Tour total / Tag 5

Postkartenidylle zum Pyrenäenabschied

Von Marco Ruhl

21.07.2008  |  Tour total verlässt die Pyrenäen. Wir sind auf dem Weg zum Col de Portel, dem letzten der Großen im Südwesten. Der Vormittag stand im Zeichen der beiden pyrenäischen HC-Steigungen: Col du Tourmalet und Hautacam. Man hat sich langsam an die Höchstschwierigkeiten herangetastet, nach zweimal Cat. 1 auf der vorigen Etappe nun also zweimal 'hors catégorie'.

Nach dem schlechten Wetter des Vortags saßen wir am Abend ziemlich ratlos zusammen: Was, wenn das schlechte Wetter anhält? Was, wenn der Tourmalet mit jenseits 2.100 m im (Schnee-) Regen überquert wird und Guido sich pitschnass auf den Rest der Strecke machen muss? Unser Wohnmobil vom Campingservice Grabe aus Ammern hatten wir im Zielort Bagnères-de-Bigorre geparkt, und drinnen glich es einer netten Plauschrunde am Lagerfeuer. Allerdings saßen sorgenzerfurchte Stirnen am Tisch. Guido hatte die Regenabfahrt vom Aspin tüchtig mitgenommen. Und da es in Strömen goss, wurde der Plan, gleich am Abend noch nach Pau zu fahren, um die 10. Etappe unter die Reifen zu nehmen, aufgegeben. Sie führte sowieso wieder nach Bagnères und dann weiter zum Tourmalet, so dass man Nachtruhe mitten in der Etappe hätte einschieben können. Aber der Regen war dagegen.

Also machten wir uns erst Montagmorgen nach Pau auf. Zum Glück hatte der Wetterbericht recht behalten und der Regen hatte aufgehört. Schon am Morgen zeigte sich auch wieder erstes Blau am Himmel. Dennoch lag der Tourmalet noch in Wolken und einmal mehr war's nichts mit der schönen, weiten Aus- und Rundumsicht. Wie üblich fasste Guido seine Erfahrungen am Berg prägnant in kurze Worte: „Puh, lang!”

Nach der langen Abfahrt ins Tal der Luz war es dann nicht ganz einfach, die Muskeln direkt wieder auf Touren zu bringen, und weil sie sich sofort mit der Steigung nach Hautacam auseinandersetzen mussten, tat diese richtig weh. Als recht unrhythmischer Berg wurde sie auch kein ganz so guter Freund von Guido, aber wenigstens schien inzwischen wieder die Sonne auf die Pyrenäen, so dass Hautacam und Guido wenigstens mit einem Blick in die Augen und einem festen Händedruck auseinandergingen.

Unterdessen löste sich ein anderes Problem des Vortags. Die Rundum-Warnleuchte, die das Dach des Begleitfahrzeugs ziert, um Guido abzusichern, hatte einen elektrischen Schluckauf bekommen, der mit Bordmitteln nicht zu beheben war. Unser Campingplatznachbar in Bagnères registrierte die Rat- und Werkzeuglosigkeit der Thüringer Tour total-Crew und bot seine Hilfe an. Nicht endgültig geklärt werden konnte, ob er immer so in Urlaub fährt, aber der Herr zauberte ein mittelgroßes Elektrofachgeschäft aus seinem Campinghänger und reparierte die Rundumleuchte, die nun wieder freudig blinkt.

Ungelöst ist jedoch derzeit das Problem mit der Schaltung an Guidos Bergrad. Der vordere Umwerfer muss alle Nase lang nachjustiert werden, damit sich zwischen den Blättern normal hin- und herschalten lässt. Die Frequenz ist inzwischen untragbar hoch, so dass sich Guido sogar entschieden hat, die letzte Pyrenäenetappe mit dem Rad für die Ebene zu fahren, das eigentlich für die Anstiege zu groß übersetzt ist. Mal sehen, wie sich der Kraftaufwand entwickelt. Wahrscheinlich wird er am Fuß des Portel das Bergrad nehmen und dann gleich auf dem kleinen Blatt starten, damit die Hakler umgangen sind.

Im Prinzip wäre der Umwerfer auch notoperiert worden, aber in Lannemezan hatten die einzigen beiden Fachgeschäfte montags zu. Eine freundliche Dame vom Verkehrsamt erläuterte: „Tja, montags sind drei Viertel der Geschäfte geschlossen.” Aha. Die Operation ist daher zunächst einmal auf Narbonne oder Nîmes vertagt, in der Hoffnung, dass sich dort ein Fachladen findet, der sofort agiert. Radwechsel an jedem Berg wäre jedenfalls keine ernst zu nehmende Alternative. Die Zeiten von Maurice Garin und Louis Petit-Breton sind nun mal 100 Jahre vorbei. Wir informieren weiter über die Genesung der Schaltung.

