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21.03.2026 | (rsn) - Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) hat mit Mailand – Sanremo (1.UWT) auch das vierte der fünf Radsport-Monument gewonnen. Selbst ein heftiger Sturz in der Anfahrt zur Cipressa konnte den Weltmeister aus Slowenien nicht von seinem ersten Triumph auf der Via Roma abhalten, wo er den Briten Tom Pidcock (Pinarello – Q36.5) im Zweiersprint knapp auf Platz zwei verwies.
Dritter wurde nach 298 Kilometern von Pavia nach Sanremo der Belgier Wout van Aert (Visma – Lease a Bike / 0:04), der wie Pogacar und Vorjahressieger Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) in denselben Sturz wie Pogacar verwickelt gewesen war.
Van Aert hatte sich 2000 Meter vor dem Ziel allein aus der Verfolgergruppe gelöst, kurz nachdem van der Poel von dieser Formation eingeholt worden war. Der Niederländer musste sich in der Endabrechnung mit Platz acht begnügen, obwohl außer dem nicht gestürzten Pidcock nur er Pogacars Angriffen an der Cipressa gewachsen war. Der Slowene hatte die Hauptgruppe erst im Anstieg zum vorletzten Berg des Tages wieder eingeholt, van der Poel war etwas früher dorthin zurückgekommen, während van Aert mit etwas Rückstand in die Cipressa ging.
Der Däne Mads Pedersen (Lidl – Trek / 0:04) sprintete aus der Verfolgergruppe als Vierter ins Ziel und verwies Corbin Strong (NSN) aus Neuseeland auf Platz fünf. Mit Andrea Vendrame (Jayco – AlUla) kam der beste Italiener auf Rang sechs rein. Der Belgier Jaspers Stuyven (Soudal – Quick Step) wurde Siebter, die Plätze neun und zehn sicherten sich die Italiener Matteo Trentin (Tudor) und Edoardo Zambini (Bahrain Victorious).
Pogacar hatte seine Felle schon davonschwimmen sehen. “Ein Sturz in Imperia, kurz vor der entscheidenden Stelle des Rennens, ist nicht ideal, aber ich war schnell wieder auf dem Rad, und es war weder bei mir noch beim Rad viel kaputt“, rekapitulierte der Sieger den Schreckmoment. Er lobte sein Team, ohne das er keine Chance mehr gehabt hätte. Pogacar räumte ein, dass er gern schon am Poggio allein gefahren wäre, doch Pidcock sei extrem stark gewesen. “Tom ist wirklich schnell und in Topform. Ich hatte ein wenig Angst, als ich den Sprint von vorne anfahren musste.“
Der so gelobte Brite machte im Ziel aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. “Ehrlich gesagt brauche ich Zeit, um das zu verarbeiten, weil ich im Moment ziemlich enttäuscht bin. Es tut weh, so knapp dran zu sein. Wenn Tadej alleine gewesen wäre und ich alleine, wäre ich sehr glücklich. Mir wurde gesagt, es waren vier Zentimeter und das tut ziemlich weh, so nah dran zu sein“, sagte der 26-Jährige zu Eurosport und fügte an: “Ich habe gegen Tadej verloren, er ist der beste Radfahrer überhaupt, also kann ich eigentlich nicht enttäuscht sein, aber ich kann nichts dagegen machen.“
Etwas positiver fiel das Fazit des Drittplatzierten aus. “Es fühlt sich nie wie ein Sieg an, wenn man Dritter wird. Es war sehr unglücklich, zuerst der Sturz und dann hat es auch ziemlich lange gedauert, bis ich ein neues Rad hatte“, erklärte van Aert gegenüber Eurosport. “Und wie die Jungs reagiert haben und bei mir geblieben sind, um mich wieder nach vorne zu bringen. Das Einzige, was ich tun konnte, war, zumindest noch das bestmögliche Ergebnis herauszufahren Natürlich ist es dann schöner, am Ende zumindest auf dem Podium zu stehen als nicht.“
Als bester Deutscher erreichte Georg Zimmermann (Lotto – Intermarché, +0:04) das Ziel auf Rang 25. Der amtierende Landesmeister war ebenfalls durch den Sturz 32 Kilometer vor dem Ende aufgehalten worden und mit der Gruppe um Van Aert spät zurück zur ersten Verfolgergruppe gekommen. Direkt hinter Zimmermann rollte Maximilian Schachmann (Soudal – Quick Step) über die Linie.
Der Schweizer Mauro Schmid (Jayco – AlUla) wurde zeitgleich 31. Sein Landsmann Silvan Dillier (Alpecin – Premier Tech) hatte wie im Vorjahr lange Zeit im Feld die Tempoarbeit verrichtet. Auch Felix Großschartner (UAE – Emirates – XRG) drückte dem Rennen als Pogacar-Helfer zeitweise den Stempel auf. Bestplatzierter Österreicher war jedoch sein Landsmann Marco Haller (Tudor / 5:01) auf Position 116.
Schon kurz nach dem Start des ersten Monuments der Saison kam es zu chaotischen Szenen. Der Wagen der Jury und die Begleitmotorräder bogen mit den ersten Fahrern im Schlepptau in einem Kreisverkehr falsch ab - gerade in dem Moment, als sich eine Ausreißergruppe absetzen wollte.
Kurz darauf lösten sich Martin Marcellusi, Manuele Tarozzi (beide Bardiani CSF - 7 Saber), Lorenzo Milesi, Manlio Moro (beide Movistar), Andrea Peron, David Lozano (beide Novo Nordisk), Alexy Faure-Prost (Picnic - PostNL), Dario Igor Belletta und Mirco Maestri (beide Polti - Visit Malta) aus dem Feld. Diese neun Fahrer prägten die lange Anlaufphase zu den drei Capi.
