Nibalis Trainer Slongo wertet Daten aus

Ist das Giro-Podium stärker als die besten Drei der Tour?

Von Tom Mustroph

Foto zu dem Text "Ist das Giro-Podium stärker als die besten Drei der Tour?"
Das Podium des Giro, v.l.:: Wilco Keldermann (Sunweb), Tao Geoghegan Hart (Ineos Grenadiers) und Jai und Hindley (Sunweb)| Foto: Cor Vos

25.10.2020  |  (rsn) - Dieser Giro d'Italia brachte neue Sieger hervor und auch neue Verlierer. Erstmals seit zehn Jahren kam Vincenzo Nibali (Trek - Segafredo) nicht unter den besten Drei ein. "Die Jungen waren besser, das muss man einfach akzeptieren", sagte der "Hai von Messina", der in heimischen Gewässern eher zum Guppy mutiert war.

Ganz Trübsal blasen mochte die Entourage des Sizilianers aber nicht. "Wir müssen analysieren, woran es lag", meinte Nibalis Trainer Paolo Slongo zu radsport-news.com. Ein paar Analyse-Horizonte gab er auch schon vor.

"Es war eine besondere Saison, mit besonderen Herausforderungen. Nicht nur hier beim Giro machten die Jungen auf sich aufmerksam. Sicherlich befinden wir uns einerseits mitten in einem Generationswechsel. Es kann aber auch sein, dass die Pandemiebedingungen gerade die Jungen begünstigten. Sie waren frischer. Und mit viel weniger Renntagen als gewohnt, konnten sie Höchstleistungen bringen", meinte Slongo.

Nibalis Karriereende wollte Slongo daher noch nicht ausrufen. Dazu brachte ihn auch die Tatsache, dass sein Schützling im Vergleich zu früheren Jahren nicht abgebaut hatte. "Vincenzo hatte hier die Werte wie auch in den vergangenen Jahren", sagte Slongo über den fast 36-Jährigen.

Der Unterschied war nur, dass das nicht mehr zu Siegen reichte, nicht einmal zu Etappensiegen, die den Schmerz der Niederlage im Klassement zumindest etwas gelindert hätten.

Weniger Renntage - höhere Leistungsgpeaks?

Allerdings wirkte Slongo auch ziemlich ratlos, wie sein Schützling in die Erfolgsspur zurückkommen soll. Denn er machte auch die bemerkenswerte Feststellung, dass das Leistungsniveau der Besten beim Giro sogar noch das der Tour-Besten überstiegen hatte. "Dieser Giro war extrem hart. Nach meinen Kalkulationen haben die besten Drei des Giro ein höheres Niveau gehabt als die besten Fahrer der Tour de France", sagte er radsport-news.com.

Tao Geoghegan Hart (Ineos Grenadiers) und Jai Hindley (Sunweb) waren demnach im Vergleich stärker als Tadej Pogacar und Primoz Roglic? Mit Quervergleichen muss man zwar vorsichtig sein. Slongo legte auch keine Excel-Tabellen vor, die seine Aussage belegten. Aber Leistungsdaten kann der Trainingswissenschaftler natürlich lesen. Und daraus auch Schlüsse ableiten. Das ist sein Kerngeschäft. Weshalb das Podium des 103. Giro derart gut waren, entzog sich aber auch seiner Kenntnis.

Sollte seine andere Beobachtung zutreffen, dass weniger Renntage zu höheren und länger vorhaltenden Leistungsgpeaks führen, dürften die Programme der Klassementfahrer in der nächsten Saison auch anders aussehen als gewohnt. Dann wird man Aspiranten auf ein Klassement bei der Tour wohl erst im Mai oder Juni in den Rennbetrieb einsteigen sehen, und Giro-Aspiranten frühestens im März. Die Übersee-Rennen, wenn es sie in der zweiten Pandemie-Saison überhaupt geben sollte, wären dann zumindest weniger prominent besetzt.

Das ist viel Was, Wäre und Wenn - aber der Verlauf dieses Giro warf noch mehr Fragen auf als derjenige der Tour.

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