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Gesamtsieger Pogacar auf 20. Tour-Etappe Achter

Van Aert auf dem Rollerkurs von Saint-Émilion nicht zu stoppen

Foto zu dem Text "Van Aert auf dem Rollerkurs von Saint-Émilion nicht zu stoppen"
Wout Van Aert (Jumbo - Visma) hat die 20. Etappe der Tour de France gewonnen. | Foto: Cor Vos

17.07.2021  |  (rsn) - Nicht der bisher so überragende Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) drückte dem zweiten Zeitfahren der Tour de France seinen Stempel auf. Stattdessen stellte Wout Van Aert (Jumbo - Visma) mit einer makellosen Vorstellung auf der 20. Etappe über 30,8 Kilometer von Libourne nach Saint-Émilion den Träger des Gelben Trikots und alle anderen Konkurrenten in den Schatten.

“Ein Zeitfahren bei der Tour de France zu gewinnen, war eines der größten Ziele meiner Karriere. Die letzten Tage war ich wirklich darauf fokussiert. Ich bin glücklich, dass ich das erreichen konnte“, sagte Van Aert im Siegerinterview. “Verglichen mit dem ersten Zeitfahren war dieser Kurs schneller und rollte besser. Das kam mir und meinem Gewicht mehr entgegen", so der Belgier, der seinen zweiten Tagessieg bei dieser Frankreich-Rundfahrt bejubeln konnte.

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Van Aert bewältigte den Rollerkurs in der Zeit von 35:53 Minuten und war damit 21 Sekunden schneller als der Dänische Zeitfahrmeister Kasper Asgreen (Deceuninck - Quick-Step). Auf den Plätzen drei bis fünf folgten Asgreens Landsmann Jonas Vingegaard (Jumbo - Visma (+0:32) sowie die beiden Schweizer Stefan Küng (Groupama - FDJ / +0:38) und Stefan Bissegger (EF Education - Nippo / +0:44).

“Ich bin sehr enttäuscht. Ich wollte heute unbedingt gewinnen. Ich habe mich die letzten Tage sehr gut gefühlt. Ich war sehr motiviert, vielleicht ein bisschen zu sehr. Ich bin zu schnell angegangen und musste für meine Anstrengungen bezahlen. Ich bin ein Spezialist. Ich weiß, was ich zu tun habe, aber das ist die Tour. Ich dachte, ich könnte alle schlagen, aber wenn du einmal im roten Bereich bist, erholst du dich nicht mehr. Ich habe zweimal so viel gelitten wie in Laval. Mein Fehler“, sagte Europameister Küng, der im ersten Zeitfahren in Laval Zweiter geworden war und der nach einem sehr schnellen Start gegen Ende hin schwächer wurde.

Pogacar war froh, als es vorbei war

Pogacar, der am fünften Tag das erste Zeitfahren gewonnen hatte, der als letzter der noch 142 Teilnehmer ins Rennen gegangen war, musste sich mit Rang acht (+0:27) begnügen. Den verpassten vierten Etappensieg konnte der 22-jährige Slowene aber leicht verkraften, behauptete er doch souverän sein Gelbes Trikot und steht vor der erfolgreichen Titelverteidigung.

“Ich war einfach nur super froh, dass es vorbei war. Ich bin Vollgas gefahren, aber es war komplett anders als auf der 5. Etappe. Da war viel mehr Adrenalin im Spiel. Aber ich habe mein Bestes gegeben. Ich war gut vorbereitet, aber es war einfach nicht in meinen Beinen“, sagte Pogacar, der damit wie bereits bei seinem ersten Tour-Triumph 2020 mit drei Etappensiegen nach Hause zurückkehren wird.

Als bester deutscher Profi belegte der Heidelberger Max Walscheid (Qhubeka - NextHash) mit 1:01 Minuten Rückstand den 17. Platz. “Ich habe auf jeden Fall alles gegeben und habe definitiv kein Korn gespart. Nach der Etappe gestern hatte ich heute natürlich nicht die allerfrischsten Beine, aber das macht nichts. Ich habe trotzdem alles gegeben“, sagte Walscheid, der auf der 19. Etappe zur Ausreißergruppe des Tages gehört hatte.

Keine Änderungen in den Top Ten

In den Top 15 der Gesamtwertung gab es keine Verschiebungen mehr. Pogacar wird sich seinen zweiten Tour-de-France-Sieg souverän vor Vingegaard und dem Ecuadorianer Richard Carapaz (Ineos Grenadiers) sichern und liegt jetzt 5:20 Minuten vor dem Dänen und 7:03 Minuten vor dem Südamerikaner. Auf den Plätzen vier und fünf folgen der Australier Ben O’Connor (AG2R Citroën / +10:02) und der Niederländer Wilco Kelderman (Bora - hansgrohe / +10:13), dessen Aufholjagd in der zweiten Rennhälfte nicht mehr vom Erfolg gekrönt war.

Der Brite Mark Cavendish (Deceuninck - Quick-Step) wird im Grünen Trikot des besten Sprinters die Schlussetappe in Angriff nehmen. Die beiden weiteren Wertungstrikots sind im Besitz von Pogacar. Bahrain Victorious wird die Teamwertung gewinnen.

