Däne gewinnt erste Giro-Bergankunft

Vingegaard distanziert am Blockhaus alle bis auf Gall deutlich

Von Sebastian Lindner

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Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) hat die 7. Etappe des 109. Giro d’Italia (2.UWT) gewonnen. | Foto: Cor Vos

15.05.2026  |  (rsn) – Erste Bergankunft, erstes Statement von Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike). Der Däne ist am Blockhaus seiner Favoritenstellung gerecht geworden und hat die 7. Etappe des Giro d’Italia 2026 als Solosieger beendet. Das längste Teilstück der Rundfahrt über 245 Kilometer beendete Vingegaard nach über sechs Stunden Fahrzeit vor einem ebenso starken Felix Gall (Decathlon – CMA CGM), der am Schlussanstieg nur 13 Sekunden auf den Sieger verlor.

Dritter wurde der Australier Jai Hindley (Red Bull – Bora – hansgrohe), Gewinner der bis dato letzten Blockhaus-Ankunft im Jahr 2022. Er kam mit 1:02 Minuten hinter Vingegaard ins Ziel, drei Sekunden vor seinem Co-Leader Giulio Pellizzari und seinem Landsmann Ben O’Connor (Jayco – AlUla).

Vingegaard setzte seine Etappe am knapp 14 Kilometer langen Schlussanstieg etwa zur Hälfte der abschließenden Kletterpartie. Pellizzari konnte zunächst mitgehen, bezahlte jedoch für seinen Übermut und musste schließlich nicht nur den Sieger ziehen lassen, sondern auch Gall.

Der Österreicher wiederum konnte im Finale sogar noch ein paar Sekunden auf Vingegaard gutmachen. “Ich habe mich geärgert, dass ich nicht am Hinterrad dranbleiben konnte“, sagte Gall gegenüber Eurosport. “Aber Pellizzari ist dann auch geplatzt und schlussendlich war es die bessere Wahl, dass ich mein eigenes Tempo gegangen bin.“

Vingegaard hat mit seinem Sieg nun auch bei jeder Grand Tour mindestens eine Etappe gewonnen. Und das war auch das Ziel, wie er im Siegerinterview bestätigte: “Heute wollten wir auf Sieg fahren und ich bin extrem glücklich, dass ich es vollendet habe. Wir wollten gucken, wann sich der Moment für die Attacke ergibt und hatten das etwas offengelassen. Es gab viel Wind, teilweise Gegenwind. Der Anstieg war sehr schwer“, fügte er an.

Zur Übernahme der Gesamtführung reichte es für den 29-Jährigen jedoch nicht. Denn Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) hielt im Schlussanstieg noch relativ lange mit – länger als Egan Bernal (Netcompany – Ineos) oder Enric Mas (Movistar) – und verteidigte etwa die Hälfte seines Polsters. 3:17 Minuten nimmt er im Rosa Trikot in die 8. Etappe mit.

“Wir wussten, dass wir heute Zeit verlieren werden“, schätzte der Portugiese seine Situation am Eurosport-Mikrofon realistisch ein. “Mit diesen drei Minuten ist aber alles okay. Ich hatte gehofft, dass es etwas besser werden würde. Aber ich musste meinen eigenen Rhythmus fahren. Der Wind war auch sehr stark und das hat mich in dem Teil, in dem ich auf mich allein gestellt war, Kräfte gekostet. Das Team hat wirklich perfekt gearbeitet.“

Eulalio hat noch ein Polster auf Vingegaard

Vingegaard ist nun aber sein erster Verfolger. Mit 3:34 Minuten Rückstand ist Gall Dritter, mit je einer knappen Minute mehr folgen Hindley und Pellizzari.

Während Paul Magnier (Soudal – Quick-Step) problemlos die Führung in der Punktewertung verteidigen konnte, obwohl Jonathan Milan (Lidl – Trek) als Ausreißer in der Gruppe des Tages ein paar Zähler gutmachen konnte, musste Diego Pablo Sevilla (Polti – VisitMalta) sein Bergtrikot an den Tagessieger abgeben. 

Vingegaard kassierte am Blockhaus satte 50 Zähler und hat mit insgesamt 61 Punkten nun einen mehr als der Spanier, der seit Beginn der Rundfahrt fleißig sammelt. Die nächste Chance bekommt Sevilla morgen. In Fermo wartet eine Mini-Bergankunft, unterwegs gibt es drei weitere Bergwertungen.

So lief die 7. Etappe des Giro d’Italia:

Sprinter Milan  eröffnete den Kampf um die Ausreißergruppe für die 7. Etappe. Der italienische Topsprinter hatte dabei weniger das Ziel Etappensieg, als vielmehr nach 110 Kilometern den Zwischensprint zu gewinnen und ein paar Punkte im Kampf um das Ciclamino-Trikot auf Magnier gutzumachen. Zu Milan gesellten sich der Mann in Blau, Sevilla, Tim Nabermann (Picnic - PostNL), Nickolas Zukowsky (Pinarello – Q36.5) und Jardi Christiaan van der Lee (EF Education - EasyPost).

Die Gruppe kam schnell weg. Genau wie Milan sich den Zwischensprint sicherte, hatte Sevilla die Bergpunkte in Roccaraso (2. Kat.) für sich veranschlagt. Erst im Anstieg zur Bergwertung ließ sich dann auch Milan zurückfallen. Das verbliebene Quartett zog aber durch und holte sich bis 60 Kilometer vor dem Ziel mehr als sechs Minuten Vorsprung heraus.

Bis dahin waren die Giro-Starter vom Regen verschont, dann mussten doch die Jacken herausgeholt werden. Es wurde ungemütlich, denn auch der angekündigte Wind mischte nun ordentlich mit. Bahrain Victorious ließ sich davon aber wenig stören. Bis zur 50-Kilometer-Marke vor dem Ziel hatte Eulalios Mannschaft den Abstand auf vier Minuten gedrückt.

Im Überbrückungsstück zwischen letzter Abfahrt und Schlussanstieg verlor Naberman den Anschluss an die restlichen Ausreißer, die 20 Kilometer vor dem Ziel bei dreieinhalb Minuten Vorsprung lagen. Zwischenzeitlich war es aber auch schon deutlich weniger gewesen.

Das Streckenprofil der 7. Etappe des Giro d‘Italia | Foto: Cor Veranstalter

Dann ging es in den knapp 14 Kilometer langen Schlussanstieg. Red Bull übernahm im Feld das Kommando, vorne hielten sich Zukowsky und van der Lee, die Sevilla abgestellt hatten, noch gut. 8,5 Kilometer vor dem Ziel spannten sich dann Davide Piganzoli und Sepp Kuss vor die klein gewordene Favoritengruppe, um den Vingegaard-Angriff vorzubereiten. Der kam dann etwa sechs Kilometer vor dem Ziel, kurz davor waren die letzten Ausreißer gestellt.

Für einen kurzen Moment versuchte auch Gall am Dänen dranzubleiben, doch das gelang zunächst nur Pellizzari, der dafür aber die Quittung bekam. Denn der 22-Jährige hatte sich übernommen, musste etwa an der Fünf-Kilometer-Marke reißen lassen und wurde kurz darauf auch von Gall ein- und überholt.

Während der Decathlon-Kapitän den Abstand auf Vingegaard konstant geringhalten und am Ende sogar noch leicht verkürzen konnte, holten auch Hindley und O’Connor den Italiener wieder ein. Dort dockte Pellizzari an und fuhr zuwischen den beiden als Tagesvierter über den Zielstrich.

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