78 653 Unfälle, 405 Tote - ADFC fordert elektronische Warn-Systeme und weniger Tempo

Fahrrad-Unfälle: 2014 um fast zehn Prozent gestiegen

Foto zu dem Text "Fahrrad-Unfälle: 2014 um fast zehn Prozent gestiegen"
Im Toten Winkel eines Lkw sind Fußgänger und Radfahrer oft nicht zu sehen. | Foto: ADFC

18.04.2015  |  "Vision Zero" - keine Toten im Straßenverkehr - bleibt ein fernes Ziel: Im Jahr 2014 passierten 78 653 Fahrradunfälle auf deutschen Straßen, dabei starben 405 Menschen.

Das geht aus den heute veröffentlichten Zahlen

des Statistischen Bundesamtes hervor. Häufigste Ursache bei Kollisionen sind in jedem Jahr fahrlässig abbiegende Autos und LKW.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) fordert neben sicheren Radwegen auch elektronische Warnsysteme, die vor Radfahrern oder Fußgängern im Toten Winkel warnen, mehr Kontrollen an Kreuzungen und mehr Tempo-30-Zonen.

ADFC-Bundesvorstand Ulrich Syberg sagt:
"'Wir wollen Fahrradstadt werden' - dieser Satz hat derzeit Hochkonjunktur. Gut, wenn es Entwicklungspläne und politische Bekenntnisse zur Radverkehrsförderung gibt. Aber Verkehrssicherheit darf nicht bis morgen warten - wir brauchen jetzt Maßnahmen, um die bedrückende Anzahl von Toten und Verletzten zu minimieren."

Die Zahl der verunglückten Fahrradfahrer insgesamt nahm im Jahr 2014 gegenüber dem Vorjahr um fast zehn Prozent zu. Die starke Schwankung ist vor allem auf die Witterungsbedingungen zurückzuführen.

Insbesondere die relativ milden Winter-Monate
und ein sehr warmer, trockener Frühling sorgten für mehr Radfahrer und damit zu mehr Getöteten und Verletzten. Bei gutem Wetter wird mehr und schneller Auto gefahren. Zudem sind mehr ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer unterwegs. Dadurch sind die Folgen der Unfälle schwerer.

Die häufigsten Ursachen von Fahrrad-Unfällen waren in den vergangenen Jahren fehlerhaft abbiegende Kraftfahrzeuge und Missachtung der Vorfahrt der Radfahrer. Der ADFC appelliert an Verkehrsplaner, Radwege und -spuren so zu planen, dass die Radfahrer geschützt sind, und im Blickfeld des Kraftverkehrs bleiben.

Gleichzeitig müssen elektronische Assistenz-Systeme
schnell weiterentwickelt werden, so dass sie nicht nur vor Kollisionen mit Blumenkübeln, sondern auch vor gefährlichen Situationen mit anderen Verkehrsteilnehmern warnen. Hier ist der Gesetzgeber gefordert, Automobil-Herstellern klare Vorgaben zu machen.

Aber auch Radfahrer verschulden viele Unfälle selbst. So ist die falsche Fahrbahn-Benutzung - das Fahren auf Gehwegen oder das "Geisterradeln" auf Radwegen gegen die vorgeschriebene Fahrtrichtung - das häufigste Fehlverhalten. Hier appelliert der ADFC mit Nachdruck an alle Radfahrer, die Regeln zu beachten.

Präsident Syberg: "Auch Radfahrer können und müssen
dazu beitragen, die Sicherheit und das Verkehrsklima zu verbessern." Erstmals in der Unfall-Statistik erfasst wurden Elektro-Fahrräder.

Der Anteil der Unfälle mit den sogenannten Pedelecs entspricht etwa ihrer Verbreitung: Es gab 2014 etwa 1,6 Millionen Pedelecs bei 71 Millionen Fahrrädern insgesamt.

Bei den Todesfällen ist der Anteil der Pedelec-Fahrer
allerdings mit 10 Prozent deutlich erhöht. Das erklärt sich durch das meist höhere Lebensalter und die damit einhergehende größere Verletzlichkeit der Pedelec-Fahrer.

Im langfristigen Trend geht die Zahl der getöteten Radfahrer zwar zurück, dennoch sind die Zahlen weiterhin beunruhigend: Die Zahl der verletzten Fahrradfahrer verringerte sich im langfristigen Mittel nicht.

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