So lief das Rennen:

Insgesamt noch 142 Fahrer traten zum zweiten Zeitfahren der diesjährigen Tour an. Der Kurs führte über 30 flache und technisch nicht sehr anspruchsvolle 30,8 Kilometer durch die Weinanbaugebiete der Region, die Zwischenzeiten wurden bei Kilometer 10 und 20 genommen.

Den Reigen eröffnete am Mittag bei strahlenden Sonnenschein und 30 Grad im Schatten der Belgier Tim Declerq (Deceuninck - Quick-Step), dessen erste Richtzeit (40:20) aber schnell von seinen Teamkollegen Mark Cavendish und Michael Morkov sowie Dries Devenyns (37:59) unterboten wurde. An die Marke des Belgier kam auch der viermalige Toursieger Chris Froome (Israel Start-Up Nation) nicht heran - der Brite war rund 3:20 Minuten langsamer als Devenyns und zeigte auch am vorletzten Tag der Tour, dass er nach wie vor nicht konkurrenzfähig ist.

Der ebenfalls früh gestartete Walscheid unterbot Devenyns Zeit zwar um fünf Sekunden, konnte sich aber nur wenige Minuten über die Spitzenposition freuen, weil nämlich der dreimalige U23-Zeitfahrweltmeister Mikkel Bjerg (UAE Team Emirates) gleich 1:09 Minuten schneller war als der Deutsche. Aber auch der Däne hatte keine Zeit, auf dem Hot Seat Platz zu nehmen. Der 22-jährige Bissegger (EF Education - Nippo), der im ersten Zeitfahren noch im Nachteil war, weil er sein Rennen im Regen bestreiten musste, kam nämlich kurz nach Bjerg mit einem Stundenmittel von 50,4 km/ nach 36:37 Minuten ins Ziel, nachdem die beiden an der ersten Zwischenzeit noch gleichauf gelegen hatten.

Küng geht zu schnell an, Van Aert macht es besser

Um gleich 23 Sekunden schneller als Bissegger war rund eine Stunde später Kasper Asgreen (Deceuninck - Quick-Step), nachdem der Dänische Zeitfahrmeister schon an den beiden Zwischenzeiten jeweils Bestmarken erzielt hatte. Kurz nachdem Asgreen ins Ziel gekommen war, erreichte Küng zehn Sekunden eher als zuvor der Gewinner der Flandern-Rundfahrt den Messpunkt. Im etwas technischeren und welligeren zweiten Teil büßte der Europameister seinen Vorsprung allerdings fast gänzlich wieder ein und konnte im letzten Renndrittel auch nicht mehr zulegen: Im Ziel wies Küng fast 17 Sekunden Rückstand gegenüber Asgreen auf.

Da Magnus Cort Nielsen (EF Education - Nippo) zuvor nur acht Sekunden langsamer als sein Landsmann Bjerg gewesen war, bildeten zu diesem Zeitpunkt drei Dänen und zwei Schweizer die Top 5. Am Ende landeten sogar vier Dänen in den Top Ten.

Der dreimalige Crossweltmeister Van Aert war mit 8:57 Minuten der erste Fahrer, der die Neun-Minuten-Marke unterbot. Im Gegensatz zum Schweizer Zeitfahrmeister hatte sich der Gewinner der Ventoux-Etappe sein Rennen aber deutlich besser eingeteilt. An der zweiten Zwischenzeit hatte Van Aert seinen Vorsprung auf 24 Sekunden ausgebaut und büßte davon auf den letzten elf Kilometern nur noch drei ein.

O'Connor wehrt Keldermans Angriff auf Platz vier ab

Fast genau in dem Moment, als Van Aert über den Zielstrich jagte, nahm Pogacar als letzter Starter das Rennen in Angriff. Der unmittelbar vor ihm fahrende Vingegaard war am ersten Messpunkt nur zwölf Sekunden langsamer als Van Aert, wogegen Carapaz hier bereits 26 Sekunden Rückstand aufwies. Überraschenderweise war aber auch der Mann im Gelben Trikot weit von der Bestzeit entfernt, und zwar um ganze 17 Sekunden.

Danach wuchs Pogacars Rückstand sogar noch an, wogegen Vingegaard konstant sein Niveau beibehielt. An der zweiten Zeitnahme war der sichtlich das letzte Risiko scheuende kommende Toursieger 38 Sekunden hinter Van Aert Achter und wurde auf diesem Rang auch im Ziel gewertet, wobei sein Rückstand noch auf 57 Sekunden anwuchs.

Auch Vingegaard büßte noch einige Sekunden ein und wurde schließlich Tagesdritter, behauptete aber ohne Probleme seinen zweiten Gesamtrang vor Carapaz ebenso wie O’Connor seinen vierten Platz. Der Australier war am ersten Messpunkt überraschend fünf Sekunden schneller als Kelderman, der danach zwar noch etwas Boden gutmachen konnte, aber nicht mehr genug, als dass er noch an seinem Kontrahenten im Klassement hätte vorbeiziehen können.

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