Wer jubelt auf der Via Roma?

So tippt die RSN-Redaktion: Mailand-Sanremo & Sanremo Women

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Heißt es am Samstag bei Mailand-Sanremo wieder Tadej Pogacar (vorn) vs. Mathieu van der Poel? | Foto: Cor Vos

20.03.2026  |  (rsn) – Wer sind die Favoritinnen und Favoriten für das nächste große Rennen? Auf wen sollte man sonst noch achten? In der Redaktion bei radsport-news.com gehen die Meinungen vor den Saison-Highlights oft auseinander – auch wenn die Top-Favoriten manchmal auf der Hand liegen, weicht der eine oder andere mitunter gerne vom Offensichtlichen ab und wagt Außenseitertipps.

In der Saison 2026 werden wir uns vor den Highlights virtuell aus dem Fenster lehnen und unsere Prognosen wagen, um uns dann am Ende auslachen zu lassen, wenn es wieder ganz anders gekommen ist.

Hier sind unsere Tipps zu Mailand-Sanremo und Sanremo Women:

Felix Mattis:
Es klappt auch diesmal nicht für Tadej Pogacar: Der Slowene wird mit seinem Team schon vor der Cipressa Vollgas geben und den ersten der beiden Anstiege im Finale noch schneller hochfahren als 2025, trotzdem aber Mathieu van der Poel erneut nicht abschütteln können - weder dort, noch am Poggio. Anschließend wird sich mehr belauert als 2025, es kommen nach dem Poggio weitere Fahrer wieder heran und im Sprint gewinnt dann Tobias Lund Andresen.

Bei den Frauen wiederholt sich das Bild von 2025: Die Kletter-Asse werden an der Cipressa Gas geben, danach aber keine Einigkeit finden, es am Poggio erneut probieren und Lorena Wiebes dort aber einfach nicht mehr loswerden können. So triumphiert die Niederländerin im Sprint einer kleinen Gruppe auch diesmal.

Kevin Kempf:
Favorit ist der Titelverteidiger, aber das extrem berglastige Aufgebot von UAE lässt vermuten, dass sie schon ganz früh im Rennen versuchen werden, Mathieu van der Poel weh zu tun. Der sollte sich in der derzeitigen Form aber davon nicht beeindrucken lassen. Schwerer ist für ihn die Cipressa, wo eine Duo-Attacke von Isaac Del Toro und Pogacar erfolgen könnte. Auch die kann der Alpecin-Kapitän aber wahrscheinlich mitgehen, am Poggio muss er dann niemanden fürchten. UAE wird dafür sorgen, dass die Sprinter nach dem letzten Hügel schon zu weit zurückliegen - Mathieu van der Poel gewinnt wieder.

Mit ihrem Sieg bei Nokere Koerse hat Lotte Kopecky bewiesen, dass sie wieder in Fahrt ist. Sie ist für ihre Teamkollegin Lorena Wiebes der taktisch entscheidende Faktor. Die Belgierin kann Attacken mitgehen und neutralisieren und der Niederländerin auf der Via Roma wie im Vorjahr den Sprint lancieren - den Wiebes dann erneut gewinnt.

Matthias Seng:
Auch wenn es kein origineller Tipp sein mag: Aber Tadej Pogacar wird auch nach dem Samstag auf seinen ersten Sieg in San Remo warten müssen – dagegen wird Mathieu van der Poel seinen insgesamt bereits dritten beim ersten Monument der Saison feiern können. Der Niederländer wird Pogacars mächtiger Attacke an der Cipressa souverän parieren, am Poggio alles unter Kontrolle haben und schließlich im Sprint einer kleinen Gruppe auf der Via Roma triumphieren.

Und auch im Frauenrennen geht der Sieg in die Niederlande. Keiner ihrer Gegnerinnen wird Lorena Wiebes an Cipressa und Poggio loswerden. Der Rest wird dann Formsache.

Wird auch die 2. Ausgabe von Sanremo Women in einem Massensprint auf der Via Roma enden? | Foto: Cor Vos

Christoph Matt:
Lassen Sie sich von uns nicht die Vorfreude nehmen. Obwohl es redaktionsintern einen klaren Favoriten gibt, werden uns an Cipressa und Poggio wie jedes Jahr die wahrscheinlich spannendsten 20 Rennkilometer des Jahres erwarten. In meinen Augen ist Mathieu van der Poel aber heuer noch stärker als im Vorjahr. Alle Versuche von UAE - Emirates - XRG, ihn abzuschütteln, werden ins Leere laufen. Am Ende gewinnt wieder der Niederländer.

Bei den Frauen ist die Ausgangssituation wie im Vorjahr etwas offener. Obwohl Lorena Wiebes und Lotte Kopecky wieder in guter Form sind, tippe ich, dass diesmal eine späte Attacke durchkommt. Marianne Vos wird in der Abfahrt vom Poggio dafür das richtige Gespür haben und die diesjährige Ausgabe gewinnen.

Sebastian Lindner:
Es wird keine Titelverteidigung bei Mailand-Sanremo 2026 geben. Ja, Mathieu van der Poel ist in bestechender Form. Tadej Pogacar ist es aber auch. Und es gibt dieser Tage kein Ziel, das der Slowene zwei Mal in Folge nicht erreicht. Er wird das nächste Monument auf seiner Liste abhaken können. Wie schnell kann man die Cipressa hochfahren? Pogacar wird es beweisen und neue Maßstäbe setzen. Auch van der Poel wird dort eine bombastische Zeit abliefern, aber doch nicht ganz mit dem 27-Jährigen mithalten können. Denn Pogacar und sein Team werden ebenfalls beweisen, dass auch die drei Capi vor der Cipressa rennentscheidend sein können, wenn sie nur schnell genug gefahren werden. Also: Nächster Solosieg für Pogacar.

Die Frauen nehmen sich mittlerweile das Männerrennen zum Vorbild. Und das bedeutet: Vollgas spätestens ab der Cipressa. Den Fehler, Sprinterinnen nicht rechtzeitig und weit genug zu distanzieren, werden die kletterstarken Frauen nicht nochmal machen. Vor allem Kasia Niewiadoma hat in dieser noch jungen Saison bereits genug von zweiten Plätzen. Sie haut am vorletzten Anstieg des Tages alles raus und sorgt dort für eine kleine Gruppe, die sie so weit anknockt, dass eine weitere Attacke am Poggio dann für die Vorentscheidung sorgt. Wie Pogacar wird sie auf der Zielgerade in San Remo reichlich Zeit zum Jubeln haben.

Jan Zesewitz:
Das UAE-Team wird frühzeitig und erst recht an der Cipressa jede Möglichkeit auf den Sprint aus einer größeren Gruppe unterbinden. Wer bleibt dann noch übrig? Tadej Pogacar, aber wohl nicht, wie er es gerne hätte, alleine. Mathieu van der Poel wird wie im vergangenen Jahr bis oben am Poggio dranbleiben und auf der Via Roma erneut gewinnen. Das ist keine spannende Vorhersage, aber diese beiden ragen einfach zu weit aus dem Feld heraus.

Bei den Männern muss UAE das Tempo an den Anstiegen hochhalten, um einen Sprint zu verhindern - bei den Frauen müssen alle anderen Teams das Tempo hochhalten, um einen Sprint mit Lorena Wiebes zu verhindern. Anders als im vergangenen Jahr wird das gelingen, eine kleine Gruppe ist an der Cipressa unter sich. Elisa Longo Borghini gewinnt dann mit Cleverness und Erfahrung als Solistin nach einer Attacke auf den letzten Kilometern.

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