Hier wird es nun langsam dunkel. Die Begleitfahrzeugbesatzung wird sich stärker auf den vorausfahrenden Radfahrer konzentrieren müssen. Wir verlassen aber die Pyrenäen wenigstens bei heiterem Himmel und Blick auf satt grüne Hänge und majestätische Berggipfel wie auf der Postkarte.

Am 17. Juli startete Guido Kunze seine „Tour total“. Der 42-jährige Extremsportler will die komplette Strecke der 95. Tour de France abfahren und am 27. Juli, kurz vor dem Tour-Tross, in Paris auf den Champs-Elysées eintreffen. Kunze hat sich ein gewaltiges Programm vorgenommen. Weil er nur zehn Tage Zeit hat, muss der Extremsportler pro 24 Stunden umgerechnet etwa 2,2 Etappen bewältigen. In einem Tagebuch berichtet Marco Ruhl, einer von Kunzes Begleiter, von dessen Erlebnissen in Frankreich.

Weitere Jedermann-Nachrichten

04.09.2026Team Velolease: Zum vierten Mal auf dem Stockerl

Mehr als 4000 Starter jedes Jahr - der Ötztaler Radmarathon gehört für viele Radsportler/innen zum Höhepunkt der Saison. Für das Team Velolease war die 45. Auflage des Klassikers noch einmal etwa

02.09.2026Team Strassacker: Trotz Verpflegungs-Problemen am Podium

227 Kilometer, 5500 Höhenmeter, vier Pässe - schon die blanken Zahlen des Ötztaler Radmarathons sprechen für sich. Am vergangenen Sonntag stellten sich fünf Jungs des Teams Strassacker - Nils Kes

30.08.2026Der Ötztaler Radmarathon im Livestream

(rsn) - Der legendäre Ötztaler Radmarathon live und in voller Länge im Stream: 227 Kilometer und 5500 Höhenmeter erwarten tausende Radfahrer am Sonntag. Vier Alpenpässe müssen überwunden werden

27.08.2026Deutschland-Tour Jedermann: Wieder ganz oben am Treppchen

Das Jedermannrennen der Deutschland-Tour gehört fest zur Team-Geschichte des Teams Strassacker - war es doch Anlass für seine Gründung. Nachdem wir dabei im Vorjahr leer ausgingen, sollte in diesem

03.08.2026Team Strassacker: Vier Rennen - und viele Erfolge

Seit vielen Jahren zieht es das Team Strassacker traditionell Ende Juli in die "Grüne Hölle" der Eifel. Auf dem legendären Nürburgring starteten die Jungs des Teams dieses Jahr in unterschiedliche

30.07.2026Rad am Ring: Florian Christ triumphiert in der grünen Hölle

Meine Vorgabe als Team-Chef für das Rennen am Nürburgring war eindeutig: Individuelle Ziele werden dem Gesamtsieg untergeordnet. Mit einer klaren Taktik gingen wir ins Rennen, denn das Ziel war: Am

27.07.20263Rides Gravel Winterberg: Zehn Stunden Vollgas auf Schotter

Drei Tage feinste Gravel-Action im Hochsauerland: Das 3Rides-Gravel-Etappen-Rennen lockte viele ambitionierte Radsportler/innen nach Winterberg, so auch das Team Strassacker. Auch wenn die anspruchsvo

07.07.2026Maratona dles Dolomites: Über sieben Pässe musst Du fahr´n...

Die Maratona dles Dolomites zählt seit vielen Jahren zu den prestigeträchtigsten Granfondos in Europa: 138 Kilometer, 4230 Höhenmeter, legendäre Dolomiten-Pässe wie Pordoi, Sella, Grödner Joch,

01.07.2026Granfondo Livigno: Teamwork auf den schönsten Alpenpässen

167 Kilometer, 4300 Höhenmeter und sieben Pässe – nur zwei Wochen nach dem für uns recht erfolgreichen SuperGiro Dolomiti folgte mit dem Granfondo Alé Livigno für neun Fahrer des Team VeloLease

30.06.2026Tour Transalp: Finale furioso am Lago

Die letzte Etappe der Tour Transalp führte uns von Lavarone nach Riva del Garda. Mit 85 Kilometern war sie etwas kürzer als die der vorherigen Tage, hatte mit rund 1850 Höhenmetern aber noch einmal

29.06.2026Gravel Vianden: Mit Knallgas an der Our

(rsn) - Gravel boomt - das sieht man auch in Vianden in Luxemburg: Das UCI Eislek Gravel Race zieht jedes Jahr mehr Starterinnen und Starter an. Am vergangenen Sonntag ging es auf einer 37-km-Runde mi

28.06.2026Tour Transalp: Zwei Zeitfahren auf einer Etappe

Die vorletzte Etappe der Transalp führte uns gestern von Semonzo nach Lavarone. Pünktlich um neun Uhr ging es auf die 126 Kilometer lange Strecke mit fast 2860 Höhenmetern - die mit einem besondere

JEDERMANN-RENNEN DIESE WOCHE
  • Keine Termine