RSNplusCross-Verhältnisse am Koppenberg beim Recon

Günstiger Wind für nächste Pogacar-Show

Von Paul Grosch

Foto zu dem Text "Günstiger Wind für nächste Pogacar-Show"
Mathieu van der Poel am Koppenberg bei der Flandern-Rundfahrt 2024 | Foto: Cor Vos

03.04.2026  |  (rsn) - Bei einem Blick auf Social Media am Donnerstag sah man sich an die Bilder vom Koppenberg der Flandern-Rundfahrt 2024 erinnert. Damals war der spätere Sieger Mathieu van der Poel (Alpecin - Premier Tech) einer der wenigen Profis aus der Spitzengruppe, der den nassen, schlammigen Kopfsteinpflasteranstieg auf dem Rad absolvierte und anschließend solo als Sieger ins Ziel fuhr. Praktisch alle anderen mussten absteigen und schieben.

Während der Streckenbesichtigungen am Donnerstag waren die Bedingungen nun sogar schlimmer, bei allen Profis drehten die Reifen durch, sehr viele mussten beim Recon der Strecke absteigen. Grund dafür war neben den ohnehin nassen Bedingungen ein Müllauto, das am Vormittag bergab ins Rutschen kam. “Es geriet zusätzlicher Schlamm auf die Straße und wir mussten den Anstieg für eine Weile absperren, weil ein weiteres Fahrzeug involviert, war“, sagte der für den Abschnitt zuständige Simon Lamon von Flanders Classics im Sporza-Interview. Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) war einer der wenigen, der auf den von Anwohnern und Fans veröffentlichten Videos, die bis zu 23 Prozent steile Passage danach auf dem Rad sitzend absolvierte. Die meisten anderen stiegen ab und schoben ihr Arbeitsgerät bergauf. Ein weitere Reinigungsaktion wurde angesetzt, nachdem das Pflaster erst vor kurzem extra für das Rennen hergerichtet worden war, so Lamon. Auf den Bildern von Tadej Pogacars Recon am Freitag waren die Spuren bereits größtenteils schon wieder beseitigt. ___STEADY_PAYWALL___

Wind steht günstig für Solo – aber bleibt es trocken?

Ein Blick in den Wetterbericht für den Ostersonntag schließt dennoch eventuell schwierige Bedingungen nicht aus. Bei kühlem Wetter von zehn bis zwölf Grad könnte ab dem frühen Vormittag für ein paar Stunden ein Nieselregen einsetzen, auch an den Tagen davor ist vereinzelter Regen möglich. Das Kopfsteinpflaster auf dem dann aufgeweichten Untergrund könnte dann noch mehr einseifen und rutschiger werden. Die Positionierung in die entscheidenden Anstiege ist bei solchen Verhältnisse nochmal wichtiger als im Trockenen, um nicht hinter stehenden oder schiebenden Fahrern festzuhängen, wenn vorne das Tempo erhöht wird.

Topfavorit Tadej Pogacar dürfte vor allem die Windvorhersage freuen. Auf den finalen, flachen zwölf Kilometern in Richtung Nordwesten nach Oudenaarde zurück, sollte der angesagte Süd- bis Südwestwind mit möglichen Böen in einer ähnlichen Situation wie im letzten Jahr helfen. Damals behauptete sich Pogacar trotz eines Gegenwinds allein gegen die Vierergruppe aus van der Poel, Wout van Aert (Visma - Lease a Bike) und dem Lidl-Trek-Duo Mads Pedersen und Jasper Stuyven, nachdem er sich nach der letzten Überfahrt des Oude Kwaremonts solo absetzen konnte. Auch Debütant Remco Evenepoel, der den Spitznamen “Aero-Bullet“ nciht umsonst trägt, wäre in einem möglichen Solo auf den letzten Kilometern durch seine aerodynamische Sitzposition und Zeitfahrqualitäten praktisch nicht mehr einzuholen.

Der Niederländer van der Poel, der mit einem vierten Sieg nach 2020, 2022 und 2024 alleiniger Rekordhalter in Flandern werden könnte, machte in diesem Jahr bei der “kleinen Ronde“ auf seiner Solofahrt schon Erfahrung mit ungünstigen Windverhältnissen im Finale. Auf den letzten, fast 30 flachen Kilometern büßte er fast alles von seinem Vorsprung von über 50 Sekunden ein und gewann lediglich durch fehlende Zusammenarbeit auf dem letzten Kilometer in der Vierergruppe dahinter.

Mathieu van der Poel rettete sich auf den letzten Metern zum Sieg beim E3 Saxo Classic | Foto: Cor Vos

Gegenwind in der Anfahrt für die Ausreißer

Für die ersten rund 100 Kilometer ist in diesem Jahr aufgrund der vorhergesagten Windbedingungen ein ruhiger Rennverlauf zu erwarten. Der angesagte Südwestwind kommt hier auf der gesamten Strecke von Antwerpen bis zum ersten Kopfsteinpflastersektor, der Paddestraat bei Zottegem, von vorne. Eine frühe Ausreißergruppe müsste dadurch auch mehr investieren, einen nötigen Vorsprung herauszufahren und auf diese Weise eine Platzierung in den Top 20 zu erreichen. Fahrern wie Evenepoel würden bei diesen Windbedingungen den Startort deutlich nördlicher in Brügge bevorzugen, der im jährlichen Wechsel mit Antwerpen steht. Bei Wind aus Westen sind hier Windkanten aufgrund der Streckenführung nach Süden gut möglich, in denen sich der Belgier bereits auf der 3. Etappe der Katalonien-Rundfahrt auffällig aktiv zeigte.

Erster Hügelabschnitt entscheidender als in den Jahren zuvor?

Dem ersten längeren Hügelabschnitt vom Eikenberg zum Valkenberg nach 158 Rennkilometern käme bei diesen Wetterverhältnissen eine noch größere Bedeutung zu. Hier war in den letzten Jahren die Phase des Rennens, in der sich Fahrer wie Matteo Trentin (Tudor), die nicht unbedingt zu den Top-Favoriten zählen und Antritten von Pogacar, van der Poel und Co. an Anstiegen nicht direkt folgen können, vom Feld absetzten, somit die späteren Attacken der Favoriten antizipierten und im Finale um ein Top Ten-Ergebnis fahren konnten. Dieses Jahr könnten sich die Ausreißergruppen aufgrund des Windes erst später bilden und die Hellingen hier nutzen, um ihren Vorsprung auf das Hauptfeld zu etablieren. Doch auch Mannschaften wie das UAE - Emirates - XRG von Weltmeister Pogacar erhöhen in dieser Phase langsam das Tempo, um ihrem Kapitän die späteren Attacken vorzubereiten.

Pogacar gewann 2025 mit 61 Sekunden Vorsprung. | Foto: Cor Vos

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