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28.11.2015 | Ich war immer schon ein Sport-Fanatiker, und aufs Rennrad gekommen bin ich durch die Freundschaft mit Armin Assinger. Der war mein Lehrmeister: Ich bin anfangs immer hinter ihm hergefahren, hinter diesem riesigen, trainierten Burschen. Er hat mir Windschatten gegeben. Da sind wir in Kärnten, bei ihm unten, gefahren.
Daheim wollte ich dann viele Wege nicht mehr mit dem Auto
fahren. Ich habe mein Unternehmen in Jois, und hatte ein Immobilien-Projekt in Podersdorf. Eines Tages habe ich mir gesagt: Da fahr ich mit dem Rennrad hin. So bin ich von Jois 19 Kilometer hingefahren, zurück waren es auch wieder 19. So waren das dann ungefähr vierzig Kilometer.
Bald einmal war mir das zu wenig, also bin ich weiter bis nach Illmitz gefahren. Das waren dann hin und zurück schon sechzig Kilometer. Zuerst ist mir das noch viel vorgekommen, aber irgendwann war das dann auch zu wenig. Und dann habe ich die Idee gehabt, auch zu den Weingärten zu fahren, die südlich von Jois, vor allem in Rust, liegen.
So ist das immer mehr geworden.
Und dann bin ich irgendwann auch mein erstes Rennen gefahren, den Leithaberg-Marathon. Da bin ich gleich Sechster in meiner Altersklasse geworden, das war motivierend - extrem motivierend!
Danach bin ich auch mit dem Mountainbike viel unterwegs gewesen, habe bald einmal auch ein Rennen in Südafrika absolviert. So bin ich zum Beispiel heuer hier die Cape Epic gefahren, eines der härtesten Mountainbike-Rennen der Welt, das über sieben Tage und 16 000 Höhenmeter geht. Da bin ich mit meinem Gewicht und meinem Alter noch 38. geworden. Im Rennen habe ich zwölf Kilo abgebaut.
Der Wettbewerb war immer schon in mir,
und vieles, was ich bisher gemacht habe, war extrem. Das ist in mir drin, ich kann nicht anders: Ich will gut sein. Aber ohne etwas zu nehmen. Das ist für mich völlig unverständlich. Dabei gibt’s auch bei den Amateuren schon viele Wahnsinnige, das ist das Letzte. Da hör ich vorher auf.
Ich mach das aus Gründen der körperlichen Ertüchtigung, nicht, um den Körper zusammenzuhauen. Ich will das nicht, das hab ich immer ausgelassen. Da fahre ich lieber zum Heurigen, und trinke mit Freunden ein paar Flaschen Wein und esse fünf Bratlfetten-Brote. Das taugt mir voll. Und eine Blunzn (Blutwurst; d.Red.) noch dazu. Das freut mich mehr als alles andere...
Anfang 2015 hab ich mit Partnern ein Radgeschäft eröffnet,
in Weiden am See. Die Region wächst, das Burgenland ist das Radland Nummer eins in Österreich. Bei uns kann man auch im Winter durchfahren. Ich möchte mit dem Rad-Store dazu beitragen, noch mehr Leute zum Radeln anzuregen.
Radfahren liegt im Trend, es ist für die Umwelt gut, und die Leute sollen sich bewegen! Die essen viel, also sollen sie sich auch bewegen! Der ursprüngliche Grund, warum ich überhaupt Rad fahre, ist nämlich ein ganz einfacher: Damit ich essen und trinken kann, was ich will, und was mir schmeckt. Das ist der wichtigste Grund...
Jetzt machen wir jede Woche um halb sieben "Coffee Rides",
von meinem Geschäft weg. Mit dabei sind Partner und Freunde: Um sieben Uhr in der Früh geht’s los. Die Idee habe ich aus Südafrika mitgebracht. Um halb neun sind wir dann im Geschäft, und trinken einen Cappuccino oder einen Espresso.
Beim Fahren reden wir natürlich auch übers Radfahren. Jedes Jahr rund um den 28. Juni mache ich eine große Rad-Tour mit vielen Freunden rund um den Neusiedler See, mit Begleitfahrzeug. Und natürlich bleiben wir dann auch beim Heurigen stehen.
