Saisonvorschau EF Education - EasyPost

In dieser Saison kann die Post abgehen

Von Daniel Brickwedde

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Magnus Cort könnte auch 2022 für große Überraschungen sorgen. Vergangenes Jahr gewann er drei Etappen bei der Vuelta a Espana und eine bei Paris-Nizza. | Foto: Cor Vos

31.01.2022  |  (rsn) - Auch diesmal nehmen wir zu Saisonbeginn die 18 WorldTour-Teams unter die Lupe: Wie lief es im vergangen Jahr, welche Veränderungen gibt es in den Aufgeboten, was ist in der neuen Saison von den Teams zu erwarten?

EF Education - EasyPost imponierte vor allem mit einem erfolgreichen Saisonabschluss 2021. War das zugleich ein Vorgeschmack auf das neue Jahr? Gerade mit Blick auf die Frühjahrsklassiker ist das Potenzial groß, dazu finden sich im Kader erfolgversprechende Etappenjäger und ein aussichtsreicher Klassementfahrer. EF Education - EasyPost ist 2022 einiges zuzutrauen.

___STEADY_PAYWALL___ Rückblick auf die Saison 2021

Ob das Glas nun halb voll oder leer ist, bei der amerikanischen Mannschaft weiß man’s nicht so recht. 16 Saisonsiege sind eine ordentliche Ausbeute, dass elf davon auf WorldTour-Ebene eingefahren wurden, ist umso beeindruckender. Gleich drei Tagessiege holte Magnus Cort bei der Vuelta a Espana, ein weiteres Teilstück gewann der Däne bei Paris-Nizza. Außerdem gab es einen Etappensieg durch Alberto Bettiol beim Giro d‘Italia, Julius van den Berg gewann einen Tagesabschnitt bei der Polen-Rundfahrt und Neilson Powless sicherte sich überraschend die Clasica San Sebastian.


Stefan Bissegger gewann in seiner ersten vollen Profisaison die Zeitfahren bei Paris-Nizza, der Tour de Suisse und der Benelux-Rundfahrt. | Foto: Cor Vos

Die Entdeckung des Jahres war zweifellos Stefan Bissegger, der in seiner ersten vollen Profisaison Zeitfahren bei Paris-Nizza, der Tour de Suisse und der Benelux-Rundfahrt gewann. Deutliche Abstriche gab es hingegen bei den Klassikern, bei denen das Team sein großes Potenzial nicht abrief und ohne Top-Ten-Ergebnis blieb. Auch bei den großen Landesrundfahrten dürfte sich Teamchef Jonathan Vaughters mehr erwartet haben: Rigoberto Uran landete nach spätem Einbruch auf Platz zehn der Tour de France, Hugh Carthy belegte beim Giro d’Italia immerhin auf Platz acht, kam aber nicht an die Leistung bei seinem dritten Gesamtrang bei der Vuelta 2020 heran. Die Spanien-Rundfahrt musste der Brite aufgeben.

Die wichtigsten Zu- und Abgänge

Mit der Versandplattform EasyPost hat Vaughters einen neuen Co-Sponsor gewonnen, so dass sein Team künftig als EF Education - EasyPost auftritt. Nicht mehr zu Team gehören dann Tejay Van Garderen, Fumiyuki Beppu und Moreno Hofland, die allesamt ihre Karrieren beendeten. Will Barta wechselte zu Movistar und mit Lawson Craddock verlor das Team einen robusten Helfer an BikeExchange. Der größte Verlust ist der Abgang des Kletterers Sergio Higuita, der als künftiger Grand-Tour-Kapitän im Team galt. Der Kolumbianer fährt nun für Bora - hansgrohe.

Dafür kommt mit Esteban Chaves ein neuer Kletterer aus Kolumbien: Der 32-Jährige ist zwar kein Kandidat mehr für einen Grand-Tour-Sieg, bei Etappenrennen aber immer noch in der Lage, gute Ergebnisse und Tagessiege einzufahren. Auch als Helfer kann Chaves wertvoll sein. Gleiches gilt für Merhawi Kudus (Astana). Ein weiterer vielversprechender Kletterer ist Mark Padun (Bahrain Victorious), der 2021 zwei Dauphiné-Etappen gewann.

Vielseitig einsetzbar ist Odd Christian Eiking (Intermarché – Wanty Gobert), der im Vorjahr als eine Woche lang als Spitzenreiter der Vuelta für Furore sorgte. Mit Lukasz Wisniowski (Qhubeka - NextHash) und dem endschnellen Owain Doull (Ineos Grenadiers) kommt bewährte Unterstützung für die Klassiker hinzu, mit James Shaw (Ribble Weldtite) ein Allrounder. Als Neo-Profis sind die talentierten Ben Healy (Trinity Racing), Marijn van den Berg (Nachwuchs Groupama - FDJ), Sean Quinn (Hagens Berman-Axeon) und der hoch veranlagte Deutsche Georg Steinhauser (Tirol - KTM) dabei.

 


Georg Steinhauser (rechts, noch im Trikot von Tirol KTM) folgt bei den Deutschen Meisterschaften Maurice Ballerstedt. | Foto: Hennes Roth

Im Fokus: Michael Valgren

Der Däne drehte spät im Jahr auf und gewann im Herbst innerhalb von 24 Stunden den Giro della Toscana und die Coppa Sabatini, später gab es noch Bronze bei der Straßenweltmeisterschaft – für Valgren waren es die ersten Erfolgserlebnisse seit 2018. Damals gewann er den Omloop Het Nieuwsblad und das Amstel Gold Race, erreichte Platz vier bei der Flandern-Rundfahrt und schien sich als Größe bei den Klassikern zu etablieren. Stattdessen fiel er zwei Jahre in ein Leistungsloch. Erst Ende 2021 fand der mittlerweile 29-Jährige zu alter Stärke zurück.

