Heckträger - Lowrider - Bikepacking

Gepäckträger: Der richtige für jede Gelegenheit

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23.06.2016  |  [pd-f/ cg] - Wenn es darum geht, ein Mehrfaches ihres Eigengewichts zu tragen, sind Fahrräder allen anderen Fahrzeugen überlegen: Ein sieben Kilo leichtes Rennrad nimmt es locker mit einem Fahrer auf, der das Zwölffache wiegt.

Auch wenn dieses Verhältnis bei Touren- und Reiserädern
nicht ganz so sensationell ausfällt, so liegt ihre absolute Belastbarkeit noch einmal deutlich höher: „Ein Systemgewicht von bis zu 180 Kilo ist bei unseren Rädern, je nach Entscheidung bei der Ausstattung, machbar”, erklärt Stefan Stiener vom Radhersteller Velotraum.

Ein 15 Kilogramm schweres Trekkingbike kann also theoretisch einen 85-Kilogramm-Fahrer plus 80 Kilogramm Gepäck transportieren. Basis für die Zuladung ist ein ausreichend stabiler, für den jeweiligen Einsatzzweck geeigneter Träger: am Tourenrad ein Heckträger, auf Reisen die Kombination eines solchen mit einem "Lowrider" an der Gabel, oder für sportliche Modelle ein leicht zu montierender Sattelstützen-Träger.

Bei Fahrrädern, die im Alltag oder auf kürzeren Touren
genutzt werden, ist die Sache einfach: „An so ziemlich jedem aktuellen Tourenrad und Trekkingbike ist ein Heckträger montiert, der 20 bis 25 Kilo tragen kann“, erklärt Florian Niklaus vom Fahrradhersteller Winora. Das reicht in jedem Fall für ein Körbchen, in das man seine Tasche legt, für eine seitlich eingehängte Packtasche oder auch, um eine Getränkekiste vom Supermarkt nach Hause zu schieben.

„Basis-Träger, meist mit einer Federklappe ausgestattet, tun durchaus ihren Dienst“, findet Katrin Dröge vom Träger-Spezialisten Racktime: „Doch gerade Vielfahrer, ob sie im Alltag oder in der Freizeit unterwegs sind, suchen nach speziellen Lösungen, wie wir sie mit dem Snapit-System anbieten.“

Dabei handelt es sich um vier standardisierte Zapfen,
die an diversen Taschen und Körben von Racktime vormontiert sind, und an den entsprechenden Gegenstücken des Trägers passgenau andocken. „Mit einem Klick rasten diese Taschen oder Körbe hörbar und sicher ein. So ist das Anbringen von Zubehör am Träger kinderleicht“, erklärt Dröge.

Statt eines Fahrradkorbs montieren viele Alltagsradler gerne eine Packtasche, wie sie für gewöhnlich auf der Radtour verwendet wird. „Ausgehend von der klassischen Packtasche, die ja in der Regel keine innere Aufteilung bietet, ist ein großes Sortiment an speziellen Taschen für den Alltagseinsatz entstanden“, erläutert Peter Kühn von Ortlieb, dessen in Deutschland gefertigte, wasserdichte Taschen einen legendären Ruf genießen.

„Den unterschiedlichen Ausführungen ist gemein,
dass sie sich per Quick-Lock-Halterung am Gepäckträger einhängen lassen“, so Kühn weiter. Ein spezieller Träger ist für solche Taschen nicht nötig; sie werden an den waagerechten Streben eingehängt, und stützen sich zusätzlich gegen die senkrechten bzw. schräg verlaufenden Streben ab.

Wer seinen Träger einzig zur Befestigung von einer oder zwei seitlichen Taschen nutzen will, kann ein sehr reduziertes Modell wählen. Der „Fly Evo“ aus dem Haus Tubus, ohne Federklappe und gerade vorne sehr schmal gehalten, wird vom Hersteller zu Recht als „Puristen-Träger“ beschrieben.

Noch minimalistischer ist das „Single Rack“

vom Anbieter Fahrer Berlin – in der Hauptstadt aus Edelstahl gefertigt, besteht er aus gerade mal zwei einzelnen Rohren. Ein solcher Träger, fürs sportlich-schicke Retro-Rennrad gemacht, muss nicht über allzu große Tragkraft verfügen – Trägersysteme, die auf Radreisen bestehen wollen, dagegen schon.

