Franzose Sinnbild für Ineos-Aufschwung

“Alles mental gesteuert“: Laurance einfach nicht zu stoppen

Von Sebastian Lindner

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Axel Laurance (Ineos Grenadiers) bejubelt seinen Sieg auf der 3. Etappe der Baskelnad-Rundfahrt. | Foto: Cor Vos

08.04.2026  |  (rsn) – Es wollte gar nicht so richtig ins Bild passen, was Axel Laurance (Ineos Grenadiers) da erzählte, nachdem er gerade die 3. Etappe der Baskenland-Rundfahrt gewonnen hatte. Von Defektpech sprach er. “Nach 40 Minuten ist das Kabel meines Umwerfers abgegangen. Ich musste stehen bleiben, um es wieder anzubringen, genau in einem Moment, in dem das Rennen sehr schnell geführt wurde.“ Und dann waren da noch Krämpfe. “Als Igor Arrieta (UEA - Emirates - XRG) am Ende attackiert, hatte ich sofort Krämpfe.“

Das zeigte sich auch, als Laurance sich kaum richtig für das Siegerfoto aufrichten konnte, bevor er sich wieder auf den Oberschenkel schlug. Zum Sieg gegen den Spanier, mit dem der 24-Jährige für die letzten gut 30 Kilometer gemeinsam unterwegs war, reichte es trotzdem. “Es war dann alles mental gesteuert. Als ich die Ziellinie gesehen habe, habe ich mich in jemand anderes verwandelt", beschrieb er die letzten schweren Meter sehr anschaulich.

Und das passt dann doch wieder ins Bild. Nämlich in jenes, das die Wiederauferstehung des Teams Ineos zeigt. Bei 16 Saisonsiegen steht die britische Mannschaft bereits, nur zwei weniger als UAE – Emirates – XRG. In der kompletten Vorsaison brachte es das Team auf 28. Bis zur damaligen Baskenland-Rundfahrt waren es acht.

”Habe den Killerinstinkt, wenn ich eine Ziellinie sehe“

Mit vier Siegen hat Laurance aus numerischer Sicht mehr zu dieser Bilanz beigetragen als jeder andere Ineos-Profi. Filippo Ganna und Dorian Godon bringen es auf je drei, wobei deren Erfolge mitunter eine andere Qualität aufweisen. Insgesamt kann das Team mit bereits acht verschiedenen Siegern aufwarten.

Laurance hat im Saisonverlauf eine Etappe der Tour de la Provence (2.1) gewonnen, dazu Ende März zwei Etappen bei Coppi e Bartali, was auch Rang zwei in der Gesamtwertung bedeutete. Nur um zwei Sekunden – Bonifikationen am Schlusstag – verpasste der U23-Weltmeister von 2023 den Gesamtsieg, den sich Mauro Schmid (Jayco – AlUla) sicherte.

Der jüngste Sieg im Baskenland ist ein weiteres Anzeichen der ansteigenden Formkurve. Aber auch weiterer Faktoren. “Dieses Jahr läuft es richtig gut. Im letzten Jahr hat es weniger gut funktioniert. Ich wurde etwas frustriert und habe auch Selbstvertrauen verloren“, sagte Laurance, der 2025 sieglos geblieben war. “Dieses Jahr habe ich von Null an begonnen und wusste, dass ich wieder ein Sieger sein kann. Ich habe es heute erneut gezeigt, dass ich den Killerinstinkt habe, wenn ich die Ziellinie sehe.“

Laurance setzt seine Saison in den Ardennen fort

Selbst Krämpfe können ihn davon nicht abhalten. Alles eine Mentalitätsfrage. Welche Rolle diesbezüglich Geraint Thomas – Ineos` neuer Teammanager – genau spielt, kann letztlich nur gemutmaßt werden. Doch der Wechsel des früheren Tour-Siegers, der alles gewonnen und alles erlebt hat, vom Profi direkt ins Management hat sich offenbar schon jetzt für alle Seiten ausgezahlt.

Auch für Laurance, der in sein zweites Jahr bei Ineos geht und im Sommer einen neuen Vertrag unterschreiben wird. Wo auch immer. Zuvor fuhr er zwei Jahre für Alpecin – Deceuninck, eins davon im Devo-Team, davor wiederum stand er im Aufgebot von B&B Hotels.

Weiter geht es für ihn nun planmäßig in den Ardennen mit dem Flèche Wallonne und Lüttich-Bastogne-Lüttich. Um beim Monument in Konkurrenz zu Tadej Pogacar (UAE - Emirates – XRG) zu treten, werden wahrscheinlich auch die besten Beine nicht reichen, die der Franzose jemals in seiner Karriere hatte oder haben wird. Doch die Mur in Huy könnte Laurance durchaus entgegenkommen.

Der Schlussanstieg der 3. Etappe in Bausari mit seinen bis zu zwölf Prozent ist der legendären belgischen Mauer nicht unähnlich. Freilich noch eine Nummer zahmer. Und auch der Name Igor Arrieta ist noch nicht ganz so hochkarätig wie der von dessen Teamkollegen Isaac Del Toro oder der von Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe). 

Aber ohne Krämpfe ist vielleicht etwas drin.

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