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Kretschy: Nur das eine richtig krasse Ergebnis hat gefehlt

Von Christoph Adamietz

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Moritz Kretschy (rad-net Oßwald) | Foto: Cor Vos

30.11.2023  |  (rsn) – Auch wenn zum Ende hin die Luft etwas ausging, blickt Moritz Kretschy (rad-net Oßwald) auf eine gelungene Saison zurück, in der er nicht nur in den nationalen und internationalen Meisterschaftsrennen glänzen konnte.

Besonders im Sommer war Kretschy richtig gut drauf. Er gewann bei den Deutschen Meisterschaften der U23 Ende Juni respektive Anfang Juli die Titel im Zeitfahren und im Straßenrennen. Im U23- Straßenrennen der Rad-WM in Glasgow Mitte August fuhr der Sachse bis zwei Kilometer vor dem Ziel um die Medaillen mit, ehe er schließlich Sechster wurde.

“Ich bin mit meiner Saison sehr zufrieden, schon alleine wegen den beiden Meistertiteln und dem sechsten Platz bei der WM“, sagte Kretschy zu radsport-news.com. Die beiden Meistertrikots bei den Deutschen Zeitfahrmeisterschaften in Bad Dürrheim und im Rahmen der Drei-Länder-Meisterschaft in Märwil in der Schweiz kamen allerdings einigermaßen überraschend.

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“Ehrlich gesagt, habe ich nicht das Selbstbewusstsein, um hier von `geplanten Ergebnissen` zu reden“, sagte er. Vor vor allem auf das Einzelzeitfahren sei er jedoch “richtig heiß gewesen. Nicht, weil ich mit einem Titel oder einer Medaille gerechnet hätte, sondern weil ich im Training auf dem Zeitfahrrad so viel Spaß und dazu gute Beine hatte“. Auf die konnte Kretschy sich auch wenige Tage später auch im Straßenrennen verlassen. “Der Kurs war selektiver als gedacht und der Sieg im Zeitfahren hat mir natürlich Rückenwind gegeben“, fügte er an.

In Bad Dürrheim sicherte sich Moritz Kretschy (rad-net Oßwald) Ende Juni den Deutschen U23-Meistertitel im Zeitfahren. | Foto: Cor Vos

Bei der Rad-WM im August bewies er Kretschy zudem taktisches Gespür. Er schaffte den Sprung in die Gruppe des Tages, die im U23-Straßenrennen um den Sieg kämpfte. Für Kretschy war dann die letzte Welle zwei Kilometer zu viel, wobei ihm an der Kuppe nur 20 Meter fehlten. Wäre er dran geblieben, hätte er um die Silbermedaille fahren können, so reichte es mit neun Sekunden Rückstand auf Weltmeister Axel Laurance zu Rang sechs.

Schlaflose Nächte bereitete Kretschy das knapp verpasste Edelmetall aber nicht. “Ich habe mit dem Thema abgeschlossen. Ein sechster Platz bei dieser WM hätte ich nicht erwartet. Klar wäre eine Medaille schön gewesen, aber ich bin wirklich bis zum Maximum gefahren. Mehr ging einfach nicht und die anderen Fahrer waren einfach stärker, das muss man neidlos anerkennen“, lobte Kretschy seine Konkurrenten.

Auch bei weiteren internationalen Rennen wusste er zu überzeugen. Zum Saisonstart belegte der Allrounder Rang sieben der Porec Trophy (1.2) und verpasste als Auftaktzweiter der Istrian Spring Trophy (2.2) nur knapp seinen ersten internationalen UCI-Sieg. Beim polnischen Carpathian Couriers Race (2.2u) sicherte er sich als Zweiter der Schlussetappe Rang sechs in der Gesamtwertung der U23-Rundfahrt. Eine gute Leistung zeigte Kretschy auch noch kurz vor der Rad-WM, als er die in Frankreich die Tour Alsace (2.2) auf Platz acht abschloss. “Ich bin viel beständiger geworden“, urteilte Kretschy mit Blick auf seine Resultate.

