--> -->
21.03.2026 | (rsn) – Lotte Kopecky (SD Worx – Protime) hat das 2. Sanremo Women (1.WWT) gewonnen und damit die Nachfolge ihrer Teamkollegin Lorena Wiebes angetreten. Die 30-jährige Belgierin entschied den italienischen Frühjahrsklassiker über 156 Kilometer von Genua nach Sanremo im Sprint einer fünfköpfigen Spitzengruppe, die sich am Poggio formiert hatte, vor der schweizerischen Vorjahresdritten Noemi Rüegg (EF Education – Oatly) für sich.
Dritte auf der Via Roma wurde diesmal die Italienerin Eleonora Gasparrini (UAE - Team ADQ) vor der Niederländerin Puck Pieterse (Fenix – Premier Tech), die mit ihrer Attacke am letzten Anstieg des Tages die Gruppe initiiert hatte. Rang fünf belegte die Polin Dominika Wlodarczyk (+:0:04), die Gasparrini den Sprint vorbereitet hatte. Mit neun Sekunden Vorsprung kam Vorjahressiegerin Wiebes als Sechste ins Ziel.
”Es ist fantastisch. Ich hatte das Team den ganzen Tag hinter mir. Nach meinem Sieg vom Mittwoch (Nokere Koerse) hatte ich richtig Selbstvertrauen. Und heute ist alles perfekt gelaufen. Unser Team hat die Verantwortung übernommen, als das nötig war. Die Mädels haben einen tollen Job gemacht, um uns vor den Anstiegen in die richtige Position zu fahren. Am Poggio war ich richtig froh, dass ich endlich mal wieder einer Attacke am Berg folgen konnte“, sagte eine strahlende Kopecky im Flash-Interview. “Mit der Fünfergruppe in der Abfahrt wusste ich, dass ich geduldig sein musste. Außerdem war Lorena noch hinter uns. Meinen Sprint habe ich im perfekten Moment lanciert. Ich bin superfroh, dass ich es vollenden konnte.“
Auch die entthronte Vorjahressiegerin konnte sich über den Rennausgang freuen. ”Für uns war es eine perfekte Situation, weil Lotte in der Fünfergruppe vor mir war. Zum Glück dauerte es lang, bis die Verfolgung bei uns in Gang kam“, sagte Wiebes gegenüber Eurosport mit ihrer belgischen Teamkollegin und fügte an: “Ich kann mit dem heutigen Tag zufrieden sein. Das gilt für das ganze Team. Wir können mit mehr Selbstvertrauen in die nächsten Rennen gehen.“
Noemi Rüegg (EF Education - Oatly / Eurosport): ”Zweite in einem Monument zu werden ist total verrückt. Es war ein großes Ziel. Nachdem ich hier letztes Jahr mein erstes Podium erreicht hatte, wollte ich wirklich zurückkommen und es nochmal machen. Jetzt noch einen Schritt näher dran am Sieg zu sein ist fantastisch.“ “Natürlich hätte man lieber den Sieg gehabt, wenn man so nah dran ist. Aber ich bin zufrieden und Lotte verdient den Sieg.“
Überschattet wurde das Finale von einem schweren Unfall: Mit-Favoritin Kasia Niewiadoma (Canyon – SRAM – zondacrypto) rutschte in der Cipressa-Abfahrt bei hohem Tempo an der Spitze des Feldes in einer Kurve weg und prallte hart gegen die Straßenbegrenzung. In die auf dem Boden liegende Polnische Meisterin fuhren mehrere weitere Fahrerinnen ungebremst hinein, darunter auch die Vorjahresfünfte Kim Le Court (AG Insurance – Soudal).
Ohne die kurzfristig fehlenden Marianne Vos (Visma – Lease a Bike) und Elisa Longo Borghini (UAE – Team ADQ) wurde am späten Vormittag die 2. Ausgabe von Sanremo Women gestartet. Damit fehlten gleich fünf Fahrerinnen aus den Top 12 des Vorjahres.
Erst nach knapp 40 Kilometern löste sich die erste Gruppe: Zunächst konnten sich Sofia Arici (Vini Fantini - BePink), Eleonore La Bella (Aromitalia - Vaiano) und Constance Valentin (Mayenne - Monbana My Pie) einen kleinen Vorsprung erarbeiten. Doch erst, als sich auch Bodine Vollering (Volker Wessels), Katia Ragusa (Human Powered Health), Heidi Franz (St Michel - Preference Home - Auber93), Eleonore Deotto (Mendelspeck - E-Work), Sara Luccon (Top Girls Fassa Bortolo) und Lara Crestanello (Isolmant - Premac – Vittoria) zu den Ausreißerinnen gesellt hatten, kehrte Ruhe ins Rennen ein.
