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27.07.2026 | (rsn) – Die Schlussetappe seiner letzten Tour de France (2.UWT) beendete John Degenkolb (Picnic – PostNL) auf dem 89. Platz. Aus ganz anderen Gründen jedoch wird ihm seine Abschiedsvorstellung auf den Pariser Champs-Élysées in Erinnerung bleiben. "Das war schon wirklich etwas ganz, ganz Besonderes hier. Als wir dann zusammen abgehängt waren, konnte ich die Atmosphäre auch noch mal ein bisschen mehr genießen“, sagte der 37-jährige Oberurseler im Ziel der ARD.
Auf den zuvor ausgetragenen letzten 88,7 Kilometern dieser 113. Tour de France hatte Degenkolb allerdings noch die Strapazen der Alpenetappen zu spüren bekommen. “Ich hatte aber heute wirklich keine guten Beine. Nach gestern oder nach den letzten Tagen durch die Berge, das war echt mega schwer“, gestand er ein. Bereits nach der über 5.500 Höhenmeter führenden Königsetappe am Samstag hatte der Sprint-und Klassikerspezialist gestöhnt: "Das ist einfach gestört, über 5000 Höhenmeter.“
In der französischen Hauptstadt waren die Qualen am Sonntagabend dann aber vergessen. “Am Ende bin ich trotzdem wahnsinnig froh und glücklich und happy, dass wir als Mannschaft hier so gut durchgekommen sind und am Ende gemeinsam, den Moment genießen können. Jedes Jahr nimmt man hier wirklich Sachen mit und man erlebt Dinge, die man später mal seinen Enkeln erzählen kann. Ich glaube, darum geht es auch im Leben, dass solche Momente mitgenommen werden. Da bin ich dankbar dafür, so etwas dann auch an die nächste Generation weiterzugeben“, sagte Degenkolb, der bei Picnic – PostNL noch einen Vertrag für die Saison 2027 hat und bei den Niederländern dann für ein letztes Jahr in die Rolle des Road Captains schlüpfen wird.
In rein sportlicher Hinsicht blieb seine elfte Tour de France ohne Erfolgserlebnisse. Das galt mehr noch für sein Team Picnic – PostNL, das bereits zum Grand Départ im Auftaktzeitfahren nicht über Rang 22 – bei 23 gestarteten Teams – hinausgekommen war. Nach 21 Etappen stand in der Mannschaftswertung der letzte Platz zu Buche. Von einem Etappensieg – es wäre der überhaupt erst zweite Saisonerfolg gewesen – war Picnic-PostNL meilenweit entfernt.
Sprinter Pavel Bittner sorgte als Fünfter der 8. Etappe in Bergerac für das beste Ergebnis. “Klar, es war eine richtig schwere Tour und auf dem Papier haben wir jetzt vielleicht kein Outstanding-Ergebnis“, sagte Degenkolbs Teamkollege Niklas Märkl nach seiner zweiten Tour de France ebenfalls der ARD.
Der bescheidenen Bilanz stellte der Queidersbacher den “Team-Spirit“ gegenüber. “Wir haben jeden Tag versucht, das, was möglich war für uns, rauszuholen und im Rennen dabei zu sein.“ Das galt auch für die Schlussetappe, auf der Bittner im Sprint lanciert werden sollte. Doch der 23-jährige Tscheche stürzte auf der Zielgerade und wurde beim Sieg von Mathieu van der Poel (Alpecin - Premier Tech) auf Rang 140 gewertet.
“Wenn man jetzt sieht, dass Pavel in dem Sprint ist und dann stürzt, heißt ja auch, dass er es wieder versucht hat. Ich glaube, das ist das, worauf es ankommt“, so Märkl, der zuvor auf dem Rundkurs von Paris versucht hatte, in eine Ausreißergruppe zu kommen. “Dann habe ich aber ganz, ganz schnell gemerkt, dass das nichts wird. Und wie Dege sagte, haben wir die letzten zwei Runden hier verbracht und ein bisschen die Atmosphäre genossen.“
Bereits in Alpe d’Huez hatte Degenkolb die ganz spezielle Atmosphäre einer Tour de France hervorgehoben. “Diese Momente sind einfach gigantisch. Aber ich habe das in meiner Karriere ja schon mehrmals erlebt und konnte es genießen und in mich aufnehmen. Ich glaube, ich kann gut damit leben, dass dies nun wirklich meine letzte Tour war.“
Noch lange aber nicht sein letztes Saisonrennen. Zunächst jedoch wird der Routinier einige Tage rausnehmen. “Ich freue mich riesig darauf, jetzt erst einmal eine Pause zu machen und etwas Ruhe zu bekommen – die bekomme ich auch vom Team. Am Samstag werde ich wahrscheinlich, beziehungsweise ziemlich sicher, in Bocholt (beim dortigen Nach-Tour-Kriterium, d. Red.) an den Start gehen. Meine nächsten Rennen werden dann Hamburg und die Deutschland Tour in Hamburg sein“, kündigte Degenkolb dann noch Starts bei den ADAC Cyclassics (16. August) sowie bei der am 19. August im hessischen Bad Orb und damit quasi vor seiner Haustür beginnenden nationalen Rundfahrt an.
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