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Sanremo? Abgehakt! Pogacar: “Kehre nur zum Focacciaessen zurück“

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Sanremo? Abgehakt! Pogacar: “Kehre nur zum Focacciaessen zurück“"
Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) auf dem Podium | Foto: Cor Vos

22.03.2026  |  (rsn) – Endlich hat es geklappt: Nach einem zwölften, einem fünften, einem vierten und zwei dritten Plätzen ist Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) in Sanremo der große Coup gelungen. Der Slowene fügte auch jenes Monument seinem Palmarès hinzu, das von ihm immer als "am schwersten zu gewinnen" beschrieben wurde.

Von seinen Teamkollegen wurde er einmal mehr als der Größte aller Zeiten gefeiert, doch auch bei der Konkurrenz sorgte der Triumph des 27-Jährigen stellenweise für Freude – oder zumindest ein Aufatmen: Man könnte Pogacar für die künftigen Austragungen der Primavera losgeworden sein, da er sich den seit Jahren angestrebten Sieg nun geholt hat. ___STEADY_PAYWALL___

"Wenn ich nach Sanremo zurückkehre, dann nur um Focaccia zu essen", bestätigte der im nahe gelegenen Monaco wohnende Pogacar diese Einschätzung dann auch auf der Pressekonferenz, nachdem er zuvor zu Eurosport bereits gesagt hatte: "Ja, ich hoffe, ich habe heute einige Leute glücklich gemacht."

Tadej Pogacar attackiert an der Cipressa | Foto: Cor Vos

Der Zweitplatzierte Tom Pidcock (Pinarello – Q36.5) sah das zwiegespalten: "Er hat mir gerade gesagt, dass er nicht mehr hierher zurückkommen wird", so der Brite im Ziel. Dass dadurch 2027 der Weg zum Sieg für ihn frei ist, bezweifelte er. Denn ohne Pogacar wird sich der Charakter von Mailand-Sanremo sicher wieder verändern, eine erfolgreiche Attacke an der Cipressa – wie nun 2025 und 2026 gesehen – dürfte wieder unwahrscheinlicher werden.

Ohne Pogacar wieder ein anderes Rennen?

"Hinter welchem Motorrad soll ich dann fahren?", fragte daher Pidcock. Oder wird in den kommenden zwölf Monaten das nächste Wunderkind zum Außerirdischen, der die Cipressa in unter neun Minuten hochfährt und anschließend auch auf dem Flachstück zum Poggio besteht – Remco Evenepoel? Isaac del Toro? Paul Seixas? Wer weiß.

Fürs Erste jedenfalls dürften sich die Sprinter freuen, wenn Pogacar die Classicissima nun tatsächlich für sich abgehakt hat. Gerade bei einer Ausgabe mit viel Gegenwind-Anteilen, wie in diesem Jahr, sind die schnellen Männer schließlich normalerweise favorisiert. Das knapp 40-köpfige Verfolgerfeld, das wenige Sekunden hinter Pogacar und Pidcock ins Ziel spurtete, bewies das.

Die Folgen seines Sturzes waren deutlich sichtbar. | Foto: Cor Vos

Noch glücklicher als im Lager der "schnellen Männer" war man am Samstagnachmittag aber natürlich bei UAE. "Es ist Wahnsinn und schwer, die Emotionen in Worte zu fassen", strahlte Team-Manager Mauro Gianetti am Eurosport-Mikrofon, lobte sein ganzes Team für die großartige Arbeit und ergänzte: "Wir warten jedes Jahr wieder 365 Tage auf diesen Moment und jetzt hat es endlich geklappt! Sanremo ist ein so ein geschichtsträchtiges Rennen, Tadej hat es sich sehr verdient, dies nun in seinem Palmarès zu haben."

