Medien: Regierung berät heute

Absagen in ganz Europa, aber was passiert in Belgien?

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Absagen in ganz Europa, aber was passiert in Belgien?"
Wird das flämische Volksfest namens “Ronde van Vlaanderen“ am 5. April stattfinden können? | Foto: Cor Vos

12.03.2020  |  (rsn) - Italien hat den Anfang gemacht. Mit jenem am 4. April erlassenen Dekret, das die Durchführung von Großveranstaltungen wie Profi-Radrennen praktisch unmöglich macht, sorgte die italienische Regierung indirekt für die Absagen von Strade Bianche, Tirreno-Adriatico und Mailand-Sanremo sowie weiteren kleineren Rennen bis Anfang April. Seitdem haben viele weitere europäische Staaten nachgezogen und Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern - dazu gehören auch Zuschauer - untersagt, beziehungsweise nur unter strengen Auflagen zugelassen.

In Frankreich wurde die kleinere Tour de Normandie (Kat. 2.2) abgesagt, in Kroatien findet die Istrain Spring Trophy (2.2) nicht statt, Portugals Volta ao Alentejo (2.2) fällt aus und es ist davon auszugehen, das sich in den kommenden Tagen eine Rennabsage an die nächste reiht. 

Mit Stand Donnerstagmittag sollten neben Paris-Nizza, wo die ASO fest entschlossen scheint, ihr Rennen bis Sonntag durchzuziehen, am Wochenende aber auch drei Rennen in der niederländischen Provinz Drenthe, darunter der Auftakt zur Women's WorldTour, und Paris-Troyes durchgeführt werden. 

Doch die Radsport-Fans weltweit sorgen sich unter dem Damokles-Schwert des neuen Coronavirus Sars-CoV-2 vor allem um die Rennen, die im März und April in Belgien und Nordfrankreich stattfinden sollen: die großen Frühjahrsklassiker mit ihren Höhepunkten bei der Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix. Laut Welt-Gesundheits-Organisation WHO gab es bis zum Mittwoch 267 bestätigte Fälle von Coronavirus-Infektionen in Belgien und 1.774 Fälle in Frankreich. Wie ist also der aktuelle Stand für die flämischen Rennen?

"Natürlich sind wir besorgt. Wir bereiten uns auf unterschiedliche Szenarien vor", erklärte Tomas Van Den Spiegel, der CEO von Flanders Classics, dem Veranstalter der Flandern-Rundfahrt (5. April) sowie der Rennen Gent-Wevelgem (29. März), Dwars door Vlaanderen (1. April) und Scheldeprijs (8. April), am Mittwoch gegenüber dem belgischen Sender VTM. "Bislang gibt es keine Richtlinien von der Regierung für unsere Events. Darauf warten wir und sind deshalb in engem Kontakt mit der Regierung."

Das Warten auf Ansagen von ganz oben

Van Den Spiegel betonte, wie es auch die Rennorganisatoren in anderen Ländern zuletzt taten, dass man auf diejenigen hören werde und müsse, "die mehr davon verstehen. Wir müssen abwarten und haben jetzt einen Zeitrahmen von einigen Wochen. Es ist schwer vorherzusagen, was passieren wird. Wir haben aber keine andere Wahl, als auch Rennabsagen in Betracht zu ziehen." 

Am Donnerstag soll es laut Het Laatste Nieuws nun ein Zusammentreffen der Rennorganisatoren mit der Regierung geben, um über die Durchführung der Rennen zu beraten. "Es kann heute noch Neuigkeiten geben", schreibt die belgische Tageszeitung. Wie vielerorts in Europa und auch die deutsche Bundesliga hat auch die Belgische Jupiler Pro League im Fußball Geisterspiele vor leeren Zuschauerrängen angekündigt. 

E3 verzichtet zunächst auf Aufbau von VIP-Zelten

Ökonomisch hätte eine Absage der Frühjahrsrennen für die Veranstalter natürlich massive Konsequenzen, erklärte derweil Van Den Spiegel und sagte deshalb, ähnlich wie RCS-Boss Mauro Vegni das mit Blick auf seine italienischen Rennen bereits tat, dass sich auch Flanders Classics im Falle einer Absage um Ausweichtermine bei der UCI bemühen werde. Fraglich ist jedoch, wie der Weltverband bei weiteren Absagen all diese Rennen im ohnehin vollen Kalender irgendwann im weiteren Jahresverlauf unterbringen soll.

Unabhängig von Flanders Classics wird der E3 BinckBank Classic in Harelbeke am 27. März ausgetragen. Und auch dessen Veranstalter Jacques Coussens äußerte sich zurückhaltend gegenüber Radio 2 Oost-Vlaanderen. Auch er wartet auf Anweisungen der staatlichen Autoritäten. Der Aufbau der VIP-Zelte im Zielort Harelbeke und am berühmten Helling Oude Kwaremont, der am Mittwoch hätte beginnen sollen, wurde allerdings zunächst verschoben.

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