Mannschaftszeitfahren, steile Anstiege, nichts für Sprinter

Die Strecke der Tour Auvergne-Rhône-Alpes

Von Paul Grosch

Foto zu dem Text "Die Strecke der Tour Auvergne-Rhône-Alpes"
Die Streckenkarte der Rundfahrt | Foto: A.S.O.

06.06.2026  |  (rsn) – Die 78. Tour Auvergne-Rhône-Alpes (2.UWT), vormals bekannt als Critérium du Dauphiné, führt vom 7. bis zum 14. Juni 2026 von Vizille über acht Etappen zur finalen Bergankunft am Plateau de Solaison in den Savoyer Alpen. Auch der Grand Colombier im benachbarten Jura wird befahren. Auf die Fahrer wartet durchgehend hügeliges und bergiges Terrain.

Das achttägige Etappenrennen beinhaltet zum ersten Mal seit 2018 wieder ein Teamzeitfahren, das im Hinblick auf den Tour-Auftakt in Barcelona wichtig sein könnte. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr gibt es keine Bergwertung über der 2000-Meter-Grenze. Trotzdem stehen an den letzten drei Tagen drei klassische Bergankünfte an. Bereits am Samstag geht es über die sehr steilen Anstiege im Jura. Die Königsetappe zum Abschluss führt über knapp 4000 Höhenmeter durch die Savoyer Alpen bis zum Plateau de Solaison. Hier endet im Juli auch eine Etappe der Tour de France.

Auch in diesem Jahr haben die Sprinter bei der Tour-Generalprobe einen schweren Stand. Selbst die Auftaktetappe eignet sich eher für die Klassementfahrer. Nur zwei Tagesabschnitte in der Wochenmitte sollten den schnellen Männern gehören. Und selbst dabei müssen sie hügeliges Terrain überstehen.

1. Etappe, 7. Juni: Vizille – Saint-Ismier (146 km)

Zum Auftakt wartet ein ungewöhnlich schwerer Tagesabschnitt rund um Grenoble. Auf dem Weg von Vizille ins über Luftlinie 20 Kilometer entfernte Saint-Ismier sind 3160 Höhenmeter zu bewältigen. Nach dem Zwischensprint auf einem Hügel geht es direkt in einen Anstieg der 2. Kategorie. Der Abschnitt danach verläuft verhältnismäßig flach. Trotzdem gibt es auf den ersten 100 Kilometern noch zwei weitere Bergwertungen der 2. Kategorie.

Im Finale geht es dann auch für die Klassementfahrer erstmals ans Eingemachte. Der Côte de Rousset (1. Kat.) gipfelt etwa 20 Kilometer vor dem Ziel. Über mehr als acht Kilometer beträgt die Steigung 7,6 Prozent. Die Abfahrt danach führt über eine Stufe nach unten. Somit sind nur die letzten 8 Kilometern weitestgehend flach. Ein Ausreißersieg ist gut möglich, aber auch im Kampf um das Gesamtklassement könnte sich eine erste Rangordnung andeuten.

Profil der 1. Etappe der Tour Auvergne-Rhône-Alpes | Grafik: A.S.O.

2. Etappe, 8. Juni: Saint-Martin-le-Vinoux – Le Puy-en-Velay (234 km)

Auch der nächste Tagesabschnitt durch die östlichen Ausläufer des Zentralmassivs bringt keine Erleichterung. Mit 234,4 Kilometern und 3685 Höhenmetern erinnert er eher an ein Klassikerrennen in den Ardennen. Schon nach 13 Kilometern steht der erste von zwei schnell aufeinander folgenden kategorisierten Anstiege an. Nach einem längeren flachen Abschnitt geht es mehr als 20 Kilometer bei moderater Steigung bergauf.

Etwa in der Mitte des Anstiegs wird am Col Robert Marchand zu Ehren des gleichnamigen Senioren-Radsportlers eine Bergwertung (2. Kat.) abgenommen. Der ehemalige Senioren-Stundenweltrekordhalter war noch mit 105 Jahren im Radsport aktiv und verstarb im Mai 2021 mit 109. Nach dem Zwischensprint folgt ein welliges Plateau mit zwei weiteren Bergwertungen. Fünf Kilometer vor dem Ziel erfolgt eine Abfahrt. Die Etappe sollte den Ausreißern gehören. Auch bergfeste Sprinter haben in der Gruppe des Tages eine Chance.

Profil der 2. Etappe der Tour Auvergne-Rhône-Alpes | Grafik: A.S.O.

