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22.04.2026 | (rsn) – Die 79. Auflage der Tour de Romandie (2.UWT / 28.4.-3.5.2026) wird eine Art Steigerungslauf: Von Tag zu Tag schwerer sind die sechs Teilstücke der WorldTour-Rundfahrt durch die Westschweiz. Insgesamt sind mit Prolog und fünf Massenstartetappen 851,3 Rennkilometer zurückzulegen und 14.266 Höhenmeter zu erklimmen, wobei die Entscheidung erst am Schlusstag bei der Bergankunft in Leysin, oberhalb von Aigle, fallen wird.
Auch wenn das die einzige Bergankunft der Woche ist, wird sich kein echter Sprinter auch nur über eines der anderen Teilstücke freuen – abgesehen vom Prolog vielleicht. Denn erstens wird die 2.000-Höhenmetermarke jeden Tag geknackt und zweitens befinden sich in den Finals aller fünf Etappen noch Anstiege, die die Männer mit den dicken Oberschenkeln aussortieren dürften, wenn überhaupt welche am Start stehen sollten.
Beginnen wird die Romandie-Rundfahrt auf ganz traditionelle Weise mit einem kurzem Zeitfahren. Seit 1969 war das nur einmal nicht der Fall: 2015 eröffnete ein Teamzeitfahren die Woche. Der Prolog 2026 wird in Villars-sur-Glane südwestlich von Fribourg ausgetragen, ist 3,2 Kilometer lang und kommt ohne technische Schwierigkeiten aus – allerdings ist er nicht ganz flach: Die ersten zwei Kilometer führen leicht bergab, der Schlusskilometer aber steigt an und überbrückt 69 Höhenmeter.
Die 1. Etappe dann führt das Peloton ins Wallis nach Martigny. Dort sind zunächst drei flache Runden nördlich der Stadt durchs Rhone-Tal zu absolvieren, bevor es dann östlich in Richtung Sion geht. Auf halbem Weg dorthin biegt die Strecke in Chamoson links ab und führt eine Kategorie-1-Steigung nach Ovronnaz hinauf – 8,9 Kilometer lang und im Schnitt 9,7 Prozent steil, bei einer Maximalsteigung von sogar 15 Prozent.
Der Bergpreis in 1.358 Metern Höhe wartet 34 Kilometer vor dem Etappenziel. Die von zahlreichen engen Haarnadelkurven gespickte Abfahrt bringt die Fahrer zurück ins Rhone-Tal und auf flacher Strecke über die letzten 22 Kilometer auch zurück nach Martigny.
Das Streckenprofil der 1. Etappe. | Grafik: Tour de Romandie
Etappe 2 wird an der Grenze der Kantone Fribourg und Vaud ausgetragen. Das Teilstück beginnt in Rue und endet über Luftlinie keine fünf Kilometer entfernten Vucherens. Nach 33 Rennkilometern wird das Ziel erstmals erreicht, bevor dann drei jeweils 46,4 Kilometer lange Runden auf einem sehr hügeligen Rundkurs zu absolvieren sind.
2,2 Kilometer vor Rundenende wartet in Vuillens jeweils die Überquerung eines Bergpreises der 3. Kategorie (3,6 km bei 4,8%) und auch der Schlusskilometer steigt an. Insgesamt müssen an diesem Tag 3.104 Höhenmeter erklommen werden – auch ohne lange Berge also eine wirklich harte Prüfung.
Das Streckenprofil der 2. Etappe. | Grafik: Tour de Romandie
Auf der 3. Etappe geht es an den Rand des Jura. Das 176,6 Kilometer lange Teilstück beginnt und endet in Orbe südwestlich des Neuenburgersees und die ersten zwei Drittel der Etappe sind gemäßigt – ein paar Hügel, aber keine allzu großen Schwierigkeiten, nur ein früher Bergpreis der 3. Kategorie. Dann aber geht es nach der dritten Passage der Ziellinie auf eine deutlich schwerere Schleife in Richtung Jura-Gebirge.
Über einen Hügel der 3. Kategorie in Oulens-sur-Echallens (4,2 km bei 3,5%) geht es zum Zwischensprint in Moiry und von dort auf den Col Mollendruz. Der Anstieg der 2. Kategorie ist 8,9 Kilometer lang und im Schnitt 6,2 Prozent steil, bei maximal acht Prozent. Vom Bergpreis in 1.174 Metern Höhe geht es 24 Kilometer lang in Stufen bergab, bevor die letzten acht Kilometer des Tages flach zum Ziel in Orbe führen.