Bei der Rad-WM von Glasgow verpasste Kretschy nach einer starken Vorstellung als Sechster nur knapp die Medaillenränge. | Foto: Cor Vos

Das lag mit daran, dass er im Vergleich zu den Vorjahren deutlich weniger gesundheitliche Probleme hatte. “Aber auch, nachdem ich krank war, musste ich nie wieder von null beginnen. Mein Körper hat viel besser meinen Grunddruck halten können als noch die Jahre zuvor, was ein Riesenvorteil war“, sagte Kretschy. Zudem “war ich in den Rennen einfach effizienter als im Jahr zuvor“, fügte er einen weiteren Grund an.

Enttäuschungen erlebte Kretschy dagegen nur wenige. Für drei italienische U23-Eintagesrennen im Frühjahr hatte er sich viel vorgenommen, musste dort aber zwei Mal vorzeitig vom Rad steigen und kam einmal nicht über Rang 26 heraus. “Da lief für mich einfach alles schief, was schieflaufen kann“, sagte der 21-Jährige und nannte Defekte und Stürze.

In der späten Saisonphase war der Körper am Limit

Und auch in der zweiten Jahreshälfte passte es nicht mehr so recht. Seit der Tour de l`Avenir (2.Ncup) zeigte die Formkurve nach unten. “Da hat mein Körper gestreikt, ich kam nicht ansatzweise an die Leistungen der vorangegangenen Rennen ran. Möglicherweise habe ich mir dort wegen des schlechten Wetters und der schlechten Unterkünfte, die sich negativ auf die Regeneration auswirkten, etwas eingefangen“, kommentierte der Chemnitzer seinen 92. Platz im Gesamtklassement der wichtigsten U23-Rundfahrt.

Die Enttäuschung konnte der Deutsche U23-Meister allerdings gut wegstecken. “Nachdem ich bei so vielen Rennen ein gutes Niveau hatte, ist es nur nachvollziehbar, dass irgendwann der Körper am Limit ist. Der Zeitpunkt war natürlich sehr ungünstig, aber ich bin auch nur ein Mensch und muss in solchen Momenten auf meinen Körper hören“, sagte Kretschy, der danach eine dreiwöchige Pause einlegte und schließlich Anfang Oktober nur noch den Münsterland Giro und Paris-Tours U23 bestritt, ohne etwas Zählbares mitnehmen zu können. “Ich bin ohne Erwartungen gefahren, sondern habe einfach die beiden Rennen nochmal mit rad-net Oßwald genossen, da es ja meine letzten für das Team waren“, erklärte er.

Nach drei Jahren bei rad-net Oßwald wird Moritz Kretschy (hier beim Münsterland Giro) das deutsche Kontinental-Team verlassen und künftig für die Nachwuchsmannschaft von Israel - Premier Tech fahren. | Foto: Cor Vos

Trotz seiner guten Entwicklung in dieser Saison entschied sich Kretschy nämlich dazu, sein Team rad-net Oßwald nach drei Jahren zu verlassen. Für welches Team er künftig fahren treten wird, wollte er noch nicht verraten. Nach Informationen von radsport-news.com handelt es sich um das Development-Team von Israel - Premier Tech.

Dass es nicht für einen Profivertrag gereicht hat, machte Kretschy daran fest, dass "das eine richtig krasse Ergebnis gefehlt hat. Ich war in vielen Rennen sehr solide, aber in keinem internationalen Rennen besonders herausragend“, fügte er an. Allerdings sei es von Anfang an seine Absicht gewesen, “die vier U23-Jahre voll zu machen, um auch das eine oder andere internationale Rennen gewinnen zu können. Wenn ich im kommenden Jahr nochmal einen ähnlichen Schritt und dadurch den finalen Schritt zu den Profis machen könnte, wäre das super“, betonte Kretschy.

Neben Einsätzen mit dem Devo-Team, bei dem er sich als Leader etablieren möchte, hofft der junge Deutsche auch auf eine Nominierung für die U23-Nationalmannschaft. Gerne würde er etwa die Straßen-WM in Zürich bestreiten. “Ich habe ja noch ein Jahr in der U23. Vielleicht bekomme ich ja noch mal die Chance, das Ergebnis (von Glasgow) zu bestätigen oder sogar noch zu verbessern“, nannte Kretschy eines seiner großen Ziele für 2024.

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