Van der Poel und Evenepoel komplettieren Podium

Unschlagbarer Pogacar holt sich seinen dritten Ronde-Sieg

Von Guido Scholl

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Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) hat die 110. Flandern-Rundfahrt gewonnen. | Foto: Cor Vos

05.04.2026  |  (rsn) - Ein nach wie vor in einer eigenen Liga fahrender Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) hat die 110. Flandern-Rundfahrt (1.UWT) gewonnen und damit seinen dritten Renneinsatz des Jahres mit einem Sieg beendet. Zudem triumphierte der Slowene zum insgesamt dritten Mal bei der Ronde. Das Ziel in Oudenaarde erreichte Pogacar nach 278 Kilometern mit 34 Sekunden Vorsprung auf den Niederländer Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech).

Als Dritter beendete Debütant Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) das zweite Monument des Jahres – allerdings bereits mit 1:11 Minuten Abstand zum Überflieger. Auch der viertplatzierte Wout van Aert (Visma – Lease a Bike, +2:04) aus Belgien, und der Däne Mads Pedersen (Lidl – Trek, +2:48) erreichten das Ziel als Solisten.

“Es war schon sehr früh super hart. Danach war es ein bisschen abwartender, aber man musste trotzdem den Druck auf den Pedalen aufrechterhalten nach dem Split am Molenberg“, kommentierte Pogacar im Flash-Interview die erste Selektion durch sein Team 103 Kilometer vor dem Ende. Er sei froh gewesen, dass die so entstandene Gruppe “einigermaßen kooperiert“ habe.

Jetzt freut sich Pogacar auf Paris-Roubaix

“Danach war es zu meinem Vorteil. Nach dem Koppenberg wollte ich auf jeden Fall nicht, dass Remco wieder zurückkommt“, so Pogacar, der nach jenem berüchtigten Anstieg allein mit van der Poel war. In der dritten Passage des Oude Kwaremont, 17 Kilometer vor dem Ziel, entledigte sich der Weltmeister dann auch seines letzten Begleiters.

“Ich fahre derzeit nicht wirklich viele Rennen, deswegen ist der Druck groß, da zu gewinnen. Bis jetzt lief alles gut für mich, ich kann mehr als zufrieden sein. Für Roubaix nächste Woche bin ich motiviert und versuche, das Kopfsteinpflaster zu genießen“, so der zweimalige Weltmeister mit Blick auf den französischen Frühjahrsklassiker.

Dort wird er dann wieder auf van der Poel treffen, der in Oudenaarde kurz und bündig die Überlegenheit seines Gegners anerkannte. “Am Ende war er einfach stärker“, gab der dreimalige Ronde-Gewinner van der Poel etwas schmallippig zu Protokoll. Doch allzu groß war der Unterschied nach seiner Wahrnehmung nicht. “Er war sehr stark, aber ich glaube nicht, dass mir beim letzten Kwaremont viel gefehlt hat.“

Bei der zweiten Auffahrt zum Kwaremont war der Rekord-Crossweltmeister schlecht positioniert und musste sich erst zu den anderen Favoriten vorkämpfen. “Es hat mich ziemlich viel Energie gekostet, um wieder an Tadejs Hinterrad zu kommen“, gab van der Poel zu.

Den Sprint der ersten Gruppe entschied mit Jasper Stuyven (Soudal – Quick Step, + 4:28) ein weiterer Belgier für sich. Er verwies seinen Landsmann Florian Vermeersch (UAE – Emirates – XRG) auf Platz sieben. Dessen Namensvetter Gianni Vermeersch (Red Bull – Bora – hansgrohe, +5:22) wurde Zehnter – damit war er der fünfte Belgier in den Top 10. Dazwischen reihten sich Matej Mohoric (Bahrain – Victorious, + 4:30) aus Slowenien und der Franzose Christophe Laporte (Visma – Lease a Bike, +5:22) ein.

Pogacar-Helfer Politt bester Deutscher

Als bester Deutscher erreichte Nils Politt (UAE – Emirates – XRG, +6:56) auf Platz 34 das Ziel, nachdem er die Tempoverschärfung am Molenberg eingeleitet hatte. Direkt hinter folgte Max Walscheid (Lidl – Trek). Der Schweizer Stefan Bissegger (Decathlon – CMA CGM) und der Österreicher Marco Haller (Tudor) beendeten das Rennen zeitgleich auf den Rängen 37 und 43.

So lief die Flandern-Rundfahrt 2026:

Nach dem scharfen Start in Antwerpen dauerte es eine ganze Weile, bis die Gruppe des Tages stand. Das lag auch am Gegenwind, der in dieser Phase wehte. Nach 28 Kilometern löste sich dann eine 13-köpfige Gruppe. Dabei waren unter anderem Silvan Dillier (Alpecin – Premier Tech), Connor Swift (Ineos Grenadiers), Frederic Frison (Pinarello - Q36.5), Luke Lamperti (EF Education - EasyPost), Luca van Boven (Lotto – Intermarché), Julius van den Berg (Picnic – PostNL) und Dries de Pooter (Jayco - AlUla).

