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11.04.2026 | (rsn) -
(rsn) – Dem Jugendwahn bei der Baskenland-Rundfahrt (2.UWT) wurde auch auf der 6. und letzten Etappe kein Abbruch getan. Während Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) mit 19 Jahren am Ende souverän zum Gesamtsieg fuhr, angelte sich Andrew August (Ineos Grenadiers), ein Jahr älter, den letzten Tagessieg. Im baskischen Dauerregen, der das Teilstück über 135 Kilometer zwischen Goizper-Antzuola und Bergara zu einem unwirtlichen Finale machte, das trotz sechs längerer Abfahrten von großen oder zahlreichen Stürzen verschont blieb, attackierte der US-Amerikaner am letzten Berg aus der Spitzengruppe heraus und fuhr auf den letzten zwölf Kilometern solo zum Sieg.
Parallel dazu tobte der Kampf um das Podium der Gesamtwertung. Auch Tobias Johannessen (Uno-X Mobility) war Teil der rund 30 Ausreißer, die von Decathlon und Red Bull trotz des kurzen Tages und der schwierigen Bedingungen wieder mehr als vier Minuten Vorsprung bekamen. Während Seixas trotz einer übermütigen Attacke dennoch zweieinhalb Minuten Vorsprung rettete, wurde es zwischen Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) und Johannessen denkbar eng. Am Ende rettete der Deutsche, der mit Seixas das Ziel erreichte, drei Sekunden Vorsprung über den Strich. Mehr als drei Minuten hatte sein Polster zum Start der Etappe auf den Norweger betragen.
Relativ zügig war aber klar, dass Red Bull das Doppelpodium mit Lipowitz und Primoz Roglic nicht verteidigen würde können. Als in der Favoritengruppe rund 60 Kilometer vor dem Ziel nach Angriffen von Seixas, Lipowitz und Ion Izagirre (Cofidis) am Berg die Post abging, fehlte der Slowene. Er sollte auch nicht zurückkommen. Kurz darauf versuchte sich Seixas als Solist. “Ich fühlte mich sehr, sehr stark. Und ich wollte auch nicht in einer schlechten Position in der Abfahrt sein, sodass ich ein unnötiges Risiko eingehen muss“, sagte er im Flash-Interview. “Also habe ich angegriffen und den Abstand gehalten. Dann war ich plötzlich zwischen den beiden Gruppen, habe viel Energie verloren.“ Später ließ er sich zu Lipowitz und Co. zurückfallen.
“Es war ein verrückter Tag. Es war nicht einfach, aber ich bin stark geblieben und habe den Sieg dann über die Ziellinie gebracht“, so der Mann, der neben dem Gesamtsieg auch alle anderen Sonderwertungen mit nach Hause nimmt.
Derweil ging Tagessieger August deutlich cleverer mit seinen Energien um. Bis zu seiner Attacke am Schlussanstieg, der für einen kurzen Moment noch Raul Garcia Pierna (Movistar) folgen konnte und dafür letztlich mit Rang zwei belohnt wurde, war der Ineos-Profi den ganzen Tag lang nicht zu sehen. “Es war hart heute. Nach dem sonnigen und warmen Wetter der ganzen Woche haben wir heute das typische Baskenland-Wetter abbekommen“, meinte er im Siegerinterview. “Jeder hat heute gefroren. Aber mir macht die Kälte nicht so viel aus und ich konnte am letzten Berg die entscheidende Attacke setzen.“
Sie gereichte ihm zum zweiten Sieg in dieser Saison, gleichsam in seiner Karriere als Profi. Nach einem Tageserfolg bei der Valencia-Rundfahrt (2.Pro) war es nun der erste in der WorldTour. “Das fühlt sich nochmal anders an.“ August führt damit die Erfolgsgeschichte seines Ineos-Teams in dieser Saison fort. Nachdem auch schon sein Teamkollege Axel Laurance ein Teilstück im Baskenland gewinnen konnte. Ist es für die Mannschaft bereits der 17. Saisonsieg. Nur UAE – Emirates – XRG, das im Norden Spaniens allerdings überhaupt nicht performen konnte, hat noch einen mehr. “Das Team fährt zur Zeit so gut, ich bin stolz, ein Teil davon zu sein“, so August.