„Bei einer Zuladung von 40 Kilo kommt es auf eine belastungsgerechte Konstruktion und geeignete Materialien an“, erklärt Peter Ronge von Tubus, einem Hersteller mit 20-jähriger Erfahrung. Das Material der Wahl für hochfeste Gepäckträger ist Stahl.

„Wegen der spezifischen konstruktiven Anforderungen
an Gepäckträger wie z. B. schlanke Streben mit vielen Biegungen, kann das klassische Leichtmetall Aluminium seinen Gewichtsvorteil hier nicht ausspielen”, so Ronge weiter. „Gepäckträger aus Stahl sind sogar leichter als Alu-Modelle, dabei höher belastbar und dauerfester.“

Und sollte beim Gepäckträger doch mal eine Strebe brechen, so der Fachmann, könne man stählerne Modelle so ziemlich überall auf der Welt schweißen lassen. „Eine Schweißerei zu finden, die Aluminium bearbeiten kann, ist dagegen ziemlich kompliziert.“

Abgesehen vom Material ist die tiefe Anordnung
von Packtaschen ein typisches Merkmal reisetauglicher Träger. Gerade bei maximaler Beladung senkt man so den Schwerpunkt, und verbessert das Fahrverhalten. Ohnehin sollten Träger und Fahrrad zueinander passen, sagt Velotraum-Mastermind Stefan Stiener.

„Ein wichtiger Faktor ist beispielsweise der Hinterbau, der steif genug sein muss für den Gepäcktransport. Achten muss man außerdem auf die Fußfreiheit, damit man beim Pedalieren nicht mit den Fersen an die Taschen stößt.“

Wer mit viel Gepäck unterwegs ist, kommt um die Montage

eines zusätzlichen Trägers an der Gabel allerdings nicht herum - sei es als reduzierter „Lowrider“ oder als vollwertiger Träger mit 20 und mehr Kilogramm Tragkraft. „Gepäck nach vorne zu bringen bedeutet, die Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterrad zu optimieren“, so Dieter Schreiber von Grofa, dem Importeur der US-Träger-Marke Blackburn.

„Damit wird beispielsweise verhindert, dass das Rad an Steilstücken mit dem Vorderrad abhebt.“ Der US-Hersteller Salsa hat sogar einen Lowrider im Angebot, der bis zu 25 Kilo Last trägt.

Harald Troost vom holländischen Reiserad-Hersteller Koga
empfiehlt, einen Lowrider zusätzlich mit einem kleinen Seitenständer auszustatten – wie er beim Koga-Modell „Worldtraveller“ als Zusatzausstattung erhältlich ist. „So kippt das Rad auch bei voller Beladung nicht um.“ Auch Tubus bietet für seine Lowrider einen speziellen Seitenständer zum Nachrüsten an.

Apropos Nachrüstung– in der Regel ist es mit geringem Aufwand möglich, einen Gepäckträger nachzurüsten. Die meisten Rahmen sind mit den entsprechenden Gewindebohrungen am Hinterbau ausgestattet; viele Starrgabeln verfügen über Gewinde zur Montage eines Lowriders.

An gefederten Rahmen und Gabeln klappt die Montage
dagegen meist nicht, zumal Gewicht an Hinterbau oder Tauchrohren die Funktion der Federung negativ beeinflussen würde. Wer an einem Mountainbike, Rennrad oder Crossrad ohne Gewindeösen Gepäck transportieren möchte, kann das mit einem Träger tun, der an der Sattelstütze befestigt wird.

„Ein solcher Träger ist auf eine Last von zehn Kilo ausgelegt, wobei eher die Belastbarkeit der Sattelstütze ausschlaggebend ist“, erklärt Tubus-Fachmann Ronge. „An Carbon-Sattelstützen dürfen solche Träger allerdings nicht montiert werden.“

Stark im Kommen ist derzeit übrigens der Gepäcktransport
ganz ohne Träger, wofür spezielle Rahmen-, Sattel- und Lenkertaschen in unterschiedlichen Formaten angeboten werden. Dieses „Bikepacking“ genannte Radreisen ist allerdings eine andere Geschichte…

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