Tuckwell muss Gelb noch abgeben

Tour Auvergne: Del Toro holt sich Königsetappe und Gesamtsieg

Von Guido Scholl

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Isaac Del Toro (UAE - Emirates - XRG) hat die Königsetappe und die Gesamtwertung der Tour Auvergne-Rhone-Alpes gewonnen. | Foto: Cor Vos

14.06.2026  |  (rsn) - Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) hat als erster Mexikaner die Tour Auvergne-Rhone-Alpes (2. UWT / ehemals Critérium du Dauphiné) gewonnen. Mit seinem Etappensieg, dem zweiten hintereinander, am Plateau de Solaison (HC) übernahm der 22-Jährige das Gelbe Trikot vom ein Jahr jüngeren Australier Luke Tuckwell (Red Bull – Bora – hansgrohe), der auf dem 120 Kilometer langen Tagesabschnitt mit vier schweren Bergen aber Platz zwei verteidigen konnte.

“Wir haben wahnsinnig dafür gekämpft. Es ist Wahnsinn. Ich kann es noch gar nicht glauben“, sagte der überglückliche Tages- und Gesamtsieger nach dem Rennen. Sein letzter Helfer, Pablo Torres, habe das Terrain für ihn perfekt vorbereitet. Und dann ging offenbar alles wie von selbst: “Ich bin einfach bis zum Ziel durchgefahren“, beschrieb Del Toro das Finale der achttägigen Rundfahrt, in deren Geschichte er nun auch der drittjüngste Gesamtsieger ist.

  Tuckwell, der vor dem Schlussabschnitt 49 Sekunden Vorsprung auf Del Toro hatte, zeigte sich zufrieden mit dem Resultat. “Ich wusste, welches Tempo ich von unten weg fahren musste. Maxim (van Gils, d. Red.) hat mich gerettet. Ohne ihn hätte ich mehr Probleme bekommen. Es war einfach eine geschlossene Teamleistung“, bilanzierte der 21-Jährige seine letzten Kilometer in Gelb.

Als Etappenzweiter erreichte Juan Ayuso (Lidl – Trek) das Ziel mit exakt einer Minute Rückstand. Somit sicherte sich der Spanier den letzten Podestplatz. Ayuso beteuerte, alles versucht zu haben, zollte Del Toro aber fair Respekt: “Er war auf einem anderen Level, das müssen wir so akzeptieren“, sagte der Lidl-Trek-Kapitän.

Der US-Amerikaner Matteo Jorgenson (Visma – Lease a Bike), der als Gesamtzweiter in die abschließende Königsetappe gestartet war, bekundete in der zweiten Hälfte des 10,3 Kilometer langen Schlussanstieg zunehmend Schwierigkeiten und fiel als Etappenzehnter in der Endabrechnung noch auf Rang vier zurück.

Dort trennten ihn sogar nur zehn Sekunden vom Norweger Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility), der mit einem starken Finale auf Platz drei der Etappe gefahren war – zwei Sekunden hinter Ayuso. Ansonsten gab es in den Top 10 nur aufgrund des verletzungsbedingten Ausscheidens von Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) Verschiebungen. Mattias Skjelmose (Lidl – Trek), Cian Uijtebroeks (Movistar), Cristian Rodriguez (XDS – Astana) und Jose Felix Parra (Caja Rural – Seguros RGA) rückten allesamt um jeweils eine Position auf, der Franzose Guillaume Martin (Groupama – FDJ) verbesserte sich auf Rang zehn.

Jasch erneut bester deutscher Profi

Bester deutscher Fahrer war erneut Tudor-Profi Lennart Jasch, der allerdings als 24. bereits 6:14 Minuten Rückstand zum Sieger aufwies. Georg Steinhauser (EF Education – EasyPost), der zur Gruppe des Tages gehört hatte, kam mit 6:20 Minuten Abstand als 27. ins Ziel – einen Platz vor Felix Engelhardt (Jayco – AlUla, +6:32). Im Gesamtklassement belegt Jasch am Ende einen allemal respektablen 16. Platz.

Die Bergwertung sicherte sich der Franzose Clément Braz Afonso (Groupama – FDJ), der sein Konto noch einmal als Ausreißer aufstockte. In der Punktewertung gab es keine nennenswerten Veränderungen – das Grüne Trikot blieb auf den Schultern des Israeli Naidav Raisberg (NSN), der damit der erste Radprofi seines Landes ist, der dieses Sonderklassement für sich entscheiden konnte.

