Neues Buch des “Velosophen“

Guillaume Martin: “Die Gesellschaft des Pelotons“

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| Foto: Covadonga

10.05.2022  |  Seit Freitag ist Guillaume Martin bei seiner Giro-Premiere unterwegs. Der 28-jährige Franzose ist eine Ausnahmeerscheinung im Radsport: In den beiden vergangenen Jahren bestritt er Tour und Vuelta in einer Saison, 2021 belegte er in Frankreich den achten Platz und wurde in Spanien Neunter.

Der Pariser ist nicht nur Top-Profi, sondern auch studierter Philosoph,
der sich einen Namen als Kolumnist und Buch-Autor gemacht. Sein Erstlingswerk "Sokrates auf dem Rennrad" (hier die rsn-Vorstellung) schickte die berühmtesten Denker der Menschheit auf eine fiktive Tour de France der Philosophen.

Nun erscheint – rechtzeitig zu Martins Giro-Debut, auf Deutsch – sein Essay “Die Gesellschaft des Pelotons": Eine Streitschrift zu einer Frage, die in Zeiten von Klimawandel und Covid-19 von größerer Aktualität und Brisanz denn je ist: Wie können Menschen in einer Gesellschaft zusammenleben und zu deren Wohlergehen beitragen, ohne sich selbst zu opfern und ihre persönlichen Ambitionen aufzugeben?

Als Individual-Sport, der in Mannschaften
ausgeübt wird, führt der Radsport zu unseren tiefsten Widersprüchen - ein streng hierarchisches Universum, geprägt von Machtspielen, Koalitionen auf Zeit und gegenseitiger Hilfe, in dem alle Triebe sich verschärfen und man dennoch irgendwie miteinander auskommen muss. Wie jede menschliche Organisation besteht auch das Peloton aus verschiedenen sozialen Klassen – von den beschützten, hofierten Kapitänen bis hin zum Velo-Proletariat der Wasserträger.

Guillaume Martin hat im Lauf seiner Profi-Karriere gelernt, wie man sich in der Radsport-Welt zu bewegen hat. Und so formuliert der "Velosoph" anhand des Pelotons eine Philosophie des Einzelnen in der Gruppe – und findet dabei Antworten auf aktuelle Fragen, die über den Sport hinausreichen:

Wie kann man Teil einer Gruppe sein,
ohne seine persönlichen Ambitionen aufzugeben? Ähneln wir in dieser Zeit, in der sich globale Krisen – ökologische, gesundheitliche, ideologische – zuspitzen, nicht auf bedenkliche Weise einem uneinsichtigen Radrennfahrer, der seine eigenen Interessen voranstellt, ohne zu erkennen, dass das der gesamten Gemeinschaft schadet? Kann uns der Mikro-Kosmos des Radsports lehren, was in diesem großen Peloton, das wir Gesellschaft nennen, heute auf dem Spiel steht?

Die Stichpunkte:
• Ein Spitzensportler als Essayist: Guillaume Martin formuliert eine Philosophie des Einzelnen in der Gruppe.
• Ein kluges, originelles Sportbuch, das aus dem Rahmen fällt – von einem Rad-Profi selbst verfasst.
• Eine hochaktuelle Frage, für Radrennfahrer seit jeher Kern ihrer Profession: Wie kann man zusammenleben und Teil einer Gemeinschaft sein, ohne sich selbst zu opfern und seine persönlichen Ambitionen aufzugeben?

Der Autor: Guillaume Martin,
geboren 1993 in Paris, ist Rad-Profi und studierter Philosoph. Bereits dreimal fuhr er bei der Tour in die Top 12 der Gesamtwertung, bei der Vuelta gewann er das Berg-Trikot. Er ist Kolumnist für Le Monde und hat das Theaterstück »Platon vs. Platoche« verfasst, das vom Théâtre de la Boderie in Paris aufgeführt wurde. Nach dem in mehrere Sprachen übersetzten Bestseller »Sokrates auf dem Rennrad« über eine Tour de France der Philosophen legt Martin mit »Die Gesellschaft des Pelotons« nun sein zweites Buch vor.

Guillaume Martin, Die Gesellschaft des Pelotons, Eine Philosophie des Einzelnen in der Gruppe; aus dem Französischen von Christoph Sanders; Covadonga Verlag, 2022; ISBN 978-3-95726-066-6; Klappen-Broschur, 192 Seiten, Format 21 cm x 15 cm; Preis 16,80 Euro [D]; ab sofort lieferbar.

 
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