RSNplusItaliener in seiner letzten Grand Tour

Nibali: “Wir wollen Lopez noch aufs Podium bekommen“

Von Tom Mustroph

Foto zu dem Text "Nibali: “Wir wollen Lopez noch aufs Podium bekommen“"
| Foto: Cor Vos PRÜFEN

10.09.2022  |  (rsn) - Vincenzo Nibali (Astana Qazaqstan), Sieger bei allen drei großen Rundfahrten, absolviert bei der 77. Vuelta a Espana die letzte Grand Tour seiner langen und erfolgreichen Karriere. Der 37-jährige Italiener stand radsport-news.com vor der 19. Etappe für ein Interview zur Verfügung.

Vincenzo, wie ist es für Sie, diese letzte Grand Tour in Ihrer Karriere zu fahren? Welche Emotionen kommen da hoch?
Vincenzo Nibali: Es ist schon bewegend. Was mich freut, ist, dass es so viel Publikum an der Strecke gibt. Man spürt die Begeisterung. Sportlich lief es bei mir nicht so gut. In der ersten Hälfte der Vuelta habe ich mich gesundheitlich nicht gut gefühlt. Die letzten Tage lief es besser. Und ich hoffe, meinen Anteil daran zu leisten, Miguel Angel Lopez (derzeit Gesamtfünfter) noch aufs Podium zu bekommen.

___STEADY_PAYWALL___ Halten Sie das für realistisch? Kann Lopez (den Gesamtdritten) Juan Ayuso noch verdrängen?
Nibali: Der Abstand ist nicht so groß. Remco (Evenepoel) und Enric (Mas) sind weiter entfernt, sie sind außer Reichweite, auch weil sie auf einem anderen Niveau fahren. Aber für Platz drei werden wir in noch alles geben.

Wie sehen Sie eigentlich diese formidable junge Generation? Auch die Rundfahrer werden ja immer jünger. Ayuso ist 19, Remco Evenepoel ist auch erst 22. Mit Carlos Rodriguez ist ein 21-Jähriger in Podiumsnähe. Wie beurteilen Sie das – auch angesichts Ihrer eigenen Karriere, die ja in langsameren Steigerungsschritten verlief?
Nibali: Ja, der Radsport hat sich ziemlich verändert. Jetzt liefern die Jungen schon sofort Ergebnisse. Bei mir war das anders. Mir haben die Leute geraten, mich erst langsam aufzubauen und kontinuierlich zu steigern. Das lief über kleinere Rennen. Jetzt fahren die Jungen schon bei den großen Rennen. Man muss aber auch sagen, dass sie ganz anders vorbereitet sind, von den Trainingsplänen her, dem Wissen um Ernährung, dem Material.

Wie Nibali , so absolviert auch Alejandro Valverde (Movistar, re.) die letzte Grand Tour seiner Karriere. | Foto: Cor Vos

Bedauern Sie manchmal, dass man Sie so lange warten ließ?
Nibali: Nein, gar nicht. Für mich war der Aufbau logisch. Und er hat sicher auch dazu beigetragen, dass ich so lange fahren konnte. Nein, ich bereue nichts. Und meine Karriere war ja auch gut, mit vier Grand-Tour-Siegen und insgesamt zehn oder elf Podien, ich weiß das selbst gar nicht so genau.

…Es waren neben den vier Siegen weitere vier Male Platz zwei und drei Mal Platz drei…
Nibali: …danke, und dazu kommen auch die Siege bei den Monumenten. Nein, es gibt nichts, weshalb ich traurig sein müsste in dieser Hinsicht.

Mit Ihnen hört ein weiterer “Oldie“ auf, Alejandro Valverde, 42 Jahre alt. Wie bewerten Sie seine Leistung, er ist ja noch länger dabei als Sie?
Nibali: Man merkt ja bei dieser Vuelta, wie ihm die Leute zujubeln und sich bei ihm bedanken. Daran erkennt man, dass er viel Gutes geleistet haben muss, was die Leute wertschätzen. Hier bei der Vuelta setzt er sich bravourös für Enric Mas ein, damit der auf dem Podium ist oder vielleicht sogar noch diese Vuelta gewinnt. Das sind für ihn andere Aufgaben als gewohnt, wie auch für mich. Aber er macht das gut.

Wer von Ihnen beiden ist der bessere Helfer?
Nibali (lacht): Das ist schwer zu sagen. Wir beide profitieren von unserer Erfahrung und setzen sie hier für das Team ein.

Was werden Sie nach dem Karriereende machen?
Nibali: Da schwirren eine Menge Gerüchte herum. Ich habe mich aber noch nicht entschieden. Ich konzentriere mich erstmal auch auf dieses Rennen hier.

Sehen Sie in Ihrer Heimat einen Nachfolger für sich?
Nibali: Stand jetzt muss ich leider sagen: Nein. Man muss abwarten.

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