Vorschau auf die Tour Auvergne-Rhône-Alpes 2026

Duell der Jugend beim ehemaligen Critérium du Dauphiné

Von Paul Grosch

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Paul Seixas (vorne) und Isaac del Toro sind die Top-Favoriten bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes | Foto: Cor Vos

06.06.2026  |  (rsn) – Am Sonntag startet in Vizille die 78. Ausgabe der Tour Auvergne-Rhône-Alpes (2.UWT), früher bekannt als das Critérium du Dauphiné. In Abwesenheit der Tour-de-France-Favoriten Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) und Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) liegt die Aufmerksamkeit in diesem Jahr auf der Jugend, vor allem in Form von Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) und Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG).

Während Del Toro im Juli Pogacars Edelhelfer in den Bergen sein soll, wird die kommende Woche die Richtung vorgeben, wie weit Seixas bei seiner ersten Tour-Teilnahme gehen kann. Daneben stehen mit Juan Ayuso (Lidl – Trek), Oscar Onley, Kevin Vauquelin (beide Netcompany – Ineos) oder Cian Uijtdebroeks (Movistar) weitere Fahrer am Start, die - obwohl bereits etabliert - noch zur jungen Garde gezählt werden können.

Mit Blick auf die bisherige Saison sollte das Gelbe Trikot mit dem blauen Streifen auf der Brust jedoch unter Seixas und Del Toro ausgemacht werden. Das 19-jährige Phänomen aus Frankreich war 2026 einer der dominantesten Fahrer. Bei Lüttich-Bastogne-Lüttich (1.UWT) konnte er Pogacar an der Côte de la Redoute folgen und machte so Hoffnung auf ein Gigantenduell der beiden in den kommenden Jahren.

Neben dem Kampf der Jugend stehen auch weitere große Namen wie Joao Almeida (UAE – Emirates – XRG), Matteo Jorgenson und Wout van Aert (beide Visma – Lease a Bike) am Start. Die beiden Teamkollegen von Jonas Vingegaard wollen sich in Frankreich auf das dreiwöchige Highlight im Juli vorbereiten. Van Aert ist neben dem französischen Meister Dorian Godon (Netcompany – Ineos) der Favorit auf das Grüne Trikot des Punktbesten. Almeida hingegen lässt die Tour de France aus, will sich in der kommenden Woche jedoch mit Blick auf die Vuelta a Espana in Form bringen.

Seixas und Del Toro erstmals im direkten Duell

Das heiß erwartete Aufeinandertreffen zwischen Seixas und Del Toro bei der Baskenland-Rundfahrt (2.UWT) wurde nach der sturzbedingten Aufgabe des Mexikaners zu einer Spazierfahrt für Seixas. Bei der Strade Bianche (1.UWT) ließ der Franzose den Mexikaner am letzten Anstieg in Siena stehen. Ansonsten hatten die beiden Jungstars bisher eher wenige Berührungspunkte.

Seixas startete bei der Volta ao Algarve (2.Pro) in die Saison und holte auf Anhieb einen Etappensieg und den zweiten Rang im Gesamtklassement hinter Ayuso. Bei der Faun-Ardèche Classic (1.Pro) gewann er dominant. Nach seinem zweiten Platz in Siena sicherte er sich alle Wertungstrikots sowie drei Etappen im Baskenland. An der Mauer von Huy beim Flèche Wallonne (1.UWT) stellte er einen neuen Strava-Rekord auf und beim Ardennen-Finale in Lüttich wurde der Franzose nur von Pogacar geschlagen.

Del Toros Saison hingegen lief nicht immer glatt. Nach seinem Gesamtsieg mit zwei Etappenerfolgen bei der UAE Tour (2.UWT) und dem dritten Platz hinter Seixas bei der Strade Bianche gewann er Tirreno-Adriatico (2.UWT) und war Pogacars entscheidender Helfer bei dessen Sieg bei Mailand-Sanremo (1.UWT). Bei der Baskenland-Rundfahrt schließlich musste er nach einem Sturz mit einem Muskelfaserriss aufgeben, war aber beim Auftaktzeitfahren und auf der schweren 2. Etappe nicht nur gegen Seixas chancenlos.

Tour-Vorbereitung im vollen Gange

Nach dem emotionalen Ankündigungsvideo für seine erste Tour-Teilnahme ging Seixas im Mai ins Höhentrainingslager in der Sierra Nevada. In den vergangenen Tagen war der Franzose dann mit Blick auf die Bergetappen der Tour de France in den Pyrenäen unterwegs und stellte am Col de Tourmalet einen weiteren Strava-Rekord auf. Del Toro hingegen erholte sich von seiner Verletzung und unternahm zuerst mit seinem Kapitän Pogacar zusammen einige Recon-Fahrten in den Vogesen und Alpen. Danach ging auch er zum Trainieren in die Höhe Südspaniens.

In der kommenden Woche wird Seixas von einem Team unterstützt, das in ähnlicher Aufstellung auch beim Grand Départ in Barcelona am Start stehen könnte, darunter Matthew Riccitello, Daan Hoole und Stefan Bissegger. Bei del Toros UAE-Team hingegen ist bereits bekannt, dass Almeida nicht an der Tour de France teilnehmen wird. Pavel Sivakov und Benoit Cosnefroy an Pogacars Seite im Juli wären gut denkbar.

Auch das Visma-Team sieht in großen Teilen schon wie ein Team für den Juli aus, obwohl Vingegaard selbst nach seinem Giro-Triumph logischerweise nicht am Start stehen wird. Neben van Aert und Jorgenson, die für die Tour de France gesetzt sein sollten, dürften auch Bruno Armirail, Edoardo Affini und Ben Tulett ihre Bewerbung für La Grande Boucle abgeben wollen.

Wenig Sprinter, aber viele Deutsche mit dabei

Die Top-Sprinter bleiben der Tour Auvergne-Rhône-Alpes fern, was mit Blick auf die schwere Strecke zu erwarten war. Das ermöglicht vielseitigeren Fahrern Möglichkeiten. Mit Blick auf die Startliste stechen dabei sofort van Aert und Godon ins Auge. Auch Michael Matthews (Jayco – AlUla) feiert nach seinem doppelten Handbruch sein Comeback.

Aus deutscher Sicht fehlt Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) nach seinem dritten Platz im Vorjahr. Georg Zimmermann (Lotto – Intermarché) könnte auf den hügeligen Etappen Chancen bekommen. Gleiches gilt für Felix Engelhardt (Jayco – AlUla). Emanuel Buchmann (Cofidis) dürfte sich auf das Gesamtklassement konzentrieren. Phil Bauhaus (Bahrain Victorious) und Jasha Sütterlin (Jayco – AlUla) dürften einen schweren Stand haben. Das könnte Bauhaus’ Anfahrer Nikias Arndt Türen öffnen.

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