Folgt am Sonntag der erste Sieg in Roubaix?

Pogacar jagt nach der Flandern-Rundfahrt den “Grand Slam“

Von Jan Zesewitz

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Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) will alle fünf Monumente in einem Jahr gewinnen. | Foto: Cor Vos

06.04.2026  |  (rsn) – Die nächste Machtdemonstration, der insgesamt dritte Sieg bei der Flandern-Rundfahrt, aber Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) hat längst das größere Ganze im Blick. Mit dem Erfolg in Oudenaarde gewann der Weltmeister die ersten beiden Monumente des Jahres. Schon nächste Woche geht es weiter, es ist – nach Mailand-Sanremo – das vielleicht größte Ziel des Slowenen in diesem Jahr. Dann will Pogacar zum ersten Mal in seiner Karriere auch Paris-Roubaix gewinnen.

Im vergangenen Jahr wurde er Zweiter hinter Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) bei seinem Debüt in der "Höllle des Nordens". Bei der Flandern-Rundfahrt war sein Abstand zum Niederländer gefühlt größer als in den vergangenen Jahren, so souverän war er an Kwaremont & Co. Paris-Roubaix dagegen dürfte für Pogacar das am schwierigsten zu gewinnende Monument sein, es gibt keine Anstiege, an denen der viermalige Tour-de-France-Sieger den Unterschied machen kann.

Während er am vergangenen Sonntag der überragende Topfavorit war, dürfte das eine Woche später anders aussehen. In Flandern fehlte Experten wie Jens Voigt im Gespräch mit Eurosport die Fantasie, einen anderen Sieger zu finden, die Szenarien, die Pogacar vom Sieg abhalten könnten, ließen sich tatsächlich nur mit viel Vorstellungskraft imaginieren. 

Roubaix dagegen ist der Ort, an dem van der Poel mit seinen Fähigkeiten am meisten zuhause ist. Den Niederländer, der im Velodrom zuletzt dreimal in Folge siegreich war, vom Thron zu stoßen, dürfte um einiges komplizierter werden, als ihn am Oude Kwaremont abzuhängen.

Pogacar vor Roubaix: “Der Druck ist niedrig, wie in den Reifen“

Das Problem für die großen Rivalen Pogacars: Der beste Radprofi der Gegenwart wird immer besser. Die Flandern-Rundfahrt entschlüsselte er nach Platz vier beim Debüt 2022. Warum sollte es in Roubaix anders sein? “Ich habe das Glück, dass ich mich weiter verbessern kann und es in manchen Bereichen immer noch Raum für Wachstum gibt“, sagte Pogacar nach dem Rennen. “Ich denke, die Konkurrenten sind meine größte Hilfe dabei. Sie bringen mich auf ein neues Level, wir bringen uns gegenseitig weiter nach vorne.“

Sein Blick richtet sich nun auf die "Königin der Klassiker", seinen zwölften Sieg bei einem Monument will er aber erstmal genießen. “Wir haben jetzt zwei von fünf Monumenten abgehakt. Wir sollten nicht zu weit nach vorne schauen“, sagte der 27-Jährige nach dem Rennen. “Wir sollten jetzt diesen Moment genießen. Dann kann ich voll motiviert zu Paris-Roubaix gehen. Dann sehen wir, was dort passiert.“

Pogacar befindet sich offenbar derzeit in einem Mindset, das für seine Konkurrenten eine große Warnung sein sollte. Er ist stärker als je zuvor, hörte in den Interviews kaum auf, von seiner Motivation für Paris-Roubaix zu sprechen – und wies gleichzeitig jeden Erwartungsdruck zurück. “Die Motivation ist hoch, der Druck ist niedrig, so wie der Luftdruck in den Reifen“, sagte er.

Topmotiviert in die "Hölle des Nordens"

Das stimmt natürlich nur bedingt. Durch die Verlagerung des Spielfelds in Richtung Wald von Arenberg & Co. ist van der Poel mindestens ein gleichwertiger Topfavorit, aber Pogacar hat schon im vergangenen Jahr gezeigt, dass er Paroli bieten kann. Sollte der Weltmeister in Roubaix gewinnen, ist er hoch favorisiert, als erster Fahrer überhaupt alle fünf Monumente in einem Jahr für sich zu entscheiden – ein früher für unmöglich gehaltener Grand Slam. Bei Lüttich-Bastogne-Lüttich und der Lombardei-Rundfahrt dürfte Pogacar erneut kaum zu schlagen sein.

“Letztes Jahr habe ich es erstmals versucht und habe gesehen, dass ich um den Sieg kämpfen kann“, sagte Pogacar mit Blick auf Paris-Roubaix. “Es ist so herausfordernd für den Körper und man braucht eine sehr, sehr große Ausdauer. Ich würde nicht sagen, dass ich mich vergangenen Jahr in dieses Rennen verliebt habe, aber ich habe angefangen, es wirklich zu mögen Und jetzt will ich dort eine Stufe höher auf dem Podium landen", kündigte er selbstbewusst an

Pogacar greift wieder einmal nach den Sternen und zuvor für unmöglich gehaltenen Rekorden des Radsports. Und das tut er mit einer Selbstverständlichkeit, die ihn seit jeher auszeichnet: “Es wäre gut, alle fünf Monumente gewonnen zu haben", sagte er abschließend zu seiner Rekordjagd.

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