--> -->
08.08.2024 | (rsn) – Olympische Märchen sind etwas Schönes, erzählen sie meist davon, wie eine Außenseiterin oder ein Außenseiter am Tag X alle überraschte und plötzlich mit einer Medaille belohnt wurde für harte Arbeit, die zuvor kaum jemand wahrgenommen hatte. Die Pressekonferenz von Kristen Faulkner nach dem überraschenden Sieg im Straßenrennen der Frauen konnte auch als kleine Warnung für das gesehen werden, was drei Tage später im Velodrom Saint-Quentin-en-Yvelines passierte.
Denn die US-Amerikanerin erzählte dort, dass sie und ihre Teamkollegin Chloe Dygert vom Bahnteam für das Straßenrennen quasi für einen Tag freigestellt worden waren. Solange sie um Medaillen mitfahren können, durften sie voll durchziehen, falls das nicht mehr der Fall gewesen wäre, hätten sie sich für die am Dienstag beginnende Teamverfolgung schonen sollen.
Davon konnte bei Faulkner angesichts ihrer erfolgreichen Jagd auf die Goldmedaille aber keine Rede sein. Und nach der Bronzemedaille ihrer Teamkollegin Dygert im Einzelzeitfahren - trotz eines Sturzes - konnte man erahnen, dass sich die US-Amerikanerinnen auch auf der Bahn viel vorgenommen hatten.
Als achtes von zehn Teams hatten sich Faulkner & Co. qualifiziert, sie zogen schließlich sogar in das Finale ein und bezwangen dort die Neuseeländerinnen. Diese glänzten durch eine perfekte Technik und einer reibungslosen Zusammenarbeit. Doch die zusammengeführten “Pferdestärken“ der US-Amerikanerinnen erwiesen sich als zu stark für das Quartett aus Neuseeland. Trotz einiger Fehler gelang die Überraschung und der US-amerikanische Vierer mit Faulkner, Dygert, Lily Williams und Jennifer Valente holte den Sieg und schrammte dabei nur knapp am von Deutschland gehaltenen Weltrekord vorbei.
“Ich weiß gar nicht, was da passiert ist. Am Ende ist ein Sieg ein Sieg und den wollten wir alle unbedingt", erzählte Dygert gegenüber cyclingweekly nach dem Rennen und auch ihre Teamkollegin Faulkner, nun Doppel-Olympiasiegerin von Paris, konnte es gar nicht fassen: "Ich muss mich immer noch zwicken, weil ich glaube ich träume das alles noch, was da jetzt passiert ist."
Blickt man auf die letzten Spiele zurück, so ist es eigentlich keine Überraschung, die US-Amerikanerinnen ganz oben zu sehen. Sie sind die konstante Mannschaft seit 2012, als sie in London Silber holten. 2016 in Rio gab es auch Silber, damals waren Dygert und Valente schon mit dabei. Vor drei Jahren in Tokio siegten sie im Kleinen Finale, holten Bronze. Doch der Schlüssel zum Erfolg schien die Akquise von Faulkner gewesen zu sein.
Die kam zwar erst 2017 zum Radsport und begann erst vor einer Jahr ihre Bahnkarriere. Faulkner startete bislang nur in einem Nations Cup in Adelaide für die USA. Die 31-Jährige war aber das fehlende Puzzleteil im Kampf um Gold, den die US-Amerikanerinnen schließlich für sich entschieden.