“Wollte Lipo helfen, aufs Podium zu kommen“

Ohne Allüren: Evenepoel wird in Katalonien zum Lipowitz-Edelhelfer

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Remco Evenepoel bolzt in der Ebene Tempo für Florian Lipowitz. | Foto: Cor Vos

28.03.2026  |  (rsn) – Um daraus Schlüsse für den Sommer und die Tour de France zu ziehen, ist es eindeutig zu früh. Doch Remco Evenepoel hat den Beweis geliefert, dass er sich unterordnen und eine Helferrolle einnehmen kann, wenn es einen Mann im Team gibt, der bessere Chancen auf Erfolg hat. Im Grunde zum ersten Mal in seiner Karriere. Zeit seiner Jahre bei Quick-Step war das allerdings auch nicht notwendig gewesen. Da war höchstens ein Julian Alaphilippe, mit dem es hätte Überschneidungen geben können, doch die beiden gingen sich überwiegend aus dem Weg.

Jetzt, bei Red Bull – Bora – hansgrohe, ist da aber ein gewisser Florian Lipowitz. Auf der Königsetappe der Katalonien-Rundfahrt (2.UWT) bewies der Deutsche im direkten Duell, dass er am Berg aktuell stärker ist als der Doppel-Olympiasieger. Auf dem Papier waren beide als gleichgestellte Co-Kapitäne ins Rennen gegangen. In der Realität knöpfte der eine dem anderem am Freitag etwas mehr als eine halbe Minute am Schlussanstieg ab, in der Gesamtwertung lagen zwei Positionen zwischen den beiden.

Welche Rolle Evenepoels Sturzverletzungen dabei spielten, sei einmal dahingestellt. Entscheidend war, wie sich der Belgier am Folgetag präsentieren würde. Und da lieferte er, anders als viele vielleicht erwartet hätten, eine tadellose Vorstellung ab – als Lipowitz-Helfer. Und das zeigte sich vor allem im letzten Flachstück vor dem Schlussanstieg. Evenepoel spannte sich uneigennützig vor seinen Teamkollegen und die kleine Favoritengruppe, aus der er in der Abfahrt zuvor bereits Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) gefahren hatte, denn schon bergab hatte der 26-Jährige durchaus risikofreudig richtig auf die Tube gedrückt. Anderthalb Minuten hatte Evenepoel bis zum finalen Berg so auf den Österreicher herausgefahren.

Lipowitz: “Remco hat einen fantastischen Job gemacht“

“Das war eine große Anstrengung, aber ich wollte Lipo helfen, aufs Podium zu kommen“, sagte Evenepoel im Rückblick auf diese Szenen. Seine Begründung dafür fiel so aus: “Wir wussten, dass zur Rennmitte ein supersteiler Anstieg kommen würde. An dem Punkt habe ich mich gar nicht supergut gefühlt. Der Plan war eigentlich, am zweitletzten Berg eine Attacke zu fahren. Nach dem steilen Berg war ich aber nicht sonderlich zuversichtlich. Wir haben ein extrem hohes Tempo eingeschlagen, um das Rennen für Lipo schwer zu machen und wir wussten, dass die Abfahrt sehr technisch sein würde. Deshalb habe ich bergab dann Vollgas gegeben mit Lipo an meinem Hinterrad.“

Durch den Rückstand, den Gall dadurch kassierte, schaffte Lipowitz vor der abschließenden Etappe den Sprung aufs Podium in der Gesamtwertung. Aber auch Evenepoel selbst konnte sich um einen Platz auf Rang fünf verbessern. “Remco hat einen fantastischen Job gemacht. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, sagte der 25-Jährige bei Eurosport. “Wir sind die Abfahrt enorm schnell runtergefahren und haben gesehen, dass wir auf Skjelmose und Gall eine ziemlich große Lücke hatten. Dann ist Remco von vorn gefahren und hat mir einen Riesendienst erwiesen. Leider konnte ich Jonas dann nicht folgen.“

Red Bull hat den Etappensieg noch nicht abgehakt

Dabei klingt durch, dass durchaus der Etappensieg ebenfalls Zielsetzung bei Red Bull war, denn Lipowitz sagte darüber hinaus: “Auch Remco hätte die Beine gehabt, die Etappe zu gewinnen. Es tut mir etwas für ihn leid.“ Eine Chance hat Red Bull noch auf den Etappensieg. Die letzte Etappe in Barcelona dürfte weder Vingegaard noch Lipowitz besonders gut liegen. Während der Däne bereits angekündigt hat, auf dem letzten Teilstück eher nicht auf Tagessieg fahren zu wollen, hielt sich Lipowitz in seiner Vorschau etwas allgemeiner. ”Es geht mir von Tag zu Tag besser. Morgen haben wir noch einen richtig schwierigen Tag. Ich hoffe, dass meine Beine so gut bleiben, dann können wir auch die Etappe gut bewältigen.“

Evenepoel hingegen könnte der kurze, insgesamt sieben Mal zu fahrende Anstieg über den Hausberg der katalanischen Metropole mit seinen viereinhalb Prozent Steigung bei 2,5 Kilometern Länge noch mal ganz gut liegen. “Morgen kommt noch ein Tag und wir werden wieder versuchen, einen Etappensieg zu holen“, schickte er voraus.

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