Vorschau WM-Straßenrennen der Männer

Alles gerichtet für Van Aert und seine Belgier

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Das belgische WM-Team im Training in Imola | Foto: Cor Vos

26.09.2020  |  (rsn) - Traditionell bildet am Sonntag das Straßenrennen der Männer Höhepunkt und Abschluss der UCI-Straßenweltmeisterschaften. Während die Frauen den 28,8 Kilometer langen Rundkurs mit Start und Ziel auf der Rennstrecke von Imola fünf Runden absolvieren, steht im Programm der Männer insgesamt neun Schleifen mit insgesamt 258 Kilometern und rund 5000 Höhenmetern.

Die Runde von Imola enthält zwei Anstiege. Zunächst steht der 2,8 Kilometer lange und im Schnitt 5,9 Prozent steile Mazzolano-Anstieg an, danach folgt die schwerere Cima Gallisterna, 2,7 Kilometer lang bei 6,4 Prozent mit einem Spitzenwert von 14 Prozent. Von der Kuppe geht es eine längere Abfahrt hinab, ehe die letzten drei Kilometer wieder auf der Rennstrecke ausgetragen werden.

"Der Kurs ist schwerer als gedacht, es ist eine super harte Strecke - vom Profil her und auch technisch anspruchsvoll. Ich erwartet ein Ausscheidungsfahren", urteilte etwa John Degenkolb nach der Besichtigung. Zusätzlich erschweren könnte die Angelegenheit das Wetter. Für Sonntag sind in Imola Regen und maximal 15 Grad vorhergesagt. Auch deshalb dürfte der Kurs den Klassikerspezialisten und Allroundern mit Stärken am Berg und im Sprint entgegenkommen. Angesichts des Profils könnte eine kleine Spitzengruppe im Autodromo Enzo e Dino Ferrari den Sieg unter sich ausmachen.

Die Belgier sind in der Favoritenrolle

Schwer wird es deshalb für Fahrer wie Tom Dumoulin (Niederlande), Richard Carapaz (Ecuador), George Bennett (Neuseeland), Richie Porte (Australien), Mikel Landa, Enric Mas (beide Spanien) oder Miguel Angel Lopez (Kolumbien), die allesamt bei der Tour ihre Kletterfähigkeiten unter Beweis gestellt hatten.

Prädestiniert ist der Kurs dagegen für Wout Van Aert, der nach der Silbermedaille im Zeitfahren im Straßenrennen das Regenbogentrikot erobern möchte. Mit dem zweimaligen Tour-Etappensieger, Greg Van Avermaet, Jasper Stuyven, Tim Wellens, Oliver Naesen und Tiesj Benoit stellen die Belgier zudem das für diese Bedingungen wohl stärkste Team, an dem kein Weg vorbei führen dürfte, auch wenn die Konkurrenz stark besetzt ist.

Van Aert besichtigte den Kurs am Samstag, gab im Anschluss aber keine Interviews. Dafür sagte sein Landsmann Naesen, der mit ihm den Recon absolvierte. "Wout findet den Kurs gut. Er ist positiv gestimmt und machte einen zufriedenen Eindruck nach der Besichtigung."

Während Van Aert und die meisten seiner Teamkollegen bereits bei der Tour Kräfte ließen, konnten sich der Kanadier Michael Woods, der Australier Michael Matthews, der Portugiese Rui Costa, der Däne Jakob Fuglsang sowie die beiden Italiener Diego Ulissi und Vincenzo Nibali auf die WM fokussieren.

Nibali ist nicht in Top-Form

"Nibali hat mir gesagt, dass er nicht in Superform ist", dämpfte Nationaltrainer Davide Cassani allerdings die Hoffnungen auf eine zweite italienische Goldmedaille, nachdem Filipp Ganna das Zeitfahren gewonnen hatte. "Das Team wird nicht auf mich ausgerichtet sein, wir haben mehrere Karten zu spielen", sagte Nibali, der sich wohl in den Dienst von Ulissi stellen wird. "Ich gehe zuversichtlich, aber ohne Druck ins Rennen", kündigte der Gewinner der Luxemburg-Rundfahrt an.

Nibali geht allerdings davon aus, dass die Tour-Starter im Vorteil sein werden. "Sie haben alle ihre gute Form unter Beweis gestellt und werden in den letzten zwei, drei Runden da sein", meinte er und kündigte indirekt frühzeitige Attacken an: "Es ist gefährlich, bis zur letzten Runde zu warten. Denn Van Aert ist stark und kommt es zum Sprint, dann ist er der Favorit."

Ebenfalls mit guten Tour-Vorstellungen als Referenzen treten der Kasache Alexey Lutsenko, der US-Amerikaner Sepp Kuss, der Portugiese Rui Costa, der Schweizer Marc Hirschi, der Pole Michal Kwiatkowski, der Spanier Alejandro Valverde, der Kolumbianer Rigoberto Uran und der Franzose Julian Alaphilippe an. Und dann sind da noch die beiden Slowenen Tadej Pogacar und Primoz Roglic, die die Tour de France dominierten und nun auch Kandidaten auf WM-Gold sind.

"Wir gehen als Außenseiter ins Rennen, was nicht heißt, dass wir keine Ambitionen haben. Die Slowenen und andere sind in der Lage, das Rennen schwer zu machen und so zu gewinnen. Aber ich denke, es wird ein anderes Rennen als die Tour de France. Eine WM hat ihre eigenen Gesetze", erklärte etwa Alaphilippe.

Auf Schachmann ruhen die deutschen Hoffnungen

Aussichtsreichster deutscher Starter ist Maximilian Schachmann, seine wichtigsten Helfer werden Simon Geschke, Paul Martens und Georg Zimmermann sein. "Nach der Tour ist es definitiv nicht einfach. Es ist auch ein Experiment. Ich habe noch keine Erfahrung damit, eine Woche nach einer GrandTour wieder performen zu müssen. Ich werde schauen, wie es läuft", sagte der als Außenseiter startende 26-Jährige, der sich zumindest von seinem Schlüsselbeinbruch wieder erholt hat.

Das junge sechsköpfige österreichische Aufgebot wird von Routinier Riccardo Zoidl angeführt, der für Hermann Pernsteiner einsprang. Der 22-jährige Hirschi führt das ebenfalls sechs Fahrer starke Schweizer Aufgebot an, in dem der 39-jährige Michael Albasini seine letzte WM-Vorstellung gibt, ehe er 2021 seinem Vater Marcello Albasini als Nationalcoach nachfolgt. Dagegen gibt nach seinem Staatsbürgerschaftswechsel Enrico Gasparotto im Alter von 38 Jahren sein Debüt für die Eidgenossen.

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