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28.03.2026 | (rsn) – Es bleibt eng bei der 105. Katalonien-Rundfahrt – zumindest hinter Dominator Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike). Der Däne war auch auf der 5. Etappe bei der zweiten Bergankunft in Queralt nach 158 Kilometern nicht zu bezwingen. 2,3 Kilometer vor dem Ende fuhr er der Konkurrenz spielend leicht davon.
Hinter Vingegaard belegten Lenny Martinez (Bahrain Victorious) und Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) die Plätze zwei und drei mit je zehn Sekunden Rückstand auf den mit am Ende mit halber Kraft fahrenden Tagessieger, der damit kurz vor dem Gewinn seiner zweiten Rundfahrt des Jahres steht.
In der Gesamtwertung hat Vingegaard nun 1:22 Minuten Vorsprung auf seinen ärgsten Verfolger, der aber nicht mehr Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) heißt. Der Österreicher verlor in der letzten Abfahrt des Tages den Anschluss an die Favoritengruppe und kam schließlich mit mehr als zwei Minuten Rückstand ins Ziel. Neuer Zweiter ist Martinez, der acht Sekunden Vorsprung auf den drittplatzierten Lipowitz hat.
Es war Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe), der diese Konstellation heraufbeschworen hatte, als er die letzte Abfahrt mit vollem Risiko anging und sich im anschließenden Flachstück sowie im Schlussanstieg vor Lipowitz in den Wind setzte. Damit fehlten ihm die Körner, um im Finale mithalten zu können. Doch auch er verbesserte sich im Klassement und zog an Gall vorbei, der nur noch Sechster ist.
“Remco hat einen fantastischen Job gemacht. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Wir sind die Abfahrt enorm schnell runtergefahren und haben gesehen, dass wir auf Skjelmose und Gall eine ziemlich große Lücke hatten. Dann ist Remco von vorn gefahren und hat mir einen Riesendienst erwiesen“, sagte Lipowitz nach dem Rennen am Eurosport-Mikrofon.
Für Vingegaard hingegen sah alles nach Tagesgeschäft aus. Dass er ab der letzten Abfahrt keinen Teamkollegen mehr bei sich hatte, machte keinen Unterschied. ”Wir wollten heute wieder die Etappe gewinnen“, sagte der Däne im Siegerinterview. “In der letzten Abfahrt hat Red Bull den Druck erhöht. Zum Glück war ich vorn dabei. Im letzten Anstieg war es ein Kampf zwischen sechs Fahrern. Ich hatte noch gute Beine und konnte attackieren. Das habe ich gemacht und ich konnte die anderen Jungs alle von meinem Hinterrad abschütteln. Es war ein guter Tag und ich bin glücklich über den Sieg.“ Es ist sein Fünfter im laufenden Kalenderjahr.
Während der 29-Jährige nun auch Dorian Godon (Ineos Grenadiers) in der Punktewertung auf die Pelle rückt, der Franzose aber noch zwei Zähler Vorsprung besitzt, gab es im Kampf ums Bergtrikot die erwartete Ablösung. Giulio Ciccone (Lidl – Trek) ging wieder in die Gruppe des Tages und sammelte genügend Punkte ein, um das Trikot zu übernehmen. Im Finale leistete er zudem noch seinem Kapitän Mattias Skjelmose Hilfestellung.
Der Däne bildete mit Gall ein Gespann hinter Vingegaard & Co. Doch auch mit der Hilfe des Italieners war der Rückstand nicht zu begrenzen. Weil aber Ben O’Connor (Jayco – AlUla) keine Rolle spielen konnte, schob Skjelmose sich am Australier vorbei auf Rang sieben der Gesamtwertung.
In Abwesenheit des am Vortag schwer gestürzten Tom Pidcock (Pinarello - Q36.5) begann das sechste Teilstück der Rundfahrt mit einem Crash. In der neutralisierten, abschüssigen Phase, stürzten zwei Movistar-Profis, worauf das Rennen kurz gestoppt wurde. Einer der beiden war der Deutsche Michel Hessmann, der zwar nochmal aufs Rad stieg, dann aber doch aufgeben musste.
