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04.09.2026 | Mehr als 4000 Starter jedes Jahr - der Ötztaler Radmarathon gehört für viele Radsportler/innen zum Höhepunkt der Saison. Für das Team Velolease war die 45. Auflage des Klassikers noch einmal etwas Besonderes: Erstmals konnte die Mannschaft mit allen 14 Fahrern an den Start gehen. Entsprechend gut war die Atmosphäre bereits in den Tagen vor dem Rennen. Am vergangenen Sonntag standen ein zweiter Platz in der Team-Wertung, eine Zeit unter der magischen Sieben-Stunden-Marke, ein neuer U20-Streckenrekord und zahlreiche persönliche Bestleistungen zu Buche.
Der Ötztaler ist für das Team Velolease traditionell das wichtigste Rennen der Saison. Entsprechend viel Zeit hatte die Mannschaft in den Tagen vor dem Start gemeinsam verbracht. Nach zahlreichen gemeinsamen Rennwochenenden und vielen Stunden auf dem Rad kennt man sich inzwischen bestens – aus einem Radsport-Team ist längst eine Gemeinschaft geworden, mit beinahe familiären Zügen. Und mit allen 14 Fahrern am Start war die Atmosphäre im Team-Haus entsprechend besonders.
Beim Start am frühen Sonntag Morgen bekamen die Fahrer allerdings keine Gelegenheit, sich langsam ins Rennen einzufinden. Bereits auf der Abfahrt von Sölden in Richtung Ötz wurde die Geschwindigkeit brutal hochgehalten: In der ersten halben Stunde lag der Schnitt bei knapp 60 km/h, gleichzeitig wurde um jede Position gekämpft.
Am ersten Anstieg zum Kühtai blieb das Tempo hoch. Der erste Velolease-Fahrer, der sich entscheidend nach vorne arbeitete, war Florian Christ. Durch seine Start-Position hatte der 30-Jährige zunächst einige Plätze gutzumachen. Am Kühtai gelang ihm das eindrucksvoll: Mit einem mutigen Vorstoß arbeitete er sich immer weiter nach vorne und schaffte schließlich den Sprung in die knapp 15-köpfige Favoriten-Gruppe.
Zugig: Ein Rennen ohne Radbrille
Dabei hatte Florian allerdings nicht nur mit den Höhenmetern zu kämpfen: Bei einem Antritt drehte er sich kurz nach hinten und verlor dabei seine Sonnenbrille. Ersatz gab es nicht, und so musste er den Rest des Rennens ohne Brille bestreiten. Besonders in den schnellen Abfahrten sollte sich das noch bemerkbar machen. Bereits vom Kühtai ging es mit Geschwindigkeiten von bis zu 115 km/h talwärts, sodass Florian der Fahrtwind ordentlich zu schaffen machte und zwischenzeitlich für feuchte Augen sorgte.
Auch Quirin Raubinger gelang ein starker Auftakt. Er befand sich zunächst gemeinsam mit dem Betzdorfer Elias Jakobs in einer größeren Verfolgergruppe mit rund 20 bis 30 Fahrern - genau an der Stelle, die die beiden Fahrer bestens kannten: Quirin und Elias hatten nämlich zur Vorbereitung auf den "Ötzi" zuvor gemeinsam drei Wochen am Kühtai im Höhentrainingslager verbracht. Quirin nutzte nun mit einigen weiteren Fahrern die Gelegenheit, sich Stück für Stück weiter nach vorne zu arbeiten. Schließlich schaffte auch er den Sprung in die Spitzengruppe. Damit waren zwei Velolease-Fahrer ganz vorne dabei.
Elias Jakobs blieb zunächst in der ersten größeren Verfolgergruppe und hielt dort den Anschluss. Für den erst 18-jährigen war es der erste Ötztaler Radmarathon überhaupt – und schon früh zeigte sich, dass er sich an diesem Tag keineswegs verstecken musste.