Orluis Aular (Movistar) und Jan Christen (UAE – Emirates – XRG) kamen nach gut einer Rennstunde hart zu Fall und konnten das Rennen beide nicht fortsetzen. Derweil machte – wie schon im Jahr davor – Silvan Dillier (Alpecin – Premier Tech) das Tempo im Feld. Die neun Ausreißer kamen zunächst nicht weiter weg als vier Minuten. Den Passo Turchino überquerten sie sogar nur drei Minuten vor dem Feld.
Das Streckenprofil des 117. Mailand-Sanremo | Foto: Veranstalter
In dem langen Flachstück danach wuchs der Abstand dann aber doch auf mehr als sechs Minuten an, während Dillier die Anstrengung schon deutlich anzusehen war. Doch die Teams der anderen Favoriten, allen voran jenes von Pogacar, machten keine Anstalten, den Schweizer abzulösen. Erst gut 80 Kilometer vor dem Ziel, als 6:50 Minuten erreicht waren, hatte UAE ein Einsehen und stellte Domen Novak für die Tempoarbeit ab.
Der Vorsprung wurde daraufhin recht schnell kleiner, während Lozano 77 Kilometer vor Schluss nicht mehr mit seinen Begleitern mithalten konnte und sein Teamkollege Peron kurze Zeit später ebenfalls zurückfiel. 63 Kilometer vorm Ziel kam es zu einem Sturz bei dem der ehemalige Sanremo-Sieger Michal Kwiatkowski, Ben Turner und Joshua Tarling (alle Ineos Grenadiers) sowie Marcel Campburi (Pinarello – Q36.5) zu Boden gingen. Turner und Tarling schafften es allerdings zurück zum Hauptfeld, um dort ihren Kapitän Filippo Ganna zu unterstützen.
Die Capo Mele erreichte das Spitzen-Septett noch mit gut vier Minuten Vorsprung, während im Peloton Felix Großschartner und Florian Vermeersch von Novak übernahmen. Nach dem Sturz hatten sich die Favoriten allesamt weit vorn eingereiht. Die vorne verbliebenen Ausreißer Milesi, Faure-Prost, Belletta und Maestri überquerten die Coppa Berta noch mit einer Minuten Vorsprung.
32 Kilometer vor dem Ziel stürzten unter anderem Pogacar, van der Poel, van Aert (Visma – Lease a Bike) und Biniam Girmay (NSN) in einer Linkskurve ohne erkennbaren Grund. Der Weltmeister war als erster zu Fall gekommen und riss etliche weitere Fahrer mit. Während Pogacar schnell wieder im Sattel saß, musste van Aert länger auf ein Ersatzrad warten. Auch van der Poel war zu Fall gekommen, durch die Unterstützung von Jasper Philipsen kam dessen Gruppe aber als erstes wieder zurück.
Als die Ausreißer 27 Kilometer vor dem Ende gestellt wurden, als es gerade in die Cipressa hinein ging, kam auch die Gruppe Pogacar ans Ende des Pulks. Dort sorgte Ineos Grenadiers für Tempo. Der Slowene arbeitete sich schnell nach vorn, und war schon 4,5 Kilometer vor der Kuppe wieder zurück an der Spitze, wo er das Hinterrad von Brandon McNulty einnahm. Del Toro lancierte zwei Kilometer später eine harte Pogacar-Attacke, der nur Pidcock und van der Poel folgen konnten. Da waren noch 2500 Meter zu klettern.
Auch ein weiterer Vorstoß des Slowenen im flacheren Abschnitt der Cipressa verpuffte, weil Pidcock und van der Poel mitgehen konnte. Mit 25 Sekunden Vorsprung ging das Trio in die Abfahrt, wo der Weltmeister die Führungsarbeit machte und den Abstand sukzessive ausbaute. Mit 35 Sekunden Abstand zu den Verfolgern erreichte das Trio das Flachstück zum Poggio. 15 Kilometer vor dem Ziel kam eine Gruppe mit van Aert zurück zu den Verfolgern.
Vor allem Lidl – Trek machte Tempo und konnte die Lücke noch einmal auf 20 Sekunden reduzieren. Mit zehn Sekunden Vorsprung erreichte das Trio den Poggio, wo Pidcock die Führungsarbeit verweigerte. Als Pogacar schon in den unteren Kehren angriff, fiel van der Poel trotz großem Kampf schnell zurück. Pidcock dagegen blieb beim Slowenen. Mit 15 Sekunden auf den Vorjahressieger und 20 Sekunden zur Verfolgergruppe erreichte das Duo die Kuppe.
Auch auf dem Weg bergab versuchte Pogacar, seinen letzten Begleiter unter Druck zu setzen. Doch der blieb aufmerksam. Van der Poel wurde am Ende der Abfahrt eingeholt, wo van Aert angriff. Erst auf dem letzten Kilometer begannen die beiden Spitzenreiter mit dem Pokern, doch die Verfolger waren zu weit weg. Pogacar sprintete etwa 150 Meter vor dem Ziel los, Pidcock kam noch gefährlich auf, musste sich aber letztlich um ein halbes Laufrad geschlagen geben. Van Aert rollte vier Sekunden später als Dritter über den Strich. Pedersen spurtete bei seinem ersten Rennen nach langer Verletzungspause aus der ersten Gruppe heraus zeitgleich als Vierter ins Ziel.