3. Etappe, 9. Juni: Perreux – Perreux (28,4 km / MZF)

Auf der 3. Etappe steht ein 28,4 Kilometer langes Mannschaftszeitfahren an. Es gelten die gleichen Regeln wie bei der Tour de France: Jeder Fahrer setzt also seine eigene Zeit. Der Rundkurs um Perreux verläuft mit 420 Höhenmetern wellig. Nach drei Kilometern folgt der erste Anstieg, der etwa fünf Kilometer lang ist. Der Anfangsteil ist dabei deutlich steiler. Oben wird die erste Zwischenzeit genommen. Nach einer kurvenreichen Abfahrt geht es wieder fünf Kilometer bergauf bis zur zweiten Zeitnahme bei Montagny.

Hier dreht die Strecke in Richtung Ziel ab. Sie verläuft überwiegend gerade und leicht bergab am kleinen Fluss Le Chappeson entlang. Der letzte Kilometer in Perreux ist ansteigend, mit einer maximalen Steigung von sieben Prozent. Er führt über einige scharfe Kurven ins Ziel. Hier müssen die Klassementfahrer noch mal einmal alles geben. Eine gute Aufteilung der Mannschaft, besonders an den Anstiegen, wird entscheidend sein.

Profil der 3. Etappe der Tour Auvergne-Rhône-Alpes | Grafik: A.S.O.

4. Etappe, 10. Juni: Le Puy-en-Velay – Montrond-les-Bains (167 km)

Der vierte Tagesabschnitt könnte für einen von nur zwei möglichen Massensprints sorgen. Die Etappe ist "zweigeteilt". Auf den ersten 132 Kilometern geht es von Le Puy-en-Velay hügelig durch die vulkanische Region des Zentralmassivs bis nach Montverdun im Verwaltungsbezirk Montbrison. Fast die gesamten 2250 Höhenmeter sind in diesem ersten Teil verpackt. Die sechs kategorisierten Anstiege sind jedoch nicht besonders steil.

Anschließend führt die Strecke flach nach Montrond-les-Bains direkt am Loire-Strom. Die letzten zehn Kilometer verlaufen bis auf einen leichten Linksknick 350 Meter vor dem Ziel schnurgerade. Die Organisatoren erwarten daher wahrscheinlich einen Massensprint. Die ewig lange Zielgerade kann bei der Verfolgung einer Ausreißergruppe helfen. Trotzdem müssen die Sprinter im ersten Teil der Etappe ihre Bergbeine bereithalten.

Profil der 4. Etappe der Tour Auvergne-Rhône-Alpes | Grafik: A.S.O.

5. Etappe, 11. Juni: Saint-Chamond – Parc des Oiseaux (195 km)

Die 5. Etappe scheint ebenfalls für die Sprinter gemacht. Die Strecke führt von Saint-Chamond, südlich von Lyon gelegen, im Uhrzeigersinn um die drittgrößte Stadt Frankreichs herum. Das Ziel ist der Parc des Oiseaux. Dieser Vogelpark war schon mehrfach Etappenstart- oder -zielort dieser Rundfahrt sowie der Tour de France.

Die zwei einzigen kategorisierten Anstiege (4. Kat.) liegen in den ersten zehn Kilometern. Bis zum Zwischensprint in Blacé nach etwa 100 Kilometern geht es über einige nicht kategorisierte Hügel und Wellen. Danach geht es flach und größtenteils geradlinig durch die Gewässer rund um den Park zum Ziel. Die letzte Kurve führt nach rechts auf die drei Kilometer lange Zielgerade.

Profil der 5. Etappe der Tour Auvergne-Rhône-Alpes | Grafik: A.S.O.

6. Etappe, 12. Juni: Saint-Vulbas – Crest-Voland (182 km)

Am sechsten Tag steht die erste Bergankunft der Rundfahrt an. Der Anfang der Etappe ist flach, die Strecke steigt nach dem Zwischensprint in Les Échells langsam an. Südlich von Grenoble liegen dann die ersten zwei Bergwertungen des Tages. Der Col du Granier (2. Kat.) war im vergangenen Jahr der entscheidende Anstieg der 6. Etappe der Tour de France Femmes. Auf der steilen Abfahrt ist Vorsicht geboten.

Auf den nächsten fast 60 Kilometern geht es flach tiefer in die Alpen. Hinter dem aus der Tour de France und den Olympischen Winterspielen 1992 bekannten Albertville folgen nach Ugine zwei Anstiege der 1. Kategorie direkt hintereinander. Der Côte d’Héry-sur-Ugine ist zwar elf Kilometer lang, aber mit 5,1 Prozent nicht besonders steil. Die kurze technische Abfahrt führt direkt zum Schlussanstieg nach Crest-Voland, am Fuß des bekannten Col de Saisies. Dort beträgt die Steigung auf sechs Kilometern fast acht Prozent, im Mittelteil ist es noch steiler.

