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03.04.2026 | (rsn) – Kein heimischer Radprofi in Belgien hat aktuell ein Standing wie Wout van Aert (Visma – Lease a Bike). Der 31-Jährige ist absoluter Fanliebling. Einerseits, weil er nahbar ist, sympathisch, aufgeschlossen, der Profi von nebenan. Und andererseits aufgrund seines Fahrstils. Van Aert ist harter Arbeiter, Kämpfer, loyaler Helfer, aber auch Kapitän und Siegfahrer. Bei Dwars door Vlaanderen fehlte nicht viel, um letzteres zum ersten Mal in dieser Saison unter Beweis zu stellen.
Am Ende fehlten van Aert 150 Meter, er wurde von Filippo Ganna kurz vor der Ziellinie noch abgefangen. Dass dem Liebling der Massen der Sieg noch genommen wurde, schieben einige Belgier einem seiner Landsleute in die Schuhe. Es war Florian Vermeersch (UAE – Emirates – XRG), der mehrfach Jagd auf van Aert machte. Als Ganna gut drei Kilometer vor dem Ziel aus dem Feld herausfuhr, ging Vermeersch in einem letzten Hurra mit, fuhr auch noch die eine oder andere Ablösung, um dann doch noch zurückzufallen. Auch schon einige Kilometer früher hatte er sich als Verfolger des führenden van Aerts gezeigt – und das sehr zum Ärger einiger belgischer Fans.
Denn die beleidigten den 27-Jährigen später in den Sozialen Medien aufs Übelste, könnte er van Aert mit seinen Aktionen doch die notwendigen Meter gekostet haben, die zum Sieg gereicht hätten. Unter anderem wurde Vermeersch als “Landesverräter“ betitelt, der “alles ruiniert hat“.
“Es ist das erste Mal, dass ich solche Nachrichten erhalten habe“, konstatierte der Beleidigte im belgischen Fernsehen. “Das hat mich im ersten Moment schon aus der Bahn geworfen, aber ich habe es dann geschafft, damit umzugehen.“ Es gehört mittlerweile zum Alltag von Sportlern oder anderen Personen des öffentlichen Lebens, auf diese Weise konfrontiert zu werden, das weiß auch Vermeersch. “Ich habe von einem italienischen Verteidiger gelesen, der nach einem Fehler Morddrohungen bekam.“ Die italienische Fußball-Nationalmannschaft hat gerade zum dritten Mal die Qualifikation für die Weltmeisterschaft verpasst. “Dennoch hat es mich härter getroffen als ich gedacht hätte.“
Gut möglich, das Vermeersch am Sonntag bei der Flandern-Rundfahrt wieder in die Verlegenheit kommt, einem Landsmann hinterherzufahren. Als Teamkollege von Top-Favorit Tadej Pogacar ist es keinesfalls auszuschließen, dass er van Aert – oder auch Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) – erneut hinterherjagen muss, falls es der Chef will.