Tour Down Under: Vine neuer Gesamtführender

Bilbao betreibt in Campbelltown Wiedergutmachung und siegt

Von Felix Mattis

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Pello Bilbao (Bahrain Victorious) schlug in Campbelltown Simon Yates (Jayco - AlUla) knapp im Sprint. | Foto: Cor Vos

20.01.2023  |  (rsn) – Zwei Tage nach Phil Bauhaus hat Pello Bilbao für den bereits zweiten WorldTour-Saisonsieg von Bahrain Victorious gesorgt. Der Baske setzte sich auf der von vielen als vorentscheidend betrachteten 3. Etappe der 23. Tour Down Under (2.WT) über 116,8 Kilometer und den steilen Corkscrew-Anstieg nach Campbelltown im Drei-Mann-Sprint vor Simon Yates (Jayco – AlUla) und Jay Vine (UAE Team Emirates) durch. Vine übernahm dabei die Gesamtführung.

Das Trio hatte sich am Corkscrew etwas mehr als sechs Kilometer vor dem Ziel abgesetzt und brachte schließlich 28 Sekunden auf das erste Verfolgerfeld mit ins Ziel, in dem Michael Matthews (Jayco – AlUla) auf Rang vier spurtete und Maximilian Schachmann (Bora – hansgrohe) Zwölfter wurde.

Vine führt im Kampf um das Ockerfarbene Trikot nun 15 Sekunden vor Bilbao und 16 Sekunden vor Yates. Magnus Sheffield (Ineos Grenadiers) ist 45 Sekunden dahinter Vierter vor Mauro Schmid (Soudal – Quick-Step / + 0:46) und Ethan Hayter (Ineos Grenadiers / + 0:50). Schachmann ist auch in der Gesamtwertung Zwölfter (+ 1:01) - zeitgleich mit Marc Hirschi (UAE Team Emirates), der auf Rang elf geführt wird.

"Wir waren gestern etwas enttäuscht, weil das Rennen nicht so gelaufen ist, wie wir gehofft hatten und wir wichtige Sekunden verloren haben. Heute war aber ideal für mich mit dem steilen Anstieg und der schnellen Abfahrt zum Ziel", freute sich Bilbao, der am Corkscrew-Anstieg zunächst nicht folgen konnte, als Vine und Yates attackierten, kurz vor der Bergwertung aber doch noch an das Duo herankam.

"Ich musste zuerst mein Tempo weiterfahren. Aber auf den letzten Metern wurde es flacher, sie haben vorne etwas rausgenommen und ich bin rangefahren", so Bilbao. "Am Ende war mir klar, dass ich gute Chancen auf den Sieg hatte. Die Beiden haben mehr aufs Klassement geschaut und ich auf den Sprint und den Tagessieg."

Vine hatte nur die Zeit im Blick

Wie sehr Vine den Gesamtsieg im Blick hatte, wurde vor allem auf dem Schlusskilometer deutlich: Der Australier fuhr ein regelrechtes Leadout für seine beiden Begleiter, um möglichst viel Vorsprung auf die Verfolger herauszuholen. Dass er im Sprint gegen Bilbao und Yates chancenlos sein würde, war ihm wohl klar. 250 Meter vor der Linie beschleunigte dann Bilbao und Yates folgte im Windschatten, kam aber nicht mehr vorbei.

"Ich wollte natürlich die Etappe gewinnen, aber so ist es eben: Bilbao ist etwas schneller als ich. Ich habe versucht, ihn vor mir herzutreiben und seinen Sprint früh herauszufordern, um dann noch aus dem Windschatten kommen zu können. Aber es hat nicht ganz gereicht", schilderte Yates das Finale.

Während Vine, Yates und Bilbao am Berg eindeutig die Stärksten waren und der Australier die Gesamtführung übernahm, beeindruckte am Ende auch Matthews. Nachdem er am Vortag mehr als zwei Minuten wegen eines Defekts verloren hatte, bewies der Australier nun in Campbelltown, warum er im Vorfeld zu den Favoriten auf den Gesamtsieg gezählt worden war.