UAE – Emirates – XRG übernahm erwartungsgemäß die Kontrolle im Feld, der Abstand zur Spitze wuchs auf etwas mehr als drei Minuten, ehe nach 65 Rennkilometern eine Bahnschranke dafür sorgte, dass das Peloton geteilt wurde. Die Jury bremste die erste große Gruppe, damit die distanzierten Fahrer wieder aufschließen konnten. Zu den Abgehängten gehörte auch van der Poel. Als UAE das Tempo wieder erhöhen dürfte, betrug der Abstand mehr als fünf Minuten. Mit 5:30 Minuten Vorsprung nahmen die Ausreißer nach 140 Rennkilometern die erste Passage des Oude Kwaremont in Angriff.

Von da an nahm der Abstand sukzessive ab. Als UAE mit Nils Politt und dann Florian Vermeersch im Molenberg, 103 Kilometer vor dem Ziel, zum ersten Angriff blies, hatte die Kopfgruppe anschließend nur noch 2:30 Minuten Vorsprung. Van Aert und Pedersen ließen sich von diesem Manöver überraschen und mussten wieder an die deutlich dezimierte Favoritengruppe herangefahren werden.

Evenepoel hatte Tim van Dijke und Gianni Vermeersch als Helfer bei sich, Van Aert hatte Laporte an der Seite. Außerdem befanden sich mit Matteo Trentin und Rick Pluimers zwei Tudor-Profis, mit Pogacar und Florian Vermeersch zwei UAE-Fahrer sowie mit Magnus Sheffield und Samuel Watson zwei Ineos-Profis in der Verfolgergruppe, zu der auch noch Matej Mohoric (Bahrain Victorious), Stan Dewulf (Decathlon - CMA CGM) und Jasper Stuyven (Soudal – Quick Step) gehörten. Diese Formation holte die frühen Ausreißer 77 Kilometer vor dem Ziel ein. Zu der Zeit war der Rest des Feldes bereits um 1:15 Minuten distanziert.

Das Streckenprofil der 110. Flandern-Rundfahrt der Frauen | Foto: Veranstalter

In der zweiten Auffahrt zum Oude Kwaremont griff Pogacar selbst an, van Aert sprang als erster an sein Rad, ihm folgten Pedersen und Evenepoel, während der schlechter positionierte van der Poel eine Weile brauchte, um die Lücke zu schließen. Im flacheren Teil des Anstiegs fiel van Aert dann zurück, nachdem kurz zuvor auch Pedersen nicht mehr hatte folgen können. Im Paterberg, 51 Kilometer vor dem Ziel, war es dann auch um Evenepoel geschehen.

Der Doppel-Olympiasieger versuchte in der Anfahrt zum Koppenberg wieder aufzuschließen, kam auch bis auf vier Sekunden an das Spitzenduo heran, fiel auf dem steilen Kopfsteinpflaster aber dann wieder zurück. Als van der Poel kurzzeitig nicht mehr voll mitarbeitete, wäre Evenepoel abermals fast zurückgekommen. Wieder war es das Pflaster – diesmal das der Mariaborrestraat – das dem Red-Bull-Kapitän die Grenzen aufzeigte. Eine Weile hielt Evenepoel den Rückstand noch zwischen zehn und 15 Sekunden, ehe er im Oude Kruisberg, 27 Kilometer vor dem Ziel, endgültig alle Hoffnungen begraben musste.

Pogacar wird van der Poel am Oude Kwaremont los

In der dritten und letzten Kwaremont-Passage distanzierte Pogacar dann auch seinen letzten Begleiter. Einmal blickte sich der Weltmeister um, ehe er wie im Vorjahr zu einem 17-Kilometer-Solo ansetzte. Anderthalb Minuten dahinter schüttelte Van Aert seinen Begleiter Pedersen ab, und nahm einen verzweifelten Angriff aufs Podest, der letztlich aber zum Scheitern verurteilt war.

Nach dem Paterberg, dem letzten Anstieg des Tages, hatte Pogacar bereits 20 Sekunden Vorsprung auf seinen ersten Verfolger, während Evenepoel mehr als eine Minute zurücklag. Van Aert kam ebenso wenig näher an seinen Vordermann heran wie hinter ihm Pedersen – so fuhren die ersten Fünf der Ronde allesamt in Zeitfahrmanier dem Ziel in Oudenarde entgegen.

Seinen dritten Ronde-Triumph konnte Pogacar ausgiebig feiern – ausgelassen jubelnd rollte er über den Zielstrich, während van der Poel das Rennen mit hängendem Kopf beendete.

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