RSNplusDeutsche Gravelmeisterin im Interview

“Doppelagentin” Klöser: “Sehe mich als eine der Top-Fahrerinnen“

Von Jens Claussen

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Beim Gravel muss Rosa Klöser auch schon mal vom Rad runter | Foto: Canyon

10.03.2026  |  (rsn) - Die Deutsche Gravelmeisterin Rosa Maria Klöser (Canyon - SRAM - zondacrypto) bezeichnet sich immer noch als Newcomerin im Radsport. Und das trotz prestigeträchtiger Erfolge wie dem Gewinn des Unbounds 2024, dem Sieg in der Gesamtwertung der Gravel Earth Serie 2025, einem dritten Platz bei den Deutschen Straßenmeisterschaften 2025 und sieben weiteren Siegen bei internationalen Schotterrennen.

Wenige Tage vor ihrem Saisondebüt auf der Straße bei Strade Bianche (1.WWT) nahm sich die 29-Jährige ausgiebig Zeit, um mit RSN zu sprechen. Eine frühzeitige Verletzung, der eigene Anspruch, in der Gravel-Weltspitze zu verweilen, die Rolle der UCI und von German Cycling in der rasanten Entwicklung des professionellen Gravelrennsports - im Kopf der Wirtschaftswissenschaftlerin drehen sich viele Gedanken um den Sport, der ihr vor vier Jahren den Einstieg als Radprofi ermöglicht hat. ___STEADY_PAYWALL___

Frau Klöser, Sie konnten Ihren ersten Renneinsatz in Santa Vall auf der zweiten Etappe aufgrund einer Ellenbogenverletzung nicht fortsetzen. Was war da los und sind Sie immer noch gehandicapt?
Rosa Maria Klöser: “Die Strecke war extrem schlammig. Für die Organisatoren war es damit fast unmöglich, den Kurs überhaupt befahrbar zu machen. Wir waren nach etwa 30 Kilometern mit drei Frauen an der Spitze unterwegs und ich wollte am Ende einer Abfahrt, nach der es in einen sehr schlammigen Sektor ging, mit einem Manöver noch unbedingt an die Position eins - für den Fall, dass eine der anderen beiden einen Fehler macht. Den habe dann aber leider ich gemacht, als mir bei einem Antritt das Vorderrad wegrutschte und ich hart auf dem Asphalt landete. Ich war am Abend sicherheitshalber noch im Krankenhaus, wo eine Untersuchung aber keine nennenswerten Verletzungen ergab. Danach hatte ich lediglich noch ein paar Tage mit einer kleinen Infektion zu tun, bin jetzt aber wieder fit.“

Rosa Klöser setzte trotz Ellenbogenverletzung ihr erstes Gravelrennen der Saison als Etappenzweite bei Santa Vall fort | Foto: Canyon

Was nehmen Sie so früh in der Saison aus der Tatsache mit, dass Sie auf der ersten Etappe von Santa Vall als einzige im Finale mit der bisherigen Dominatorin Sofia Gomez Villafane mithalten konnten?
Klöser: “Das ist natürlich ein gutes Gefühl, obwohl ich mein maximales Potenzial erst in den noch kommenden Rennen voll ausschöpfen werde. Ich sehe mich als eine der internationalen Top-Fahrerinnen und da ist es auch schon zu Saisonbeginn mein Anspruch, mit der Besten mitfahren zu können.“

Und das ohne Unterstützung durch ein Team. Die Bedeutung professioneller Teamstrukturen im Gravel hat in der aktuellen Saison zugenommen. Vor kurzem wurde in diesem Kontext das Canyon ATR Team vorgestellt. Ihr Namen fehlt im Line-up, warum?
Klöser: “Das hat zum einen pragmatische, zum anderen Flexibilitätsgründe. In der Rolle einer “Doppelagentin”, die ich ja quasi durch meinen zusätzlichen Vertrag beim Straßen-WorldTeam Canyon - SRAM - zondacrypto einnehme, ist es nahezu unmöglich, den Ansprüchen von zwei Teams gerecht zu werden. Zudem hatte ich, lange bevor absehbar war, dass es das Canyon x DT Swiss ATR geben würde, als Privatier langfristige Sponsorenverträge, die mir in meiner Anfangszeit das nötige Vertrauen gaben und die es respektvoll zu erfüllen gilt!“

Zumindest im Einsatz für die Nationalmannschaft kann Klöser von einer Teamtaktik profitieren. | Foto: Cor Vos

Beim europäischen Gravelauftakt war zu beobachten, dass große Teams, insbesondere das Specialized Off-Road Team, die Renntaktik auf dem Schotter dauerhaft verändern könnten - weg von individuellen Interessen hin zu einem Teamwork wie im Straßenradsport. Ist es denkbar, dass Sie im Rennen mit den Frauen des Canyon ATR kooperieren werden?
Klöser: “Da gibt es keine Absprachen. Das wäre auch schwierig, da jede Partei die eigenen Sponsoren im Rennen präsentieren muss. Natürlich sind wir freundschaftlich verbunden, aber mal als Beispiel: Wenn ich in einem Rennen auf der eins bin und eine ATR-Fahrerin alleine dicht dahinter - klar will die die Lücke zufahren. Da kann ich ihr nicht böse sein, die will ja auch gewinnen.“

Sie haben die rasante Entwicklung im Gravel von Beginn an miterlebt. Verläuft diese womöglich zu schnell?
Klöser: “Nein, denn eine Professionalisierung birgt grundsätzlich einen notwendigen Rahmen und Grundstrukturen mit sich. Der Elite-Gravelsport braucht das! Die Teilnehmerfelder und das Sponsoreninteresse werden größer, immer mehr Leute können davon leben und das funktioniert auf Dauer nur, wenn die Strukturen sich weiterhin verbessern. Konkret steht hier an erster Stelle das Thema Sicherheit.“

Wie beurteilen Sie Rolle der UCI in diesem Konstrukt und, auf nationaler Ebene, hat German Cycling schon mal bei Ihnen zwecks Input für eigene Ideen angeklopft?
Klöser: “Bei den UCI-Rennen gibt es sicherlich noch Nachbesserungsbedarf. Ich bin welche gefahren, die besser organisiert waren als so manches UCI-Straßenrennen - aber auch welche, die in Punkto Sicherheit noch Nachholbedarf haben. Zu German Cycling: Abgesehen von den Regularien zu meinem Deutschen Meistertrikot hatte ich mit dem Verband noch keinen Kontakt. Und um ehrlich zu sein, ich habe German Cycling im Kontext Gravel bislang noch nicht als Institution wahrgenommen - außer vielleicht bei den Deutschen Meisterschaften.“

Wie wird es nun für Sie in den nächsten Wochen sportlich weitergehen?
Klöser: “Zunächst mit meinem Team auf der Straße. Ich bin für Gent-Wevelgem vorgesehen, die weiteren Einsätze sind, mit Ausnahme der Deutschen Meisterschaften und der Tour de Suisse, aber noch offen.“

Klöser (re.) fuhr bei den Deutschen Meisterschaften 2025 mit Platz drei auf das Podium | Foto: Arne Mill

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