Die 6. Etappe ähnelt der vom Vorjahr. Damals ging es über kurze, teils steile Anstiege bis nach Combloux. Auch in diesem Jahr führt die Strecke an diesem Tag noch nicht hoch hinaus. Trotzdem sind bei der ersten Bergankunft Abstände unter den Klassementfahrern zu erwarten. Auch taktisch bieten die unterbrochenen Anstiege und flachen Abschnitte verschiedene Möglichkeiten.

Profil der 6. Etappe der Tour Auvergne-Rhône-Alpes | Grafik: A.S.O.

7. Etappe, 13. Juni: La Bridoire – Grand Colombier (133 km)

Spätestens auf dem siebten Tagesabschnitt kann sich niemand mehr verstecken. Im Gegensatz zur alpinen Hochgebirgsetappe vom Vorjahr geht es 2026 durch den Jura, jedoch nicht weniger schwer. Mehr als 3800 Höhenmeter sind am Samstag zu bewältigen. Gleich zu Beginn folgen drei Bergwertungen direkt hintereinander. Sie sind aber noch nicht sonderlich schwer. Nach einem Flachstück erwartet die Fahrer dann erstmals der mythische Grand Colombier.

Von Culoz aus führt die Strecke zu den Lacets du Grand Colombier. Die Serpentinen sind aus der Tour de France bestens bekannt und wurden zuletzt 2023 befahren. Danach geht es noch nicht auf die Passhöhe, sondern über eine rasante Abfahrt hinunter nach Anglefort. Über den Col de Richmond (1. Kat.) führt die Strecke auf die Rückseite des Grand Colombier. Nach einer Abfahrt startet in Virieu-le-Petit der Schlussanstieg.

Diesmal geht es bis ganz nach oben, und das auf dem mit Abstand steilsten Weg. Auf 8,4 Kilometern liegt die Steigung bei mehr als zehn Prozent. Die erste Hälfte ist konstant über zwölf Prozent steil. Die kurze Distanz von 133,6 Kilometern verspricht eine explosive Etappe. Der Tagessieg sollte unter den Klassementfahrern ausgemacht werden. Am brutalen Schlussanstieg sind auch große Abstände möglich.

Profil der 7. Etappe der Tour Auvergne-Rhône-Alpes | Grafik: A.S.O.

8. Etappe, 14. Juni: Beaufort – Plateau de Solaison-Brison (120 km)

Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren steht die Königsetappe am letzten Tag an. Vom Start in Beaufort geht es praktisch die ganze Zeit bergauf oder bergab. Der Col du Pré (1. Kat.) direkt nach dem Start ist mit über zehn Prozent bereits sehr steil. Die Bergwertung ist von der letzten Bergetappe der Tour de France 2025 bekannt. Die Strecke führt am Lac de Roselend entlang auf der Abfahrt des Cormet de Roseland zurück nach Beaufort. Direkt danach folgt der Anstieg zum Montée de Bisanne (HC-Kat.).

Nach einer welligen Abfahrt steht in Les Glières der Zwischensprint auf dem Programm. Über den bekannten Col des Aravis (1. Kat.) erreichen die Fahrer nach einer langen Abfahrt nach Thuet bei Bonneville. Dort beginnt der Schlussanstieg zum Plateau de Solaison (HC), das in diesem Jahr auf der 15. Etappe der Tour de France seine Premiere bei der Frankreich-Rundfahrt feiert. Auf mehr als elf Kilometern beträgt die Steigung durchschnittlich 9,1 Prozent. Jonas Vingegaard gewann dort beim Doppelsieg des damaligen Visma-Teams vor dem Gesamtsieger Primoz Roglic.

Die Königsetappe ist nur 120 Kilometer lang, weist aber 3860 Höhenmeter auf. Dadurch können Abstände von den vorherigen Tagesabschnitten noch einmal ausgebessert werden. Gleichzeitig sind auch die Anstiege wie am Vortag sehr steil. Frühe Attacken vom Start an sind möglich. Der Tag und der Gesamtsieger der Rundfahrt geben bereits einige Hinweise auf die Tour de France einen Monat später.

Profil der 8. Etappe der Tour Auvergne-Rhône-Alpes | Grafik: A.S.O.

Die Etappen der 78. Tour Auvergne-Rhône-Alpes 2026:

1. Etappe, 7. Juni: Vizille – Saint-Ismier (146 km)
2. Etappe, 8. Juni: Saint-Martin-le-Vinoux – LePuy-en-Velay (234 km)
3. Etappe, 9. Juni: Perreux – Perreux (28,4 km / MZF)
4. Etappe, 10. Juni: Saint-Chamond – Parc des Oiseaux (195 km)
5. Etappe, 11. Juni: Saint-Priest – Macon (183 km)
6. Etappe, 12. Juni: Saint-Vulbas – Crest-Voland (182 km)
7. Etappe, 13. Juni: La Bridoire – Grand Colombier (133 km)
8. Etappe, 14. Juni: Beaufort – Plateau de Solaison-Brison (120 km)

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