Ötztaler Radmarathon - Rennbericht

Team Strassacker: Trotz Verpflegungs-Problemen am Podium

Von Benedikt Fundel

Foto zu dem Text "Team Strassacker: Trotz Verpflegungs-Problemen am Podium"
| Fotos: Team Strassacker

02.09.2026  |  227 Kilometer, 5500 Höhenmeter, vier Pässe - schon die blanken Zahlen des Ötztaler Radmarathons sprechen für sich. Am vergangenen Sonntag stellten sich fünf Jungs des Teams Strassacker - Nils Kessler, Dennis Biederer, Marvin Schmidt, Philipp Mühlberger und Benedikt Fundel - auf ihren Benotti-Bikes einmal mehr der Herausforderung in Tirol. Und das mit Erfolg: Das kleine, aber feine Team konnte den dritten Platz in der Mannschaftswertung einfahren.

Schon am Freitag, zwei Tage vor dem Start, begann das Abenteuer Ötzi für die fünf Strassacker-Fahrer mit der Anreise nach Sölden. Ein hartes Rennen muss gut vorbereitet sein, eine frühe Anreise mit entspanntem Ankommen am Startort ist Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Abschneiden am Renntag. Den Samstag nutzte das Team für die finalen Vorbereitungen, teambildende Maßnahmen im örtlichen Café und eine entspannte Runde auf dem Rad. Perfekte Bedingungen, um am Sonntag fit an der Startlinie zu stehen.

Dort fand sich das Team dann am nächsten Morgen gegen sechs Uhr wieder zusammen, bei nahezu perfekten Rennbedingungen. Mit knapp zweistelligen Temperaturen und den ersten Sonnenstrahlen fiel eine halbe Stunde später, um 6:30 Uhr der Startschuss. Zunächst ging es geschlossen im großen Feld rasant hinunter Richtung Ötz. Dort wartete mit dem Anstieg nach Kühtai die erste Challenge des Tages: Knapp 18 Kilometer mit etwas über 1200 Höhenmetern.

Die Aufstellung im hinteren Drittel des ersten Startblocks stellte die Jungs in Celeste vor eine erste Herausforderung: Es galt, möglichst schnell an die Spitze des Feldes zu fahren. Bei dem von Beginn an sehr hohen Tempo am Berg keine leichte Aufgabe. Oben am Kühtai angekommen, hatte sich die Gruppe des Tages bereits gebildet: Etwas über zehn Fahrer, mit dabei alle Top-Favoriten, hatten sich gelöst und waren mit etwa einer Minute Vorsprung vor dem Feld unterwegs.

Anschluß an die Spitzengruppe

Zur Hälfe des Anstiegs fasste sich der hessische Gravel-Spezialist Sebastian Breuer erneut ein Herz, um zur Spitzengruppe aufzuschließen. Diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen und setzte mich an sein Hinterrad. Zusammen mit Quirin Raubinger vom Team Velolease gelang es uns schließlich, die Spitzengruppe zu erreichen und mit den Favoriten in die schnelle Abfahrt zu gehen. Dicht hinter der Spitze, in den Gruppen zwei und drei des Rennens, folgten die vier weiteren Strassacker-Fahrer Nils Kessler, Dennis Biederer, Marvin Schmidt und Philipp Mühlberger.

Es war eigentlich zu erwarten, dass die Gruppen in der kommenden, weniger anspruchsvollen Rennphase hinauf Richtung Brenner angesichts der kleinen Abstände wieder zusammenlaufen würden. Das versuchten die Favoriten, allen voran Anton Palzer, allerdings zu verhindern. Animiert vom Ex-Profi der Red-Bull–Bora-hansgrohe-Mannschaft arbeitete die fünfzehnköpfige Spitze wie ein Uhrwerk zusammen und raste schnell wie in keiner Austragung zuvor den Brenner hinauf.

An Körner sparen war bei mir an dieser Stelle nicht zu denken. Und nach persönlicher Ansprache von Toni nahm ich brav jede Führung mit. Oben am Brenner kam es für mich dann dick: Nachdem ich schon an der ersten Verpflegung am Kühtai (die dankenswerterweise das Team Forchheim übernommen hatte, unterstützt durch unsere zwei tollen Helfer Dennis und Meli) meine Iso-Flasche nicht erwischt hatte, verpasste ich auch am Brenner die dringend benötigte Ration Zucker. Es galt also energetisch zu haushalten.

