Deutsche Überraschungen: Tagessieg und Top 10

Santa Vall: Würtz Schmidt und Gomez Villafane dominieren Gravel-Auftakt

Von Jens Claussen

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Mads Würtz Schmidt | Foto: Specialized

16.02.2026  |  (rsn) - Mads Würtz Schmidt und Sofia Gomez (beide Specialized Off-Road Team) heißen die Sieger der Gesamtwertung beim zweitägigen Etappenrennen Santa Vall. Auf anspruchsvollen 200 Kilometern im Umland von Girona distanzierte Europameister Schmidt mit lediglich 13 Sekunden Romain Bardet (Factor Racing RCC), ebenfalls wie der Sieger ein Ex-Straßenprofi. In der knappen Endabrechnung landete Matthew Beers (+0:14) vom Specialized Off-Road Team auf Rang drei. “Dreizehn Sekunden sind eine schöne Lücke”, analysierte der Sieger im Zielinterview. “Ich musste mich heute eigentlich nur auf Bardet konzentrieren und war ziemlich zuversichtlich, dass er mich nicht abhängen würde”, so der Däne weiter.

Mit etwas größeren Abständen endete die Entscheidung bei den Frauen. Hinter der unantastbaren Argentinierin Gomez Villafane war die Britin Sophie Wright (Ribble Outliers) mit 2:24 Minuten Rückstand die Beste vom Rest. Die US-Amerikanerin Morgan Aguirre von PAS Racing (+4:49) komplettierte das Podium.

Harte Bedingungen und falsche Reifenwahl

Der Auftakt in die Gravel-Saison war alles andere als ein lockeres Einrollen. Schon auf der ersten Etappe hatte das Teilnehmerfeld mit widrigsten Bedingungen zu kämpfen. Ein von starken Regenfällen aufgeweichter und rutschiger Untergrund sollte sich als größte Hürde des Tages herausstellen - immer wieder mussten die Akteure vom Rad und zu Fuß Flussbette durchqueren. “Das war heute eher Triathlon als Gravelrennen”, meinte Romy Kasper zu RSN, die sich mit einem 14. Platz selbst überraschte. Hinzu kam die Herausforderung der richtigen Reifenwahl, bei der Tagessieger Schmidt, wie er im Zielinterview eingestehen musste, komplett daneben lag. “Das Rennen war heute sehr tricky, da ich mich für die falschen Reifen entschieden hatte. So konnte ich mein Rad immer wieder schlecht kontrollieren, was Zeit kostete. Am langen Anstieg fand ich dann aber meinen Rhythmus, konnte zu den Jungs vorne aufschließen und erst dann begann das Rennen um den Sieg.”

So entwickelte sich sowohl bei den Männern, als auch bei den Frauen dieser erste Abschnitt über 120 Kilometer schnell zu einem Ausscheidungsfahren, bei dem Würtz Schmidt seine letzten Begleiter, Bardet und Wout Alleman (Buff BH Team), auf dem finalen Kilometer noch abschütteln konnte. Deutlicher ging es bei den Frauen zu, wo Siegerin Gomez Villafane gemeinsam mit Rosa Klöser nach zwei Dritteln des Rennens nur noch zweit unterwegs war. Bergauf mit mehr Watt auf dem Pedal und begünstigt durch einen Sturz Klösers kam die 31-Jährige letztendlich mit einer knappen Minuten Vorsprung auf die Deutsche ins Ziel. Diese konnte am Folgetag aufgrund einer Ellenbogenverletzung das Rennen allerdings nicht mehr fortsetzen.

Mit weitaus freundlicheren Bedingungen präsentierte sich Tag zwei, an dem mit 82 Kilometern zwar ein kürzeres, aber nicht minder intensives Rennen folgte. In einem wahren “Rollercoaster” ging es dauerhaft rauf und runter. Bei den Frauen bestimmte zunächst eine vierzehnköpfige Spitzengruppe den Rennverlauf, in der neben Vortagessiegerin Gomez Villafane auch die Deutsche Nele Laing vom neu gegründeten Canyon x DT Swiss All Terrain Racing Team saß. Doch nach der Hälfte des Rennens war diese bereits halbiert und wenige Kilometer später zeigte sich, wer an diesem Wochenende die stärkste Profi-Frau im Peloton war. Wie schon am Vortag setzte sich Gomez Villafane 15 Kilometer vor dem Ziel nochmals alleine ab und machte wenig später den Doppelsieg perfekt. Wright fuhr als Zweite erneut aufs Tagespodium vor der Australierin Nicole Frain (Factor Racing), die nur eine Sekunde dahinter Dritte wurde.

Bei den Männern dominierte über lange Zeit eine 15-köpfige Spitzengruppe das Rennen, die auch in dieser Formation ins Finale fuhr. Auf dem kurvenreichen letzten Kilometer konnte sich letztendlich der Deutsche Tim Wollenberg (Bixs Race Team) durchsetzen und sich als Tagessieger vor Leon Kaiser (Modus Offroad), einem weiteren Deutschen, feiern lassen. Jan Stöckli von Tudor Pro Cycling wurde Dritter.

Voß, Koppenburg und Kasper sind auf dem richtigen Weg

Damit rundete die zweite Etappe ein aus deutscher Sicht mehr als gelungenes Santa Vall ab. Kaiser belegte überraschend den fünften Platz im Gesamtklassement, die ehemalige Konti-Fahrerin Laing fuhr sensationell auf Rang zehn.

Auch Mitfavorit Paul Voß (AUTSAID x Rose Bikes), der Tag zwei in der Kopfgruppe mit Platz sieben beendete, zeigte sich RSN gegenüber zufrieden mit seinem Saisoneinstieg - gleichzeitig aber auch beeindruckt von dem gestiegenen Leistungslevel. “Es ist jetzt nochmal mehr Dynamik in den Rennen, das Leistungslevel breiter geworden und mit Würtz Schmidt, Bardet und Beers hast du jetzt richtige Maschinen dabei”, beschrieb er die Veränderungen zum Vorjahr. “Mit meiner Leistung bin ich unterm Strich zufrieden, da ich bislang noch wenig im hochintensiven Bereich gemacht habe. Aber der Motor ist auf jeden Fall schon da”, blickte er zuversichtlich auf die kommenden Aufgaben.

Erfreut sein dürften auch Clara Koppenburg (Tudor Pro Cycling) und Romy Kasper (PAS Racing) über ihren Saisonbeginn. Während Koppenburg bei ihrer ersten Bewährungsprobe auf dem Gravelrad sofort auf Rang 16 im GC landete, sortierte sich Kasper auf Platz 30 von 44 klassierten Fahrerinnen ein.

Schon am kommenden Wochenende startet mit dem Castellon Gravel in Spanien auch das erste Rennen der UCI Gravel World Series - neben der Gravel Earth Series die zweite bedeutende Rennserie weltweit. <<

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