Teils eisige 52 Sekunden mit Eurosports Mielke

Pedersen nach siebtem Platz in Roubaix unzufrieden

Von Kevin Kempf

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Mads Pedersen (Lidl - Trek) kommt als Siebter über den Zielstrich im Velodrom. | Foto: Cor Vos

13.04.2026  |  (rsn) – “Kannst du uns von dem Moment erzählen, als Wout und Pogacar dich abgehängt haben?“ Mads Pedersen (Lidl – Trek) guckte gerade nach unten, dass er körperlich versteinerte, entging der Kamera nicht. Dann hob er den Kopf und schaute den Interviewer mit einem ironischen Lächeln an. Das war Eurosports Anders Mielke, ein Freund von Pedersen, der fünf Kilometer entfernt von ihm aufgewachsen ist. Er hatte den Mut gefunden, diese Frage zu stellen, die sich andere Reporter möglicherweise verkniffen hätten. Pedersen starrte ihn weiter an, zuckte mit den Schultern und schüttelte verständnislos leicht den Kopf.

“Es kommt auf die Beine an, weißt du? Ich konnte ihnen nicht folgen. Es ist ziemlich klar, was passiert ist“, entgegnete er dann endlich. Ein weiteres süffisantes Lächeln entfuhr ihm, wie Pedersen es öfter zeigt, wenn er sich über eine Frage wundert und den Fragesteller auflaufen lässt. Mielke aber ließ sich nicht beirren und machte weiter seinen Job, fragte weiter.

Doch nicht nur ihm gebührt für dieses Interview Respekt, auch der Lidl-Kapitän hat diesen mehr als verdient. Denn Pedersen war sichtlich enttäuscht. Nach 258 Kilometern in der Hölle des Nordens war er als Siebter ins Ziel gekommen. Die dieses Jahr letzte Chance auf einen großen Frühjahrssieg war dahin. Trotzdem stellte er sich kurz nach dem Wettkampf den Fragen, anstatt den Kopf zu senken und wortlos zum Bus zu steuern, wie es andere möglicherweise getan hätten.

Das “enttäuschende Frühjahr“, das eigentlich schon abgeschrieben war

Dass Pedersen die Klassiker überhaupt bestreiten konnte, war in dieser Form eine Überraschung; eigentlich sogar eine Sensation. Bei seinem Sturz während der Valencia-Rundfahrt Anfang Februar hatte er sich sein Schlüsselbein und das rechte Handgelenk gebrochen.

Bei Mailand-Sanremo feierte er am 21. März früher als erwartet sein Comeback – als Viertplatzierter. Sechs Tage später folgte Platz neun bei der E3 Classic, fünf weitere Tage danach wurde er Zehnter bei Dwars door Vlaanderen, um vier Tage später Fünfter der Flandern-Rundfahrt zu werden. Eine Woche darauf schloss er bei Paris-Roubaix das WorldTour-Quintett nun eben auf Rang sieben ab. Erfolgreich, möchte man meinen, doch das sah der 30-Jährige anders.

“Kannst du wenigstens stolz auf deine Leistung heute sein?“, fragte Mielke. “Nein“, antwortete Pedersen trocken. Auf die Frage nach dem Warum, fuhr er fort: “Ich kam, um zu gewinnen. Ich wollte ein Topergebnis und das habe ich jetzt nicht.“ Auch die schlechte Vorbereitung war für den Dänen offensichtlich keine Entschuldigung.

Als 23-Jähriger wurde er in Harrogate Weltmeister, seitdem jagt er dem Sieg bei einem Monument nach. Doch wie bei Wout van Aert (Visma – Lease a Bike), der vor seinem Triumph in Roubaix immerhin schon in Sanremo erfolgreich war, strandete Pedersen bei seinen Bemühungen oft hinter Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) und Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) auf dem Podium. Dort konnte er sich bei Monumenten schon fünfmal feiern lassen. Seine größten Siege in der WorldTour erreichte er bei Gent-Wevelgem - und das gleich dreimal.

Doch auch das Podium sollte er dieses Mal verpassen. “Ich hatte das Gefühl, dass die anderen in der Gruppe nicht mit mir zum Zielstrich fahren wollten. Ich probiere aber lieber, Dritter zu werden und dann gar nichts zu haben, als einfach Vierter zu werden“, sagte er. Damit erklärte er, warum er in der Verfolgung des spät enteilten Jasper Stuyven (Soudal – Quick-Step) so viel Zeit im Wind verbrachte, dass er schließlich im Velodrome André Petrieux Letzter seiner Gruppe wurde. Geholfen hatte es allerdings nichts, denn der Belgier verteidigte seinen kleinen Vorsprung und wurde Dritter vor van der Poel.

“Ich habe alles versucht. Es hat heute nicht geklappt. Es ist, wie es ist.“ Mit diesen Worten beendete Pedersen das 52 Sekunden lange Interview, nachdem er und Mielke sicher weiter Freunde bleiben werden, auch wenn die Atmosphäre zwischenzeitlich eisig wirkte. Und wenn es beim Lidl-Fahrer mehr zu feiern gibt, werden auch dessen Interviews mit Mielke wieder fröhlicher. Die Gespräche der beiden nach Rennende sind jedenfalls immer sehenswert, egal wie der Wettkampf gelaufen ist.

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