Nils musste an der Verpflegung oben am Brenner einen kurzen Stop in Kauf nehmen, um sich die Verpflegung reichen zu lassen. Dasselbe Schicksal ereilte Marvin, der sich in Folge allein auf den Weg in Richtung Ziel machen musste.

Attacke der Ex-Profis

In Sterzing dann die erwartete Attacke von Anton Palzer und dem späteren Sieger Jack Burke aus Kanada. Die Spitzengruppe zerlegte sich in ihre Einzelteile und der Kampf über die beiden letzten Pässe begann. Am Jaufen fand sich eine kleine Gruppe um mich, mit Quirin Raubinger und Florian Christ aus dem Team Velolease sowie Sebastian Breuer. Wir nahmen den Anstieg in kontrolliert zügigem Tempo in Angriff.

Nils erreichte den Pass kurze Zeit später und spulte wie ein Uhrwerk seinen im Vorfeld ausgeklügelten Race-Plan ab. Dennis folgte in einer kleinen Gruppe und kurbelte den Jaufen-Pass kontrolliert nach oben, motiviert durch italienische Fans am Streckenrand.

In der folgenden winkeligen Abfahrt Richtung St. Leonhard galt es nichts zu riskieren und keine Körner zu verspielen. Es wartete schließlich noch der Scharfrichter des Tages: das Timmelsjoch, mit knapp 30 Kilo- und rund 1800 Höhenmetern. Die erste Hälfte des Anstiegs bestritt ich abermals mit den Freunden aus dem Team Velolease, bevor sich meine mangelnde Verpflegung schließlich rächte: Nach einem kurzen Flachstück kam es zum "Motorplatzer" und mein großer Kampf Richtung Passhöhe begann.

Das Podium: Team Strassacker, Team Velolease, Team Infinity Cycling

Nils dagegen hatte auch in dieser Rennphase alles im Griff. Nach dem Motto "stick to the plan" bezwang er den Anstieg erwartet souverän, gönnte sich auf der Passhöhe ein letztes Gel, bevor er sich in Richtung Ziel aufmachte. Auch Dennis hatte mit seinen Kräften besser gehaushaltet: So schnell wie kein anderer von uns kurbelte er die langen 28 Kilometer hinauf und machte Platz um Platz gut.

Ähnlich souverän fuhr Philipp, der sich am letzten Anstieg ebenfalls deutlich verbessern konnte. Marvin hingegen ereilte ein ähnliches Schicksal wie mich. Ausgezehrt durch die lange Zeit allein und ohne Gruppe, schien der Anstieg für ihn nicht mehr aufhören zu wollen.

Druck auf der Abfahrt

Oben angekommen wartete dann nur noch die finale Abfahrt zurück Richtung Sölden. Für mich galt es hier nochmals Druck zu machen, eine Zeit unter sieben Stunden war möglich. Mit hohem Tempo jagte ich mein Benotti den Pass hinunter Richtung Ziel. Dann der Blick auf die Uhr: 6:55:59 h.

Nur wenige Minuten später folgte Nils mit einer ebenfalls hervorragenden Zeit, dicht gefolgt von Dennis. Philipp und Marvin machten die beeindruckende Mannschaftsleistung mit zwei weiteren starken Plätzen komplett.

In der Team-Wertung, die sich aus den fünf schnellsten Zeiten aller Fahrer eines Teams zusammensetzt, konnten wir uns als dritte einen Platz auf dem Podium sichern. Dass für die Mannschaftswertung wegen unserer Team-Größe jede Zeit ausschlaggebend war, unterstreicht die fünf herausragenden Individual-Leistungen an diesem Tag. Die wohlverdiente Pizza am Abend schmeckte mit diesem Erfolg umso besser...

Am nächsten Wochenende geht es für das Team Strassacker mit dem nächsten Klassiker weiter. Beim Dreitagesrennen "Riderman" im Schwarzwald treten die Jungs mit einem klaren Ziel an: Mission Titelverteidigung!

Benedikt Fundel ist Fahrer im Team Strassacker.

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