Danach nahm das Rennen aber zügig Fahrt auf. An der ersten kleinen Welle teilte sich das Feld aufgrund des sehr hohen Anfangstempos im Kampf um die Ausreißergruppe. Bis zu 30 Sekunden sollen zwischenzeitlich zwischen den beiden großen Gruppen gelegen haben, wobei Vingegaard zunächst nur im zweiten Teil unterwegs war.
Nachdem sich eine 15-köpfige Gruppe gelöst hatte, beruhigte sich das Geschehen, hinten lief wieder alles zusammen. Ciccone, Marc Soler (UAE – Emirates – XRG), Richard Carapaz (EF Education – EasyPost), Nairo Quintana (Movistar) und Andreas Leknessund (Uno-X Mobility) zählten zu den Ausreißern, Red Bull hatte Mattia Cattaneo mitgeschickt, Visma Bart Lemmen.
Das Streckenprofil der 6. Etappe der Katalonien-Rundfahrt | Foto: Veranstalter
Bis zur ersten Bergwertung (3. Kat.) nach gut 60 Kilometern hatte sich die Gruppe knapp zwei Minuten Vorsprung herausgefahren. Ciccone sicherte sich die Maximalpunktzahl, dann ging es in eine lange Abfahrt. Im Anstieg zum Coll de Pradell (HC) bauten die Ausreißer ihren Vorsprung leicht aus. Zudem attackierten vorne Soler und Byron Munton (Modern Adventure).
Noch vor dem Gipfel explodierte die Gruppe dann komplett, als Ciccone zur Tempoverschärfung ansetzte. Bis zum Gipfel schaffte es der Italiener mit Carapaz und Embret Svestad-Bardseng (Ineos Grenadiers) noch nach vorne zu Soler. Munton war derweil zurückgefallen, doch im Sprint um die Punkte musste der Italiener sich dem Spanier geschlagen geben.
Nach der Abfahrt vom Pradell hatte das Spitzenquartett anderthalb Minuten Vorsprung auf das Feld, es ging mit 32 noch zu fahrenden Kilometern direkt wieder in den nächsten und vorletzten Anstieg des Tages (1. Kat.). Und dort blies Ciccone zur Attacke, während hinten Red Bull das Kommando übernahm und in Person von Lipowitz anderthalb Kilometer vor dem Gipfel auch schon richtig die Beine testete. Ganz oben und in der Abfahrt spannte sich dann Evenepoel davor.
Während sich Ciccone zehn Bergpunkte sicherte und mit 40 Sekunden auf die Favoriten in die Abfahrt ging, hing das Trio um Soler irgendwo dazwischen auf verlorenem Posten. Bergab konnte Gall dem Tempo, das Evenepoel anschlug, nicht folgen. Vingegaard, Lipowitz, Martinez und Valentin Paret-Peintre (Soudal – Quick-Step) blieben beieinander.
Daraufhin ließ sich Ciccone im welligen Teil vor dem Schlussanstieg zurückfallen, um seinen Teamkollegen Mattias Skjelmose, der bei Gall saß, zu unterstützen. Doch das half nichts. Bis zum Schlussanstieg wuchs der Abstand auf anderthalb Minuten. Am Fuß der letzten Rampe wurde noch der Bonussprint abgenommen, an dem sich Martinez drei Sekunden vor Vingegaard und Lipowitz sicherte.
Die erste Hälfte des Schlussanstiegs machte Evenepoel weiterhin das Tempo in der Spitzengruppe. Als er 2,3 Kilometer vor dem Ziel rausging, übernahm Vingegaard die Spitze und fuhr sich sofort eine Lücke auf Martinez und Lipowitz heraus, die er bis zum Ziel behauptete. Das Verfolgerduo blieb bis zur Bergankunft zusammen, wo Martinez im Sprint Lipowitz auf Rang drei verwies. Danach kamen Paret-Peintre und Evenepoel an. Für Gall gab es am Ende mehr als zwei Minuten Rückstand.
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