Das Streckenprofil der 3. Etappe. | Grafik: Tour de Romandie
Die 4. Etappe ist abgesehen vom Prolog das kürzeste Teilstück der Woche: Nur 149,6 Kilometer sind zurückzulegen, mit 3.175 Höhenmetern aber die zweitgrößte Distanz in der Vertikalen. Herzstück dieses Teilstücks, das in Broc am Greyerzersee beginnt und nach 4,9 Kilometern bereits erstmals über den Zielstrich in Charmey führt, ist der Jaunpass. Die 1.508 Meter hohe Passhöhe an der Grenze zwischen den Kantonen Fribourg und Bern wird im Verlauf des Tages drei Mal überquert – und zwar aus drei unterschiedlichen Richtungen.
Zunächst führt die Strecke von Broc durch den Zielort Charmey das Tal hinauf in den Ort Jaun und von der Nordwestseite den Pass hinauf (2. Kat. / 6 km bei 8,2%). Es folgt die Nordostabfahrt in den Ort Weissenbach und anschließend geht es aus Südosten eine Nebenstraße wieder hinauf zum Jaunpass (1. Kat. / 7,6 km bei 8,6%).
Diesmal geht es im Nordwesten hinunter und durch den Ort Jaun zurück nach Charmey am Ziel vorbei, bevor eine große Schleife um den Gruyère-Naturpark herum wartet – mit einem Kategorie-2-Anstieg zum Saanenmöser (6 km bei 4,5%) und anschließend via Zweisimmen wieder nach Weissenbach. Von dort geht es ein drittes Mal auf den Jaunpass und diesmal aus Nordosten (1. Kat. / 8,1 km bei 7,9%). Die Bergwertung wird 16,7 Kilometer vor dem Ziel erreicht und anschließend geht s nur noch bergab ins Ziel in Charmey.
Das Streckenprofil der 4. Etappe. | Grafik: Tour de Romandie
Die Entscheidung über den Rundfahrtsieg in der Romandie fällt auch in diesem Jahr aber erst am Schlusstag. Der beginnt in Lucens nur wenige Kilometer vom Parcours der 2. Etappe entfernt und wird in seiner ersten Hälfte teilweise sogar auf gleichen Straßen ausgetragen. Beispielsweise geht es nach knapp 100 Kilometern wie drei Tage zuvor erneut von Moudons nach Vuillens hinauf (3,6 km bei 4,8%) zum Kategorie-3-Bergpreis des Etappenfinals vom Donnerstag.
Von dort aber verabschiedet sich das Peloton aus den bekannten Gefilden, steuert auf den Genfersee zu, erreicht über Vevey Montreux und bewegt sich flach zum UCI-Sitz in Aigle, wo der letzte Zwischensprint der Woche ausgetragen wird – bevor dann die 15 Kilometer lange Schlusssteigung nach Leysin beginnt.
Offiziell ist der Kategorie-1-Anstieg nur 13,9 Kilometer lang und im Schnitt 6 Prozent steil, bei 12 Prozent Maximalsteigung. Das liegt aber daran, dass die Bergwertung 1,2 Kilometer vor dem Zielstrich bereits abgenommen wird. Flach wird es auf dem Schlusskilometer aber nicht: Es geht weitere 75 Höhenmeter hinauf bis zum Zielstrich in der Route de La Cité.
Das Streckenprofil der 5. Etappe. | Grafik: Tour de Romandie
Übrigens: Deutschen Fans dürfte die Ankunft von Leysin bekannt vorkommen. Hier fuhr Florian Lipowitz am 27. April 2024 sein erstes WorldTour-Podium ein. Er sprintete damals auf den letzten Metern noch an Solo-Spitzenreiter Richard Carapaz (EF Education - EasyPost) heran, wurde hinter ihm in derselben Zeit Etappenzweiter und beendete die Rundfahrt schließlich auf Gesamtrang drei.
Prolog, 28.4.: Villars-sur-Glane – Villars-sur-Glane (3,2 km / 69 hm / EZF)
1. Etappe, 29.4.: Martigny – Martigny (171,2 km / 1.985 hm)
2. Etappe, 30.4.: Rue – Vucherens (173,1 km / 3.104 hm)
3. Etappe, 1.5.: Orbe – Orbe (176,6 km / 2.409 hm)
4. Etappe, 2.5.: Broc – Charmey (149,6 km / 3.175 hm)
5. Etappe, 3.5.: Lucens – Leysin (178,2 km / 3.542 hm)