Letztlich kann das auch Seixas von Decathlon behaupten. Denn durch die drei Etappensiege und den in der Gesamtwertung steht das Team insgesamt nun auch schon bei 15 Erfolgen und damit unmittelbar hinter UAE und Ineos. Seixas selbst bringt es in diesem Jahr bereits auf sechs Triumphe und steht damit ganz oben auf einer Stufe mit Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe), Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) und Jonathan Milan (Lidl – Trek).
Es waren drei der Enttäuschten, die der Startphase der Schlussetappe ihren Stempel aufdrückten. Mattias Skjelmose (Lidl – Trek), Ben Healy (EF Education – EasyPost) und Marc Soler (UAE – Emirates – XRG) bildeten im baskischen Regen ein Ausreißertrio, das sich gleich am ersten Anstieg absetzte.
Dahinter teilte sich einmal mehr das Hauptfeld. 30 Profis fuhren heraus, unter ihnen Johannessen, Igor Arrieta (UAE – Emirates – XRG) und Matthew Riccitello (Decathlon – CMA CGM) als beste in der Gesamtwertung. Nach zwei Anstiegen schlossen in Juan Pedro Lopez (Movistar) und Peter Oxenberg (Ineos Grenadiers) noch zwei Mann zur Spitze auf.
Am vierten Anstieg waren es nur noch 30 Sekunden zwischen der Spitze, die wieder zum Ursprungstrio geschrumpft war, und der Gruppe. Aus dem Hauptfeld heraus wurde ebenfalls attackiert. 58 Kilometer vor dem Ziel bildete sich ein Konstrukt um Seixas, Lipowitz, Izagirre, Kevin Vauquelin (Ineos Grenadiers) und Javier Romo (Movistar), aber nicht Roglic. Kurz darauf versuchte es Seixas dann allein, nach vorne zu fahren.
Das Streckenprofil der 6. Etappe der Baskenland-Rundfahrt | Foto: Veranstalter
Doch das Seixas-Unterfangen ging nicht auf. Der Franzose war lange als absoluter Einzelkämpfer unterwegs und schaffte den Anschluss in die Gruppe nicht. Derweil kämpfte Soler weiter verbissen um das Bergtrikot, hatte vor der letzten Wertung der Rundfahrt nur noch einen Zähler Rückstand auf Seixas.
Doch 30 Kilometer vor dem Ziel nahm Soler plötzlich raus, ließ sich in die nun wieder nur noch 25 Sekunden zurückhängende Verfolgergruppe zurückfallen, die aber 24 Kilometer vor dem Ziel die Lücke schloss. Als noch 15 Kilometer zu fahren waren, hatten Lipowitz und Co. Seixas wieder eingeholt. Ihr Rückstand - Roglic hatte die Rückkehr dorthin nicht geschafft - betrug drei Minuten auf die Spitze.
Am Schlussanstieg attackierten August und Pierna. Der US-Amerikaner schüttelte den Spanier schnell ab, fuhr allein über die Kuppe und in die Abfahrt dem Sieg entgegen. Soler verpasste es, die notwendigen Punkte fürs Bergtrikot zu holen, denn die Spitze zerfiel dort am Anstieg komplett. Im dritten Part der Ex-Gruppe überquerte Johannessen die Bergwertung, in der Abfahrt bis zur Ziellinie um jede Sekunde kämpfend. Am Ende fehlten ihm derer drei und ein wenig Glück, um Lipowitz noch von Rang zwei zu verdrängen. Der rollte – scheinbar recht gemächlich – mit Gesamtsieger Seixas ins Ziel.
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