Däne hat mehr als sieben Minuten Vorsprung

Kragh Andersen: Ein Kandidat für das Weiße Trikot der Tour?

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Sören Kragh Andersen bekommt das Weiße Trikot | Foto: Cor Vos

17.07.2018  |  (rsn) - Der erste Tag im Sondertrikot einer Tour de France ist immer etwas Besonderes. Man sticht plötzlich aus der Masse heraus, ist ein gefragter Mann bei Fans und Presse, erhält einen Extra-Applaus beim Einschreiben und darf die Tour-Etappe aus der ersten Reihe in Angriff nehmen. Momente, die insbesondere bei den jungen Fahrern Eindruck hinterlassen.

So erging es auch Sören Kragh Andersen aus der deutschen Mannschaft Sunweb. Ein großartiges Gefühl sei das gewesen, sagte der junge Däne den Reportern nach der 4. Etappe in Sarzeau, seinem ersten Tag im Weißen Trikot des besten Jungprofis der Tpur

Mittlerweile dürfte sich beim jungen Dänen allerdings eine gewisse Routine eingestellt haben. Die 10. Etappe nach Le Grand-Bornand ist seine siebte in Folge im Weißen Trikot. Und inzwischen kommt unweigerlich die Frage auf: Wie viele Tage kommen noch dazu? Trägt er das Trikot bis Paris? Das ist zugegeben etwas weit in die Zukunft geblickt, der Vorsprung des 23-Jährigen auf seinen Kontrahenten in der Sonderwertung ist allerdings nach nur neun Etappen bemerkenswert.

Sein ärgster Verfolger mit exakt sieben Minuten Rückstand ist derzeit der Franzose Thomas Boudat (Wanty-Groupe Gobert), ein Sprinter, der in den  Bergen keine Rolle spielen wird. Gefährlicher sind da schon Pierre Latour (AG2R / +7:37), Guillaume Martin (Wanty-Groupe Gobert / +9:26) und Egan Bernal (Team Sky / +16:09). Das Trio galt vor der Tour als favorisiert im Kampf um das Weiße Trikot. Doch für die drei verlief das Rennen bisher alles andere als glücklich. Bernal etwa büßte auf der Roubaix-Etappe mehr als 16 Minuten ein.

Kragh Andersen beurteilte trotz der glänzenden Ausgangssituation seine Chancen jedoch zurückhaltend. "Ich bin stolz, dass ich das Trikot bis in den Ruhetag tragen durfte. Aber in den Bergen werde ich es wohl verlieren“, prognostizierte der Gesamtelfte sogar.

Ganz anderer Meinung ist hingegen sein Kapitän Tom Dumoulin. Auf die bislang gute Leistung seines Teamkollegen angesprochen, sagte der Niederländer am Ruhetag: "Wir wollen das Weiße Trikot so lange wie möglich behalten. Für ihn, aber auch für uns ist es gut, ein Sondertrikot im Team zu haben. Das ist immer etwas Besonderes und wir werden versuchen, es zu verteidigen.“

Dumoulin dagegen hält Kragh Andersen in den Bergen durchaus nicht für chancenlos. "Ich war zweimal mit ihm im Höhentrainingslager. An einem guten Tag konnte er sehr gut klettern und sogar mich unter Druck setzen“, berichtete er. Dumoulin hofft, dass Kragh Andersen auch auf den kommenden Bergetappen mithalten kann, "um mir zu helfen, aber auch, um sein Trikot zu behalten. Das wäre ideal.“

Kragh Andersen galt bislang vor allem als guter Zeitfahrer und Allrounder, dem eine Karriere als Klassikerspezialist vorausgesagt wurde. Gleich in seinem zweiten Profijahr gewann er 2017 eine Etappe der Tour of Oman und belegte Platz zwei bei Paris-Tour.

In diesem Jahr folgte ein Etappensieg bei der Tour de Suisse – als Ausreißer auf einer Bergetappe! Die Konkurrenz ist in Frankreich zumindest auf dem Papier natürlich stärker einzuschätzen, anderseits kann Kragh Andersen auf ein ordentliches Zeitpolster verweisen. Und ein Sondertrikot bei einer Tour ist nicht nur etwas Besonderes, es kann auch beflügeln.

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