Kann er dieses Potenzial in der Saison 2022 wieder abrufen, ist Valgren sowohl bei den Pavé- als auch bei den Ardennenklassikern eine gewichtige Rolle zuzutrauen. Und dass er dort auch gewinnen kann, hat der WM-Dritte in der Vergangenheit bereits bewiesen.

 


Julius van den Berg gewann einen Tagesabschnitt bei der Polen-Rundfahrt | Foto: Cor Vos

Aufgepasst auf ... Marijn van den Berg

Der Niederländer hat mit 22 Jahren den Sprung in ein Profiteam geschafft, was im Zeitalter von Remco Evenepoel & Co. als fast schon spät erscheint. Für van den Berg lässt sich jedoch festhalten, dass er gerade im vergangenen U23-Jahr noch einmal einen deutlichen Sprung gemacht hat. Das dürfte ihm nun auch den Übergang zu den Profis erleichtern. Van den Berg etablierte sich als einer der besten und vielseitigsten Nachwuchssprinter und gewann bei der renommierten Tour de l’Avenir die Punktewertung und zwei Etappen – eine im Massen-, die andere mit Bergaufsprint.

Bei EF Education - Easy Post soll er die vakante Position des Sprinters ausfüllen, was ihm zugleich diverse Bewährungschancen ermöglicht. Für van den Berg wird es dennoch ein Jahr des Lernens, da er aber reifer als andere Neo-Profis in die WorldTour kommt, könnte auch der eine oder andere Achtungserfolg dabei sein.

Ausblick auf die Saison 2022

EF Education - EasyPost wird an die Leistungen aus dem Herbst anknüpfen wollen. Denn das Team braucht Fahrer wie Cort und Valgren, um im Frühjahr vorne mitzumischen. In Top-Form gehören die beiden Dänen zu den besten Allroundern der Szene – was Etappensiege und gute Ergebnisse bei den Klassikern, egal ob Pavé oder Ardennen, verspricht. Hinzu kommt Bettiol, Sieger der Flandern-Rundfahrt 2019, der inzwischen auch bei den Ardennenrennen zu beachten sein sollte. Damit ist das Team in der Spitze für die Frühjahrsrennen gut aufgestellt.

An Helfern fehlt es mit den Neuzugängen Doull und Wisniowski sowie den Routiniers Sebastian Langeveld und Jens Keukeleire ebenfalls nicht. Auch der Erbacher Jonas Rutsch zeigte im Vorjahr seine Qualitäten mit Platz elf bei Paris-Roubaix. Wird dieses geballte Potenzial auf die Straße gebracht, sollte das Team im Frühjahr eine gewichtige Rolle spielen – Überraschungserfolge inbegriffen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem Bissegger, der weitere Siege im Zeitfahren einfahren sollte. Ob sich der Schweizer zusätzlich in anderen Disziplinen profilieren kann, könnte das Frühjahr zeigen: Bissegger soll ebenfalls bei den Pavé-Rennen starten, für die er alle Anlagen mitbringt.

 


Michael Valgren (rechts) holte bei der Straßen-WM in Leuven hinter Dylan van Baarle und Weltmeister Julian Alaphilippe die Bronze-Medaille | Foto: Cor Vos

Für die großen Landesrundfahrten ist Carthy inzwischen die beste Option im Team, während der bald 35-jährige Uran allmählich über dem Zenit scheint. Für eine Top-Ten-Platzierung ist der Kolumbianer aufgrund seiner Erfahrung und Konstanz allerdings weiterhin gut. Wer welche Grand Tour fährt, ist allerdings noch nicht bekannt. Den besseren Kurs findet Carthy mit vielen Bergen und wenig Zeitfahrkilometern beim Giro vor. Kann der Kletterer an seine Form bei der Vuelta 2020 anknüpfen, ist er ein Kandidat für die Top fünf oder mehr.

EF Education - EasyPost wäre jedoch gut beraten, bei den Grand Tours nicht nur auf die Gesamtwertung zu setzen. Denn mit Ruben Guerreiro, Jonathan Caicedo, Simon Carr, Powless, Valgren, Cort sowie den Neuzugängen Eiking und Chaves verfügt das Team über eine auserlesene Gruppe vielseitiger Etappenjäger. Das sollte im Saisonverlauf den einen oder anderen Sieg in der WorldTour einbringen, auch bei den dreiwöchigen Landesrundfahrten.

Einiges verspricht auch Neuzugang Padun, dem im Vorjahr beim Critérium du Dauphiné der Durchbruch gelang und seine Stärken im Hochgebirge besitzt. Der 25-jährige Ukrainer könnte sich bei EF Education zum vielversprechenden Kandidaten für Etappenrennen entwickeln und sich als echte Verstärkung erweisen.

In Summe besitzt der Kader genügend Qualität, um über das ganze Jahr hinweg Akzente in der WorldTour zu setzen. Mit der starken Fraktion für die Frühjahrsrennen hat EF Education - EasyPost sogar das Potenzial, eine der positiven Überraschungen der Saison zu werden.

Eckdaten:
Land: USA
Hauptsponsoren: EF Education, EasyPost
Branche: Sprachreisen, Versandplattform
Manager: Jonathan Vaughters
Radausrüster: Cannondale
Teamranking 2021: 16
Siege 2021: 16
Fahrer im Aufgebot: 30

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