Matthews' Trostpreis war am Freitag neben dem vierten Etappenrang die Übernahme der Führung in der Punktewertung. Die Bergwertung verteidigte mit seiner Attacke am Corkscrew-Anstieg Vine, das Trikot dafür wird stellvertretend am Samstag aber Mikkel Honoré (EF Education – EasyPost) tragen. Bester Nachwuchsfahrer ist weiterhin Sheffield.

So lief das Rennen:

Schon nach vier Kilometern bildete sich durch eine Attacke von Honoré, dem Fabio Felline (Astana Qazaqstan) folgte, das Ausreißerduo des Tages. Der Däne gewann kurz danach den ersten Kategorie-2-Bergpreis des Rennens, während sich Felline die beiden Zwischensprints sicherte. Das Duo fuhr zwischenzeitlich bis zu 4:30 Minuten an Vorsprung heraus, doch in der zweiten Rennhälfte begann das Hauptfeld früh, den Abstand zu verringern.

35 Kilometer vor dem Ziel ließ Honoré seinen Begleiter im Anstieg zum Checker Hill (Kat. 1) stehen und Felline wurde vom Hauptfeld gestellt. Der Däne aber schaffte es noch über den Bergpreis und holte sich vorübergehend die Führung in der Bergwertung. Probleme hatte an dem zwei Kilometer langen und 6,3 Prozent steilen Berg, etwas überraschend, unter anderem das Ineos-Duo Ethan Hayter und Geraint Thomas.

Beide kamen aber bald wieder zurück und 25 Kilometer vor Schluss war vorne Honoré gestellt. Entlang dem sogenannten Kangaroo Creek rauschte das Peloton nun - angeführt zunächst von Ineos Grenadiers, später von UAE Team Emirates und AG2R – Citroën – auf leicht abfallender und kurviger Straße lang aufgereiht dem entscheidenden Corkscrew-Anstieg entgegen. Dabei kam 20 Kilometer vor Schluss der Gesamtfünfte Corbin Strong (Israel – Premier Tech) zu Fall. Teamkollege Chris Froome wartete zwar und gab danach Vollgas für seinen neuseeländischen Teamkollegen, doch das Hauptfeld war zu schnell, um wieder heranzukommen.

Das Peloton fuhr schließlich in den 2,4 Kilometer langen Corkscrew (Kat. 1 / 8,9 %) hinein und UAE Team Emirates zog das Tempo so hoch, dass der Gesamtführende Rohan Dennis (Jumbo – Visma) schon in den unteren Abschnitten des Anstiegs in Probleme geriet – gemeinsam mit dem Großteil der anderen Fahrer. Marc Hirschi (UAE Team Emirates) führte das Feld in die steilsten Rampen hinein und bereitete vor, was alle erwarteten: Vines Attacke 6,4 Kilometer vor Schluss.

Yates klebte zwar offensichtlich problemlos am Hinterrad des Australischen Zeitfahrmeisters, war aber zunächst der Einzige, der ihm folgen konnte. 600 Meter später schaffte Bilbao kurz vor der Bergwertung noch den Anschluss und zu dritt ging es in die 5,7 Kilometer lange Abfahrt in Richtung Tagesziel.

Dahinter bildete sich zunächst ein Sextett, in dem auch Hirschi sowie Schmid saßen und das schließlich noch auf 27 Mann anwuchs. Doch die Verfolger kamen in der Abfahrt nicht mehr näher nach vorn, wo die drei Spitzenreiter gemeinsam Vollgas gaben. Vine führte die Gruppe auf den Schlusskilometer und fuhr dort ein regelrechtes Leadout für seine beiden Begleiter.

250 Meter vor dem Zielstrich setzte Bilbao dann zum Sprint an und Yates hielt dagegen. Doch auch wenn der 30-jährige Brite Zentimeter um Zentimeter näherkam, so jubelte letztendlich der drei Jahre ältere Spanier.

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