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04.04.2026 | (rsn) – Mit der 110. Flandern-Rundfahrt (1.UWT) steht am Ostersonntag das zweite Monument der Saison 2026 an. Klarer Favorit ist Vorjahressieger Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG). Der größte Herausforderer dürfte Mathieu van der Poel (Alpecin-Premier Tech) sein, Wout van Aert (Visma - Lease a Bike) und Flandern-Debütant Remco Evenepoel (Red Bull - Bora - hansgrohe) sind weitere Anwärter auf den Sieg in Oudenaarde.
Hier sind unsere sechs Fragen zur Flandern-Rundfahrt 2026:
Die Ronde-Strecke lässt sich grob in vier Teile zerlegen. Bis zur ersten Passage des Oude Kwaremont nach 140 Kilometern ist das Profil flach, lediglich die Kopfsteinpflasterpassagen der Lippenhovestraat und Paddestraat sind kleinere Hindernisse. Mit dem "ersten Kwaremont" beginnt eine Phase von Anstiegen über Eikenberg bis zum Valkenberg etwa 80 Kilometer vor dem Ziel. ___STEADY_PAYWALL___
Diese "Antizipationsphase" dürften Fahrer, die nicht zum Favoritenkreis zählen, nutzen, um sich einen Vorsprung herauszufahren. Ab Berg Ten Houte und der Nieuwe Kruisberg/Hotond-Kombination nach Kluisbergen zählt es für die Top-Teams, ihre Kapitäne für die zweite Überquerung des Oude Kwaremonts in Position zu bringen.
Remco Evenepoel mit Teamkollegen beim Recon am Donnerstag | Foto: Cor Vos
2023 und 2025 attackierte Pogacar hier und kreierte eine Favoritengruppe, aus der sich später solo absetzen konnte. Die weiteren steilen Hellinge wie der Paterberg und Koppenberg zählen zu den schwierigsten Anstiegen. Positionierung sollte hier nicht mehr die große Rolle spielen, weil keine großen Gruppen zu erwarten sind.
Doch auch auf den Abschnitten zwischen den Anstiegen ist auf den breiten Straßen Vorsicht geboten, um starke Tempobolzer wie Evenepoel nicht wegfahren zu lassen. Die letzte Phase des Rennens beginnt ungefähr 20 Kilometer vor dem Ziel. Hier fällt spätestens an der letzten Kwaremont-Paterberg-Kombination die Vorentscheidung. Wer sich alleine absetzen kann, hat große Chancen auf eine Solofahrt bis zur Ziellinie.
Beim Blick auf das UAE-Aufgebot fällt wie schon bei Mailand-Sanremo die Abwesenheit von Jonathan Narvaez und vor allem Tim Wellens ins Auge. Der Belgier ist neben Pogacar vielleicht der beste Allrounder im Team und war im Frühjahr und bei der Tour de France 2025 sowohl auf den technisch anspruchsvollen Etappen der ersten Woche und sogar teilweise im Hochgebirge eminent wichtig für Pogacars vierten Gesamtsieg.
Die Aufgabe der Positionierung vor Schlüsselstellen könnten in Wellens' Abwesenheit dessen Landsmanns Florian Vermeersch zukommen. Der 27-Jährige befindet sich in Topform und konnte bei der E3 Saxo Classic am Sieg schnuppern. Daneben stehen dem Titelverteidiger mit Mikkel Bjerg, Nils Politt, Benoit Cosnefroy, Rui Oliveira sowie Antonio Morgado weitere erstklassige Fahrer zur Verfügung. In der zu erwartenden kleinen Favoritengruppe wird Pogacar allerdings kaum mehr auf ein Team angewiesen sein.
Der Doppel-Olympiasieger hat mit seiner Ankündigung, erstmals in seiner Karriere daheim bei der Ronde zu starten, mal wieder die Aufmerksamkeit der Rennradfans, vor allem der belgischen, auf sich gezogen. Die Erwartungen an Evenepoel sind, auch durch die aufwändige Red-Bull-Kampagne sowie einem YouTube-Video, wie immer groß.