Rekord: Zusammenarbeit in der Spitzengruppe
In der Spitzengruppe wurde bis zum Brenner weiter ein enorm hohes Tempo gefahren. Die Zusammenarbeit funktionierte dabei hervorragend: Jeder Fahrer übernahm Führungsarbeit, jeder investierte. Mittendrin auch Christ und Raubinger, die nicht nur um ihre eigenen Platzierungen kämpften, sondern schließlich einen kleinen Anteil am Rekord des späteren Siegers Jack Burke für sich beanspruchen konnten. Burke, der das Rennen in 6:29:21 Stunden gewann und damit einen neuen Streckenrekord aufstellte, bedankte sich bei der Siegerehrung ausdrücklich bei den Fahrern seiner Gruppe für deren Arbeit.
Während vorne also bereits auf Rekord-Niveau gefahren wurde, hielt sich Elias weiter in der ersten Verfolgergruppe. Auch André Reinlein ging das Rennen zunächst kontrollierter an. Nach dem sehr schnellen Beginn fand er sich in der nachfolgenden Gruppe wieder.
Nach der Abfahrt Richtung Sterzing wurde das Rennen zunehmend selektiver. Spätestens am Jaufen-Pass musste jeder Fahrer seinen eigenen Rhythmus finden. Das bis dahin gefahrene Tempo und die bereits absolvierten Höhenmeter machten sich bei allen bemerkbar - doch man durfte nicht zu früh und zu tief in die Reserven greifen. Gerade mit Blick auf den letzten Pass, das Timmelsjoch ging es nun darum, das richtige Verhältnis zwischen Geschwindigkeit und Kräftehaushalt zu finden. Aus größeren Gruppen wurden kleine Grüppchen, bis letztlich viele Fahrer/innen zunehmend auf sich allein gestellt waren.
Entscheidung: 1800 Höhenmeter zum Timmelsjoch
Damit begann der entscheidende Abschnitt des Rennens. Mehr als 3500 Höhenmeter waren bereits absolviert, als man sich dem Timmelsjoch näherte: 1800 weitere Höhenmeter am Stück. Für Florian Christ ging es um die große persönliche Zielmarke: die magische Grenze von sieben Stunden. Der 30-Jährige erreichte nach 6:23 Stunden das 2474 Meter hohe Timmelsjoch. Zu diesem Zeitpunkt war klar: Wenn auf den letzten Kilometern nichts Außergewöhnliches mehr passiert, sind unter sieben Stunden zu schaffen.
Doch ausgerechnet im kurzen Gegenanstieg nach der Mautstation meldeten sich seine Beine: Ein Krampf zwang Florian kurzzeitig zum Absteigen und Schieben. Für einige Momente schien die sicher geglaubte Sub-Sieben wieder in Gefahr. Doch er fand zurück auf das Rad und kämpfte sich durch die letzten Kilometer. Am Ende stand nach 6:53:35 Stunden tatsächlich erstmals für Florian eine Zeit unter sieben Stunden auf der Uhr. Er wurde Gesamt-14. und Siebter seiner Altersklasse – seine bisher beste Leistung beim Ötztaler.
Florians Platzierung zeigt, wie sehr sich das Niveau in den letzten Jahren gesteigert hat: Noch vor zwei Jahren hätte diese Zeit für einen zweiten Platz im Gesamtklassement gereicht.
Etwas länger musste Elias Jakobs auf seinen großen Moment warten. Er konnte auf den letzten Kilometern noch einmal alles aus sich herausholen - obwohl auch er am Timmelsjoch Krampfansätze spürte. Er blieb aber konzentriert und fuhr sein Rennen kontrolliert zu Ende.
