann sechsten Etappensieg garnieren wollte. Auch wenn dies nicht gelang, so sprach Pogacar von einem "großartigen Tag. Ich bin sprachlos – ein unglaublicher Tag, unglaubliche Atmosphäre und ich bin happy, dass es vorbei ist und wir zum fünften Mal gewonnen haben."
Der Ecuadorianer Richard Carapaz (EF Education – EasyPost) gewann neben dem Bergtrikot noch zwei Etappen und beendete die Tour auf Rang acht (+20:00). Zudem wurde er zum Kämpferischsten Fahrer gewählt. Die Top Ten komplettierten der Brite Tom Pidcock (Pinarello – Q36.5) und der Franzose Jordan Jegat (TotalEnergies).
Der Schweizer Yannis Voisard (Tudor), der 28 Jahre alt wurde, belegte Rang elf, der Österreicher Felix Großschartner (UAE – Emirates – XRG) beendete die Rundfahrt auf Rang 32. Bester deutscher Fahrer war Felix Engelhardt (Jayco – AlUla) auf Platz 70.
Der 30-jährige Pedersen (Lidl – Trek) sicherte sich die Punktewertung und wurde damit im Grünen Trikot Nachfolger seines Teamkollegen Jonathan Milan. Del Toro durfte sich das Weiße Trikot überstreifen, Lidl – Trek gewann die Teamwertung.
Noch 158 Fahrer nahmen auf den Champs-Élysées die letzten 88,7 Kilometer dieser Tour in Angriff. Die Strecke musste kurzfristig verkürzt werden, nachdem das französische Innenministerium Sicherheitskräfte zur Bekämpfung der Waldbrände im Westen Frankreichs abgezogen hatte. Nach sechs Runden über die Champs-Élysées standen drei Montmartre-Überquerungen an, ehe das Ziel auf dem Prachtboulevard erreicht wurde. Die Zeit für das Gesamtklassement wurde 48 Kilometer vor dem Ziel und damit noch vor der ersten Montmartre-Überquerung gestoppt.
Nach den ersten beiden, neutralisiert ausgetragenen Runden, auf denen sich die Trikotträger mit ihren Teams präsentierten, ging zunächst Baptiste Veistroffer (Lotto – Intermarché) in die Offensive und sicherte sich nach knapp 28 Kilometern den letzten Zwischensprint dieser Tour. Kurz nachdem der Franzose wieder gestellt war, lösten sich der Spanier Xabier Mikel Azparren (Pinarello - Q36.5) und der Franzose Thibault Guernalec (TotalEnergies) und fuhren sich auf das von Lidl – Trek und Jayco – AlUla angeführte Feld einen Vorsprung von rund 50 Sekunden heraus.
Der war schon an der ersten der drei Bergwertungen am Montmartre aufgebraucht, denn nach einer ersten Tempobeschleunigung von Alpecin attackierte Pedersen auf dem Kopfsteinpflasteranstieg und initiierte eine Spitzengruppe mit den aufmerksamen Favoriten, die nach der Abfahrt aber wieder gestellt wurde.
Das Streckenprofil der 21. Etappe der Tour de France. | Foto: Veranstalter
Danach spannte sich Red Bull – Bora – hansgrohe vor das Feld und vergrößerte mit hohem Tempo den Vorsprung auf eine Gruppe um Del Toro, der nach einem Defekt und deshalb erforderlichen Radwechsel den Anschluss verloren hatte. Aufgrund der früheren Zeitnahme musste sich der Mexikanische Meister aber keine Sorgen um seinen Podiumsplatz machen.
Red-Bull-Kapitän Evenepoel hatte zunächst keine Antwort auf Pogacars Attacke an der zweiten Montmartre-Überquerung. Nur van der Poel konnte dem Gelben Trikot folgen, ehe in der Abfahrt dann doch der Belgier und kurz darauf auch noch Pedersen an das Duo herankamen.
Das gelang dann 20 Kilometer vor dem Ziel auch den diesmal von Kooijs Decathlon-Equipe angeführten Verfolgern. In der Anfahrt zur letzten Montmarte-Passage spannte sich wieder UAE vor das deutlich kleiner gewordene Feld. Doch dann übernahmen andere Teams die Spitze, ehe in dem einen Kilometer langen und 6,5 Prozent steilen letzten Anstieg dieser Tour dann doch wieder die Großen in Aktion traten.
Diesmal war es van der Poel, der mit Pogacar am Hinterrad zehn Kilometer vor dem Ziel davonfuhr. Hinter den beiden Superstars formierte sich eine sechsköpfige Gruppe um Jasper Stuyven (Soudal – Quick-Step), der wiederum weitere Verfolger um Pedersen und Kooij im Nacken saßen. Die fingen das Sextett sieben Kilometer vor dem Ziel ein.
Eingangs des Schlusskilometers hatten die Jäger den Rückstand auf fünf Sekunden reduziert. Als es auf die Zielpassage ging, drehte sich van der Poel kurz um und beschleunigte unwiderstehlich, als er sah, dass die von Cofidis angeführten Verfolger nur noch wenige Meter hinter den beiden Spitzenreitern waren. Während der Tour-Gesamtsieger nichts mehr zuzulegen hatte, vergrößerte van der Poel schnell die Lücke und rettete sich in einem packenden Sprint gerade noch so ins Ziel.
Hinter ihm fuhr sein Teamkollege Philipsen noch an Pedersen vorbei und nahm dann aber kurz vor der Linie die Beine hoch, um mit van der Poel den Alpecin-Doppelsieg zu bejubeln. Knapp nach dem Spitzentrio sicherte sich Kanter Rang vier vor Kooij und rundete damit ein starkes Tour-Debüt mit seinem fünften Top-Ten-Ergebnis ab.
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