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09.03.2023 | (rsn) - Eigentlich war der Plan ein anderer. “Wir wollten schon auf den Tagessieg fahren, aber ich war nicht die erste Option“, erklärte ein durchaus von sich selbst überraschter Primoz Roglic (Jumbo – Visma), nachdem er die 4. Etappe von Tirreno-Adriatico (2.UWT) von Greccio nach Tortoreto im Bergaufsprint vor Julian Alaphilippe (Soudal Quick-Step) und Adam Yates (UAE Team Emirates) für sich entschieden hatte.
Wout van Aert war die angedachte Jumbo-Option, schilderte Roglic im Siegerinterview. Doch der nahm sich fünf Kilometer vor dem Zielstrich selbst aus dem Rennen, als er sich am Vorderrad von Tom Pidcock (Ineos Grenadiers) aufhängte und stürzte. “Wir mussten dann umplanen. Aber das hat gut geklappt. Es ist schön zu sehen, dass ich mich erholt habe“, sagte der 33-Jährige, der sein erstes Rennen seit seinem Sturz bei der letztjährigen Vuelta a Espana fährt, da der Genesungsprozess nach der Schulter-OP nicht problemlos verlaufen war. “Er war mit vielen Entbehrungen verbunden. Es ist schön, zurück zu sein“, ergänzte Roglic.
Für die Perfektionierung seines starken Comebacks, das Roglic mit einer guten Radlänge für sich entschied, fehlten ihm sechs Sekunden. Das ist der Abstand in der Gesamtwertung auf Lennard Kämna (Bora – hansgrohe), den neuen Träger des Blauen Trikots. Zwar zählte der Deutsche nicht zu den besten 16 – wie seine Teamkollegen Jai Hindley und Aleksandr Vlasov – die ohne Zeitverlust im Ziel ankamen. Doch auch der 26-Jährige büßte nur fünf Sekunden ein und konnte den im Schlussanstieg nicht mehr konkurrenzfähigen bisherigen Spitzenreiter Filippo Ganna (Ineos Grenadiers) aus dem Trikot fahren.
Kämna hatte im Vorfeld nicht damit gerechnet, Boden auf den Zeitfahrspezialisten gut machen zu können. “Um ehrlich zu sein, habe ich die Etappe unterschätzt. Ich dachte nicht, dass der Schlussanstieg so hart sein würde“, gab er nach dem Rennen zu. “Aber als wir das erste Mal drübergefahren sind (die Zielpassage wurde auf dem Rundkurs dreimal passiert, d. Red.), habe ich gemerkt, dass wir eine Chance haben, das Trikot zu übernehmen. Da hieß es dann, Vollgas fahren und keine oder so wenig wie möglich Zeit verlieren. Jetzt versuchen wir natürlich, das Trikot morgen zu verteidigen, aber das wird schwer.“
Ihre Trikots verteidigten auf der 4. Etappe Jasper Philipsen (Alpecin – Deceuninck) in der Punktewertung und Davide Bais (Eolo – Kometa) am Berg. Neuer Führender der Nachwuchswertung ist Joao Almeida (UAE Team Emirates), der fünf Sekunden vor seinem Teamkollegen Brandon McNulty liegt.
Die längste Etappe der Rundfahrt mit 218 Kilometern wartete mit Sonne und 21 Grad auf. Und erneut mit einer frühen Ausreißergruppe um das Bergtrikot von Davide Bais (Eolo - Kometa), der damit den dritten Tag in Folge vor dem Feld fuhr. Ihn begleiteten Filippo Magli (Green Project – Bardiani CSF – Faizane), Mads Würtz Schmidt (Israel – PremierTech), Valerio Conti (Corratec) und der Schwedische Meister Lucas Eriksson (Tudor). Maximal sieben Minuten konnten sie herausfahren.
Doch die waren bereits aufgebraucht, bevor das Quintett die erste Bergwertung, gleichzeitig die erste Zieldurchfahrt, erreichte, die erst nach 166 Kilometern auf dem Programm stand. Dort rollte der Ineos-Zug ohne Ambitionen drüber. In der darauffolgen Abfahrt setzte sich Mikkel Honoré (EF Education – EasyPost) ab und absolvierte die erste von drei Runden als Solist, doch pünktlich zum Anstieg der zweiten Runde wurde er wieder gestellt.
Im Anstieg attackierte Alaphilippe dann 35 Kilometer vor dem Ziel, es war aber nicht mehr als ein erstes Antesten. 22 Fahrer, angeführt von Van Aert und Yates kamen zusammen zur zweiten Zieldurchfahrt, darunter alle Favoriten auf die Gesamtwertung. Auf der anschließenden Runde vergrößerte sich die Spitze wieder auf rund 50 Fahrer.
Das Profil der 4. Etappe von Tirreno-Adriatico. | Foto: RCS Sport
Den dritten Anstieg fuhren Trek – Segafredo und Olivier Pacher (Groupama – FDJ) mit einem schnellen, aber gleichmäßigen Tempo nach oben, eine Attacke lancierte keiner mehr. Vereinzelte Fahrer wie Magnus Sheffield (Ineos Grenadiers) oder Mathieu van der Poel (Alpecin – Deceuninck), der aber nochmal zurückkehrte, fielen zurück, doch die Aspiranten um den Gesamtsieg führte Jumbo – Visma im Flachstück bis zum Zielanstieg, auf dem sich Van Aert dann aber am Vorderrad von Tom Pidcock aufhängte. Beide stürzten und waren raus aus der Entscheidung um den Tagessieg.
Der nach dem Sturz durchkreuzte Jumbo-Visma-Plan sorgte für Zurückhaltung im letzten Anstieg und so versuchten sich die Zweitdivisionäre. Lorenzo Fortunato (Eolo – Kometa) und Damien Howson (Q36.5) rissen am Teufelslappen ein kleines Loch, das Attila Valter (Jumbo – Visma) wieder zufahren konnte. Auch Vlasov zeigte sich immer wieder vorne und bemühte sich, keine Lücken aufgehen zu lassen. Den Angriff von Hugh Carthy (EF Education – EasyPost) parierte Tao Geoghegan Hart (Ineos Grenadiers) mit Enric Mas (Movistar) am Hinterrad.
400 Meter vor dem Ziel war Victor Lafy (Cofidis) an der Spitze, aus dessen Windschatten Yates vorbeizog. Doch dem Briten schliefen die Beine ein, sodass der stets gut platzierte Roglic und letztlich auch Alaphilippe auf den letzten Metern noch vorbeiziehen konnten.
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