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23.01.2026 | (rsn) – Das weibliche "Wolfpack” war in den letzten Jahren auf der Überholspur unterwegs - jedoch stets bedacht und mit angemessenem Tempo. Mittlerweile hat AG Insurance - Soudal den Schritt vom “Ausbildungsteam” zu einer schlagkräftigen Truppe gemacht, die um Siege bei den ganz großen Rennen mitfahren kann.
Diese Entwicklung spiegelt sich inzwischen auch im Durchschnittsalter der Equipe wider. Mit einem Mittel von 27,4 Jahren ist das Team sogar das älteste der Women's WorldTour.
Eng verbunden mit dem leisen Aufstieg der Mannschaft ist eine Story, die es im internationalen Radsport nicht allzu oft zu erzählen gibt. Ähnlich der Historie von Biniam Grimay (NSN), dem dreimaligen Tour-Etappengewinner aus Eritrea, kommt die Frontfrau des Teams aus einem Radsportentwicklungsland. ___STEADY_PAYWALL___
Kimberley Le Court erlernte das Einmaleins des Radsports auf Mauritius und war nach zwei Jahren Zugehörigkeit bei kleineren Teams in Europa bis 2023 ausschließlich auf dem afrikanischen Kontinent aktiv. Bis sie als erfolgreiche Mountainbikerin in jenem Jahr das legendäre Cape Epic gewann - und diesen Erfolg als Bewerbungsschreiben für europäische Straßenteams nutzte. Zur Saison 2024 war es dann soweit, Le Court erhielt eine neuerliche Chance in Europa.
Kimberley Le Court als erste Afrikanerin im Gelben Trikot der Tour de France Femmes | Foto: Cor Vos
Schnell bestätigte sie das Vertrauen in ihre Verpflichtung, wurde Zehnte bei Paris-Roubaix (1.WWT) und gewann die Schlussetappe des Giro d'Italia (2.WWT). Die Saison 2025 übertraf dann alle Erwartungen. Le Court gewann nicht nur überraschend den schweren Ardennenklassiker Lüttich-Bastogne-Lüttlich (1.WWT), sondern fuhr bei der Tour de France Femmes (2.WWT) drei Tage in Gelb und gewann die 5. Etappe nach Guéret.
Mit der Australierin Sarah Gigante hat die belgische Equipe ein zweites Ass im Ärmel, mit dem sie bei Grand Tours aufs Treppchen fahren kann. Nur ein Einbruch der 25-Jährigen auf der Abschlussetappe verhinderte im Vorjahr das Tour-Podium. Wie sehr Team.Manager Jurgen Foré mit seinem Kader aus 2025 zufrieden war, zeigt die Transferpolitik. Alleinig Letizia Borghesi, Zweite von Paris-Roubaix (1.WWT), stieß neu dazu, während Gaia Masetti (Picnic - PostNL) und Julia Borgström (Club) das Team verließen.
Sollten weitere Leistungsträgerinnen wie die aktuelle Belgische Meisterin Justine Ghekiere, Urska Zigart oder die aus einer Dopingsperre zurückgekehrte Shari Bossuyt an ihre Form des Vorjahres anknüpfen können, bleibt AG Insurance in der Breite gut aufgestellt. Beste Voraussetzungen, um die zuletzt zwölf Saisonsiege zu überbieten und bei der Tour nach den Sternen - sprich: einem Podiumsplatz - zu greifen.
Dass sie als einziger Neuzugang des Teams vermeldet wurde, zeigt, wie die Italienerin besonders mit ihrem starken Frühjahr, in dem sie bei Paris-Roubaix (1.WWT) nur Pauline Ferrand-Prévot den Vortritt lassen musste und als Sechste die Flandern-Rundfahrt (1.WWT) beendete, das Management beeindrucken konnte.
Gemeinsam mit Le Court soll Borghesi das Team noch schlagkräftiger bei den Frühjahrsklassikern machen. Und sollte ihre Karriere beim neuen Arbeitgeber weiter an Fahrt aufnehmen, wäre auch durchaus der große Wurf möglich – bei einem klassischen Eintagesrennen etwa könnte die Südtirolerin ihren zweiten Profisieg feiern.
Letizia Borghesi (links) feierte als Zweite bei Paris-Roubaix ihren größten sportlichen Erfolg. | Foto: Cor Vos
Die abgelaufene Saison von Sarah Gigante lässt sich mit zwei Worten zusammenfassen: unfassbares Pech! Zunächst musste sich die Australierin nach einer Operation an einer Beckenarterie im Frühjahr mühsam zurückkämpfen, um dann nach großartigen Leistungen beim Giro d’Italia und der Tour de France Femmes (beides 2.WWT) erneut auf dem OP-Tisch zu landen. Unmittelbar nach der Tour brach sie sich im Training einen Oberschenkelknochen.
“Ich würde sogar sagen, dass meine Rehabilitation intensiver und konstanter war als mein normales Training. Denn erstens gibt es keine mentale oder körperliche Faulheit, wenn man nur drinnen fährt, und zweitens habe ich fünf bis sechs Tage die Woche ein paar Stunden Fitnessstudio und Physio neben meinem Radfahren gemacht“, meinte sie kürzlich in einem auf der Teamseite veröffentlichten Interview.
Auch wenn ihr das mental schwergefallen sei, habe sie sich mit der Teamleitung dazu entschieden, den Saisonstart zu verschieben und die Rennen in ihrer Heimat auszulassen, so Gigante.
Ein Entschluss, der sich für sie selber und für ihr Team im weiteren Saisonverlauf noch auszahlen könnte. Immerhin strebt die exzellente Bergfahrerin nach ihrem zweiten Platz in der Gesamtwertung des Giro 2025 ein ähnliches Ergebnis bei der diesjährigen Tour an.
Bitter: Gigante büßte auf der Tour-Abschlussetappe noch ihren Podiumsplatz ein. | Foto: Cor Vos
Das Aufgebot:
Fauve Bastiaenssen Belgien / 28 Jahre), Mireia Benito (Spanien / 29), Letizia Borghesi (Italien /27), Shari Bossuyt (Belgien / 25), Alana Castrique (Belgien / 26), Lore de Schepper (Belgien / 20), Justine Ghekiere (Belgien / 29), Sarah Gigante (Australien / 25), Marthe Gossens (Belgien / 23), Anya Louw (Australien / 25), Alexandra Manly (Australien / 29), Ashleigh Moolman-Pasio (Südafrika / 40), Ilse Pluimers (Niederlande /23), Nicole Steigenga (Niederlande / 27), Julie van de Velde (Belgien / 32), Gladys Verhulst-Wild (Frankreich / 29), Urska Zigart (Slowenien / 29)
Davon Neuzugänge:
Letizia Borghesi (EF Education - Oatly)
Teamleitung:
Manager: Jürgen Foré
Sportdirektor: Jolien D'hoore
Sportliche Leiter: Dani Christmas, Fien Delbaere, Stijn Steels
Material:
Rahmenhersteller: Specialized
Gruppe: Shimano
Laufräder: roval
Reifen: Specialized
Trikot: Castelli
Helm: Specialized