Wout van Aert präsentierte sich auch bei Dwaars door Vlaanderen angriffslustig | Foto: Cor Vos
Dass er lange, harte Eintagesrennen von vorne gewinnen kann, hat er bereits bei Lüttich-Bastogne-Lüttich 2022 und 2023 gezeigt. Hat Evenepoel einmal einen Vorsprung herausgefahren, wird ihn auf den letzten flachen Kilometern kaum jemand mehr einholen können. Fraglich ist beim Belgier im Vergleich zu Pogacar und van der Poel etwas die Positionierung und die Spritzigkeit an extrem steilen Anstiegen wie dem Koppenberg. Evenepoel wird auf jeden Fall ein Offensiv-Spektakel veranstalten und ist durchaus ein Kandidat für das Podium.
Nach sechs Jahren außerhalb der Top Ten stehen die Zeichen für Sonntag so gut wie lange nicht. Red Bull - Bora - hansgrohe konnte mit einer breit aufgestellten Klassikerfraktion um die van-Djike-Brüder, Jungstar Laurence Pithie sowie Routinier Gianni Vermeersch Top-Ten-Ergebnisse und durch Tim van Djike sogar ein Podium beim Omloop Nieuwsblad (1.UWT) erzielen.
Am Sonntag kommt nun der Superstar dazu. Auch wenn Remco Evenepoel bei seinem Debut die höchsten Erwartungen vielleicht ganz wird erfüllen können, sind sowohl Pithie als auch Vermeersch und die van Djikes durchaus in der Lage, in einer zweiten oder dritten Gruppe hinter der Spitze um Platzierungen unter den ersten Zehn zu sprinten.
Die Antwort könnte dieses Jahr tatsächlich "Ja" lauten. Allerdings eher nicht bei der Flandern-Rundfahrt, sondern eine Woche später auf dem flachen Kopfsteinpflaster von Paris-Roubaix. Wie im letzten Jahr kam der Belgier in seinen Heimatrennen immer besser in Form und ließ nach dem krankheitsbedingten Startverzicht am Openingsweekend mit dem dritten Platz bei Milano-Sanremo (1.UWT) aufhorchen.
Mads Pedersen sprintete bei seinem Überraschungscomeback in Sanremo auf Rang drei | Foto: Cor Vos
Bei Middelkerke-Wevelgem (1.UWT) konnte er Mathieu van der Poel am letzten Kemmelberg absetzen und wurde erst auf den letzten zwei Kilometern gestellt. Auch bei Dwaars door Vlaanderen (1.UWT) zeigte van Aert sich offensiv, doch es reichte wieder nicht zum Sieg. Filippo Ganna (Ineos Grenadiers) übersprintete den 31-Jährigen auf den letzten 200 Metern noch. Somit blieb zwar nur der zweite Rang, aber der Eindruck, dass van Aert in Flandern um das Podium und mit etwas Glück eine Woche später um den Sieg wird kämpfen können.
Der Zweitplatzierte aus dem letzten Jahr hatte sicher nicht die erhoffte Vorbereitung für Flandern und Roubaix. Erst kam der Sturz bei der Volta Communitat Valenciana (2.Pro), bei der Pedersen sich Handgelenk und Schlüsselbein brach. Nach der unverhofften Teilnahme bei Milano-Sanremo und dem dortigen sehr guten vierten Platz folgte ein solider neunter Rang bei der E3 Saxo Classic (1.UWT).
Eine mögliche Titelverteidigung bei Middelkerke-Wevelgem (1.UWT) verhinderte eine Krankheit, am Mittwoch erreichte Pedersen bei Dwaars door Vlaanderen (1.UWT) Rang zehn. Laut eigener Aussage fehlen ihm vor allem bergauf bei Beschleunigungen die letzten paar Prozent und auch im Sprint nach einem harten Rennen ist der 30-Jährige noch nicht auf dem Level der letzten Jahre.
Mit Pedersen muss dennoch stets zu rechnen sein, auch letztes Jahr wurde er bei der Ronde mehrmals von van der Poel und Pogacar abgehängt, kam aber immer wieder zurück und wurde am Ende in Oudenaarde Zweiter. Trotzdem dürfen vom Dänen am Sonntag keine Wunder erwartet werden, Paris-Roubaix liegt Pedersen grundsätzlich und vor allem in der aktuellen Form deutlich besser.