Premiere: U20-Streckenrekord für Elias Jakobs
Mit 7:01:59 Stunden erreichte Elias das Ziel auf Rang 21 im Gesamtklassement. Für den 18-Jährigen war der erste Ötztaler eine außergewöhnliche Premiere: Er unterbot den U20-Streckenrekord um rund 30 Minuten. Die bisherige Bestmarke stammte von Jonas Holzknecht aus dem Jahr 2022, der im Vorjahr sensationell Gesamtzweiter geworden war. Dass Elias diese Marke bei seiner ersten Teilnahme derart deutlich verbessern konnte, war eine der herausragenden Leistungen des Renntags.
Auch André Reinlein hatte sich seine Kräfte gut eingeteilt. Im Rennverlauf arbeitete er sich Stück für Stück nach vorne und erreichte das Timmelsjoch auf Rang 31. Besonders beeindruckend war einmal mehr seine Fähigkeit, das Tempo über viele Stunden konstant zu halten und das passende Pacing richtig einzuschätzen. Obwohl André am Jaufen-Pass noch rund sieben Minuten hinter Elias lag, schaffte er es durch seine kontrollierte Fahrweise, diesen Rückstand bis ins Ziel auf zwei Minuten zu reduzieren. Am Ende standen für André 7:03 Stunden und Gesamtrang 26 zu Buche.
Nur kurze Zeit später erreichte mit Quirin Raubinger der nächste Fahrer von Team Velolease das Ziel, nach 7:05 Stunden auf Gesamtrang 33. Gemessen an seiner offensiven Fahrweise zu Beginn und dem enormen Tempo, das er über lange Zeit mitgegangen war, eine beeindruckende Leistung.
Magische Sieben: Sieben Team-Fahrer unter 7:30 h
Besonders emotional wurde der Zieleinlauf von Sebastian Stöhr. Nach seinem Sturz beim Ötztaler im Vorjahr war die Rückkehr nach Sölden eine persönliche Wiedergutmachung. Sebastian hatte sich vor dem Rennen die Marke von 7:30 Stunden vorgenommen - und konnte das mit 7:22 Stunden deutlich unterbieten. Als im Ziel damit der zweite Platz in der Team-Wertung feststand, war die Freude richtig groß.
Auch die weiteren Fahrer sorgten für eine bemerkenswerte Ergebnis-Breite: Daniel Haible absolvierte die Strecke in 7:23 Stunden, rund 20 Minuten schneller als im Vorjahr. Maxime Hagendorf blieb mit 7:29 ebenfalls unter der Marke von 7:30 Stunden.
Es folgten Ronny Stober in 7:36 und Younes Jäckel in 7:38 Stunden. Marius Schulte-Hullern kam nach exakt acht Stunden ins Ziel, Maurice Mack nach 8:14 und Manuel George nach 8:40 Stunden. Für Philip Stratmann und Team-Chef Stefan Eckardt endete der Renntag bereits in Sterzing: Beide erwischten schlicht keinen guten Tag und mussten das Rennen vorzeitig beenden.
Am Ende stand für Team Velolease der zweite Platz in der Mannschaftswertung, nur das ortsansässige Team Infinity Cycling war noch schneller. Damit gelang zwar nicht die angestrebte Rückeroberung des Mannschaftssiegs, die Breite der Team-Leistung war dennoch beeindruckend.
Besonders deutlich wird das beim Blick auf die Entwicklung der Mannschaft gegenüber dem Vorjahr: Mehrere Fahrer verbesserten ihre persönlichen Zeiten deutlich, und mehrere konnten sich im vorderen Feld des Gesamtklassements festsetzen.
Der Ötztaler 2026 war für das Team Velolease weit mehr als ein einzelnes Rennen. Schon die Tage im Team-Haus hatten gezeigt, wie eng die Mannschaft inzwischen zusammengewachsen ist. Auf der Strecke wurde daraus eine gemeinsame Herausforderung, bei der jeder Fahrer sein eigenes Rennen fahren musste – und am Ende trotzdem alle auf dasselbe Ziel hinarbeiteten: Als Team möglichst weit nach vorne zu kommen. Mission erfüllt...
Elias Jakobs ist Fahrer im Team Velolease.
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