Del Toro nahm auch das Weiße Trikot des besten Nachwuchsprofis mit nach Hause. In der Teamwertung zog Visma – Lease a Bike trotz des Schwächelns von Kapitän Jorgenson noch an Lidl - Trek vorbei an die Spitze.

So lief die 8. Etappe der Tour Auvergne-Rhone-Alpes:

 

Laurens De Plus, Carlos Rodriguez (beide Netcompany - Ineos), Léo Bisiaux (Decathlon - CMA CGM), Steinhauser, Valentin Paret-Peintre (Soudal - Quick-Step), Harold Tejada (XDS - Astana) und Bergkönig Braz Afonso setzten sich nach 15 Kilometer der kurzen Königsetappe ab. Kurze Zeit später gesellte sich noch Kevin Vauquelin von Netcompany - Ineos dazu. Dieses Oktett bestimmte den Großteil der Etappe, während sich im Feld die Teams UAE – Emirates – XRG und Lidl – Trek die Verfolgungsarbeit teilten.

Für den französischen Hoffnungsträger Seixas war die Rundfahrt bereits nach 35 Kilometern der Schlussetappe beendet. Der Gesamtsechste war schon am Col du Pré (1.Kat.), der ersten von vier Bergwertungen, abgehängt worden und stieg kurz darauf vom Rad. Callum Thornley (Red Bull – Bora - Hansgrohe), Stefan Bissegger (Decathlon - CMA CGM), Lorenzo Fortunato (XDS - Astana), Luke Plapp, Alessandro Covi (Jayco - AlUla) und Henri Uhlig (Alpecin - Premier Tech) waren erst gar nicht mehr zur letzten Etappe angetreten.

  Braz Afonso sicherte sich die ersten beiden Bergwertungen und erhöhte seinen Punktestand um weitere 25 Zähler. Rechnerisch war ihm die Gesamtkletterwertung damit schon nicht mehr zu nehmen. Am vorletzten Bergpreis zeigte sich der Groupama-Profi dann generös und ließ De Plus den Vortritt.

Das Streckenprofil der 8. Etappe der Tour Auvergne-Rhone-Alpes | Foto: Veranstalter

  Im Anstieg zu jenem Col des Aravis (1. Kat.) erhöhte Lidl – Trek die Schlagzahl und dezimierte den zwischenzeitlich auf 2:30 Minuten angewachsenen Rückstand auf rund 40 Sekunden. Bis zum Schlussanstieg hinauf nach Brison änderte sich daran wenig.

Pavel Sivakov (UAE – Emirates – XRG) fuhr die Favoritengruppe in die Steigung hinauf zum Plateau de Solaison (HC), danach übernahm Pablo Torres von seinem Teamkollegen. Das hohe Tempo brachte schon früh Tuckwell, Uijtebroeks und Ayuso in Schwierigkeiten. 8500 Meter vor dem Ziel löste sich Del Toro von seinen restlichen Begleitern und fuhr zu Paret-Peintre und Rodriguez vor, die als letzte aus der Gruppe des Tages übrig geblieben waren. Beide konnten nur kurzzeitig mit dem Mexikanischen Meister mithalten.

Ayuso konnte sich bald wieder zu Jorgenson, Skjelmose und Halland Johannessen zurückkämpfen. Maxim Van Gils machte das Tempo für den Mann in Gelb, der aber sukzessive an Boden verlor. Auf den letzten sechs Kilometer versuchte es Ayuso noch einmal mit einem Verzweiflungsangriff, den Jorgenson nicht parieren konnte. Die Lücke ging schnell auf. Auch Halland Johannessen spürte bald, dass Jorgenson nicht seinen besten Tag hatte und fuhr dem US-Amerikaner solo davon.

Van Gils rettet Tuckwell den zweiten Platz

Auf den letzten 2500 Metern bekam die Tuckwell-Gruppe Jorgenson wieder in Sichtweite – und damit gleichsam das Abschluss-Podium. Del Toro dagegen fuhr den Tagessieg sicher nach Hause und jubelte ausgelassen in der Gewissheit, auch die Gesamtwertung gewonnen zu haben.

Kurz vor dem letzten Kilometer brachte Van Gils Tuckwell wieder zu Jorgenson hin. Ayuso rettete sich mit wenigen Sekunden auf den heranfliegenden Halland Johannessen ins Ziel. Van Gils führte seinen Teamkollegen mit 1:43 Minuten Rückstand auf Platz acht ins Ziel.

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