Victorie Berteau (Cofidis) und Fariba Hashimi (Vini Fantini - BePink) versuchten noch eine Weile nachzusetzen, doch 90 Kilometer vor dem Ziel gaben sie ihre Mission auf. Zu dem Zeitpunkt betrug der Abstand der Kopfgruppe zum Feld bereits 3:30 Minuten. Maximal wurden es vier Minuten, ehe die Teams der Favoritinnen das Tempo in der Anfahrt zur Capo Mele erhöhten. SD Worx führte das Feld mit 1:55 Minuten Rückstand in diese erste topographische Schwierigkeit.
Das Streckenprofil des 2. Sanremo Women | Foto: Veranstalter
Der Abstand schrumpfte in dieser Phase sukzessive bis auf unter eine Minute. In der Capo Cerva probierte es Maya Kingma (Aromitalia – Vaiano) mit einem Solo, doch sie wurde schon vor der Capo Berta wieder gestellt. Dort hatten die Ausreißerinnen zunächst noch 40 Sekunden Vorsprung, doch außer Vollering, Arici und Franz wurden allesamt bereits aufgefahren, obwohl das Tempo im Feld keineswegs horrend hoch war.
4000 Meter vor der Cipressa wurde auch das verbliebene Trio gestellt. EF Education – Oatly und weiterhin SD Worx – Protime bestimmten das Tempo. Doch dann fielen Henrietta Christie und Solbjork Minke Anderson zurück. Immerhin hatte Rüegg noch Cedrine Kerbaol und Alice Towers als Helferinnen bei sich, als es in die Cipressa hinein ging. Dort übernahm Lidl – Trek durch Ricarda Bauernfeind die Spitze der immer kleiner werdenden Hauptgruppe.
Femke de Vries (Visma – Lease a Bike) attackierte als Erste, sie konnte aber keine Lücke aufmachen. Auch Teamkollegin Lieke Nooijen schaffte es mit ihrem Vorstoß nicht, eine Selektion herbeizuführen. Erst als Niewiadoma angriff, bildete sich eine 25-köpfige Gruppe inklusive Kopecky und Rüegg. Am Ende des steilen Parts schauten sich die Fahrerinnen dann kurz an – und diesen Moment nutze Nooijen zu einem weiteren Vorstoß. Mit 17 Sekunden Vorsprung ging die Niederländerin in die Abfahrt.
Dort rutschte Niewiadoma bei hohem Tempo weg und knallte in die Leitplanke, weitere Fahrerinnen wie Le Court fuhren in sie hinein. Debora Silvestri (Laboral - Fundacion - Euskadi) flog über die Leitplanke und landete hart auf dem Asphalt einer abzweigenden Straße. Nach dem Rennen konnte ihr Sportlicher Leiter aber Entwarnung geben.
In der Anfahrt zum Poggio bildete sich dann wieder ein rund 40-köpfiges Feld. Den letzten Anstieg des Tages erreichte Nooijen mit nur noch sieben Sekunden Vorsprung, sodass sie nach den ersten Kehren eingeholt wurde. Kurz zuvor war Nikola Noskova (Cofidis) ausgerissen, doch Lidl – Trek führte humorlos nach. Kurz vor der Kuppe beschleunigte Pieterse – daraufhin bildete sich die Gruppe mit Kopecky, Rüegg, Gasparrini und Wlodarczyk, die mit fünf Sekunden auf die Verfolger um Wiebes in die Abfahrt ging.
Kopecky arbeitete zwar nur sporadisch mit, dennoch hielten die späten Ausreißerinnen die Verfolgerinnen auf Distanz. Wlodarczyk stellte sich in Gasparrinis Dienst und brachte das Quintett auf die Zielgerade. Kopecky eröffnete das Finale und spurtete letztlich ungefährdet zu ihrem ersten Sieg auf der Via Roma. Rüegg erkämpfte sich diesmal Platz zwei vor Gasparrini, Pieterse und Wlodarczyk. Aus dem Feld heraus srintete Wiebes auf Rang sechs.
Results powered by FirstCycling.com