Ich fahre also auch gerne zur Unterhaltung.
Ich rede auch bei dreiunddreißig!
Oft fahre ich auch mit meinem Freund René Haselbacher, einem ehemaligen Profi. Oder auch mit Sandra Jenewein. Mit den beiden fahre ich gerne Marathons, zum Beispiel den Mörbischer Radmarathon. Der führt ganz um den See, auch durch Ungarn.
Natürlich fahren wir da im Hill-Team, mit meinem Trikot, das ich für mich entworfen habe. Ich fahre auch geschäftlich viel mit dem Rad, auch von mir im Burgenland nach Wien zum Beispiel, da verbinde ich das Sportliche mit dem Geschäftlichen. Ich nehme den Rucksack mit, da hab ich meine Sachen drin.
Wien ist ja nicht weit von uns, 120 Kilometer hin und her.
Mit Rückenwind bin ich locker in zwei Stunden da. Ich fahr über Bruck und Fischamend und den Flughafen, und bin schon da. Oder auch über Hainburg, das ist zwar ein Umweg, aber ich seh das nicht als Umweg, sondern so: Da kann ich noch länger am Rad sitzen. Wenn ich das als Umweg sehen würde, würd ich mich ja selber demotivieren...
Letzte Woche bin ich für einen TV-Dreh von Jois nach Mistelbach gefahren, hundert Kilometer rauf, hundert zurück mit dreiunddreißig Schnitt.
Als wirklich süchtig würde ich mich aber nicht sehen. Ich will nur möglichst wenig mit dem Auto fahren. Ich brauch mein Auto fast nie. Wofür auch? Nur wenn es regnet.
Es ist nämlich überhaupt nicht wahr,
dass man mit dem Auto schneller ist: Ich brauch vom Geschäft in Weiden nach Jois zehn bis zwölf Minuten. Da fahr ich einen Vierziger, da gas ich voll an. Und die Autos stehen in Neusiedl im Stau...
So ein Rad, mit dem ich fahre, das kostet natürlich schon etwas - in meinem Fall rund 14 000 Euro. Allein die "Lightweight"-Felgen kosten schon einen Fünfer. Andere haben ein teures Auto als Hobby, das verstehe ich zum Beispiel gar nicht. Das ist für mich ein Gebrauchsgegenstand. Ich würd mir nie ein Auto um hunderttausend Euro kaufen. Um eine Alu-Felge kauf ich mir schon ein Radl!
Ich fahr mit dem Rad, das ist körperliche Ertüchtigung,
ich seh aber auch viel von der Landschaft. Ich sag meinen Sportsfreunden oft: Machts eure Augen auf, es ist so schön bei uns! Ich sage danke, dass ich da leben darf!
Überhaupt fahr ich da bei uns, im Burgenland, am allerliebsten. Berge gibt’s da zwar keine, aber das macht gar nichts: Unsere Berge sind der Wind. Heute bin ich gegen den Wind gefahren, gestern auch, da hat er mit sechzig, siebzig Stundenkilometern geblasen.
Nein, ich geb's schon zu: Wenn er von vorne kommt,
liebe ich ihn nicht, den Wind. Dafür hab ich’s dann wahnsinnig gern, wenn er von hinten bläst. Da tuscht man dann mit einem Vierziger dahin. Super!
Leo Hillinger,
Jahrgang 1967, ist der Popstar der österreichischen Winzer-Szene. Sein Weingut findet sich im burgenländischen Jois; er vermarktet seine „Hill“-Weine auch über diverse Outlets an prominenten Standorten. Im vergangenen Jahr eröffnete Hillinger in Weiden am Neusiedler See einen Rad-Shop.
Aufgezeichnet von Othmar Pruckner; Auszug mit freundlicher Genehmigung des Verlags aus: Gerlich, Pruckner (Hg.), „Rennradfieber. Lust und Leidenschaft auf dünnen Reifen.“, Falter Verlag, Wien 2015.
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