McNulty: "Für mich ist er der größte Fahrer aller Zeiten"

Dem pflichteten auch Pogacars Helfer bei: "Für mich ist er der größte Fahrer aller Zeiten", sagte Brandon McNulty und meinte, es sei "eine Ehre für ihn zu fahren" und "schön, ihm etwas zurückzugeben", nachdem Pogacar ihm 2025 den Sieg beim Grand Prix Montréal (1.UWT) überlassen hatte. Felix Großschartner, der nach dem Sturz in Emporia gemeinsam mit Florian Vermeersch dafür sorgte, dass der Weltmeister ins Feld zurückkam, bevor ihn dann McNulty an der Cipressa an allen vorbei an die Spitze zog und so die geplante Attacke doch noch ermöglichte, erzählte von seinem Erleben des Finales:

"Ich habe immer über das Radio gehört: '20 Sekunden hinter der ersten Gruppe' - und irgendwann hieß es dann 'Glückwunsch, Tadej' - da habe ich quasi angefangen zu weinen. Ich bin mit Florian (Vermeersch) superemotional geworden und wir haben die letzten fünf Kilometer ins Ziel dann zusammen sehr genossen."

Für das ganze UAE-Team ist mit dem Triumph auf der Via Roma ein jahrelanges Projekt endlich abgeschlossen worden. Das war an den Reaktionen deutlich zu spüren und auch Pogacar selbst hat man selten so glücklich und erleichtert nach einem Sieg erlebt. "Es ist unglaublich, wirklich. Es ist ein Rennen, von dem ich nie gedacht hätte, dass ich es in meiner Karriere gewinnen würde. Ich hätte es mir nicht übel genommen, wenn ich es nie gewonnen hätte, aber jetzt sind wir hier", lachte er.

Elfter Sieg bei einem Monument, nur Roubaix fehlt noch

Trotzdem aber wird sich der Slowene in den kommenden Tagen keiner ausgedehnten Feierei hingeben, das ist klar. Denn nach dem Spiel ist vor dem Spiel und nach Sanremo ist vor Flandern sowie vor allem vor Roubaix. Mit dem Sanremo-Sieg hat Pogacar seine Sammlung an Monumenten fast komplett – einzig die Königin der Klassiker, Paris-Roubaix, fehlt ihm noch, um in den illustren Kreis um Eddy Merckx, Roger De Vlaeminck und Rik Van Looy aufzusteigen.

Nur Tom Pidcock wurde der Weltmeister am Poggio nicht los. | Foto: Cor Vos

Insgesamt hat der Slowene nun elf Siege bei den fünf größten Eintagesrennen im Radsport gefeiert, genau wie De Vlaeminck und drei mehr als Van Looy. Rekordhalter Eddy Merckx kam auf 19 – nicht unmöglich, dass Pogacar auch diesen Wert noch erreicht, wenn er seinen Vertrag bis 2030 bei UAE tatsächlich erfüllt oder zumindest bis Olympia 2028 in Los Angeles noch fährt, um sich auch dort das noch fehlende Gold zu sichern.

Nach Sanremo rücken sofort Oudenaarde und Roubaix in den Fokus

Schon im Dezember beim Medientag in Benidorm hatte Pogacar erklärt, dass sich in dieser Saison viel darum drehe, die beiden noch fehlenden Monumente zu gewinnen. Das sei ihm auch wichtiger als ein fünfter oder sechster Tour-de-France-Triumph, sagte er da.

"Dieses Jahr habe ich wirklich viel Arbeit in Mailand–Sanremo und Roubaix gesteckt, sowie in alle Klassiker, die ich fahre. Ich kann einfach das machen, was ich will und was mir liegt, und das Team unterstützt mich zu 100 Prozent. Vielleicht gehe ich dieses Jahr ein bisschen ans Limit, aber ich bin superglücklich, dass das erste große Ziel erledigt ist. Jetzt geht es weiter mit Flandern und Roubaix", legte Pogacar den Schalter in Sanremo nun auch bereits auf den Blick nach vorne um.

Sollte er am 12. April auch im berühmten Velodrom in Nordfrankreich jubeln, so würden neben Olympia-Gold vor allem noch der Sieg bei der Tour de Suisse – die er im Juni erstmals fährt - und der Vuelta a Espana fehlen.

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