--> -->
21.05.2023 | (rsn) – Es war schon eine besondere Geschichte, die Bruno Armirail (Groupama – FDJ) auf der 14. Etappe des Giro d’Italia schrieb. Vom 23. Rang aus kletterte der 29-Jährige am Samstag in das Maglia Rosa. 24 Jahre nach Laurent Jalabert trug damit wieder ein Franzose das berühmte Trikot, dass den Gesamtführenden der Italien-Rundfahrt ziert. Armirail verteidigte es auch einen Tag später auf dem mit über 3600 Höhenmetern gespickten Abschnitt nach Bergamo.
"Ich habe mein Bestes versucht, um das Trikot zu behalten und freue mich über einen weiteren Tag in Rosa", strahlte der 29-Jährige in der Pressekonferenz. Mit der Gnade und der Freigabe der großen Gesamtwertungsfavoriten, die im Verlauf der 14. Etappe kein Interesse hatten, die Ausreißergruppe um Armirail wieder einzuholen, übernahm er mit Hilfe der knapp 20 eroberten Minuten die Führung der dreiwöchigen Rundfahrt.
Sie geriet auch während der 15. Etappe am Sonntag nicht wirklich in Gefahr. "Am letzten Anstieg gab es einige Attacken, ich denke aber, sie (die GC-Anwärter) sparen sich die Kraft auf für die letzte Woche. Da werden wir dann ein Feuerwerk erleben", sah Armirail gegenüber Journalisten voraus, als er auf das zurückhaltende Verhalten der Favoriten angesprochen wurde.
Nach seinem überraschenden Coup hatte der Franzose vor allem zwei Problemstellungen auf dem Weg von Seregno nach Bergamo zu managen. Zum einen durfte seine Mannschaft den Abstand auf den in der Gesamtwertung auf Platz 18 befindlichen Einer Augusto Rubio (Movistar), der sich in der Ausreißergruppe befand, nicht zu groß werden lassen, und zum anderen musste Armirail darauf achten, nicht aus dem Feld der Favoriten herauszufallen, was ihm vor allem im Anstieg zum Roncona Alta schwer zu schaffen machte.
"Wäre ich dort abgehängt worden, hätte ich es wohl nicht geschafft, das Trikot zu behalten", meinte er. Sein Team hatte von Beginn an die Kontrolle der Nachführarbeit übernommen. Selbst Kapitän Thibaut Pinot spannte sich für seinen in Teamkollegen ein. "Er hat mir sehr geholfen", lobte Armirail.
In der letzten Welle vor dem Ziel musste der Franzose dann aber die Girofavoriten ziehen lassen. Er büßte etwas Zeit ein, behielt aber seine Führung mit gut einer Minute Vorsprung auf Geraint Thomas (Ineos Grenadiers). Da am Montag der zweite Ruhetag wartet, behält Armirail das Maglia Rosa zumindest noch bis zum Dienstag, wo im Norden des Gardasees rund um das Skigebiet Monte Bondone eine harte Bergetappe wartet, die den Favoriten die erste Bühne für ihren Kampf um den Giro-Sieg bieten wird.
An diesem Tag tritt auch der Franzose wieder in die Helferrolle zurück. "Ich werde das Rennen so fahren, als würde ich das Trikot nicht tragen. Aber zuvor möchte ich den Ruhetag genießen", erzählte der 29-Jährige, für den der Tag als Spitzenreiter ein völlig neues Erlebnis war. "Eine Erfahrung für mein ganzes Leben", wie er es selbst beschrieb und anfügte: "Es gab so viel Zuspruch für mich von den Fans. Das war ein wirklich fantastischer Tag auf dem Rad. Es ist schon etwas Besonderes, wenn du in so einem Trikot unterwegs bist. Ich hatte den ganzen Tag über Gänsehaut."