Vollerings Helferin profitiert von Longo Borghinis Tempoarbeit

Gery ungewollt zum größten Karrieresieg

Von Paul Grosch

Foto zu dem Text "Gery ungewollt zum größten Karrieresieg"
Célia Gery (FDJ United – Suez) feierte auf der 7. Etappe des Giro d´Italia Women den größten Erfolg ihrer Karriere. | Foto: Cor Vos

05.06.2026  |  (rsn) – Célia Gery (FDJ United – Suez) heißt die Überraschungssiegerin der 7. Etappe des Giro d’Italia Women (2.WWT). Die Französin gewann den Sprint eines Sextetts vor Lucinda Brand (Lidl – Trek) und Chantal Pegolo (Isolmant – Premac – Vittoria), die zur Gruppe des Tages gehörte. Gery konnte in der Abfahrt der einzigen Bergwertung einer Attacke von Silvia Persico (UAE – ADQ) folgen. Im Finale profitierte sie von der Tempoarbeit von deren Teamkapitänin Elisa Longo Borghini, die aufschloss, um im Gesamtklassement Zeit gutzumachen. Elisa Balsamo (Lidl – Trek) blieb somit zum ersten Mal bei dieser Italien-Rundfahrt auf einer eher flachen Etappe sieglos.

Persico hatte in der Abfahrt als Erste attackiert und brachte Gery an die übrigen Ausreißer des Tages heran. Kurz darauf konnten auch Longo Borghini und Brand aufschließen. Die Italienische Meisterin übernahm dann die Tempoarbeit in der Spitzengruppe. Gery und Brand konnten so Kräfte sparen. Im Flash-Interview zeigte sich die Siegerin überrascht von ihrem Erfolg.

“Ich habe vor dem Start nie an einen Etappensieg gedacht. Das Ziel heute Morgen war, Demi (Vollering) sicher ins Ziel zu bringen“, sagte Gery, die eigentlich als Helferin für die Top-Favoritin ins Rennen gegangen war. Dabei war es die Europameisterin selbst, die im Finale ihre Teamkolleginnen bei der Nachführarbeit einbremste. Sie sah in Longo Borghini, die bereits auf dem fünften Tagesabschnitt Schwächen am Berg zeigte, keine große Gefahr für ihre eigenen GC-Ambitionen und wollte Gery den Sprint um den Tagessieg ermöglichen.

Gery wusste im Finale nicht genau, wie sie sich verhalten sollte. “Oben am Anstieg habe ich beschleunigt, um Demi für die Abfahrt zu positionieren. Dann haben wir uns verloren und ich habe zu Persico aufgeschlossen“, erklärte Gery die Situation in der Abfahrt. “Ich dachte schon, ich habe einen Fehler gemacht. Aber dann sind wir in dieser Gruppe gelandet. Da wusste ich nicht, was ich machen sollte.“

Auch sie sah sich als Profiteurin der Tempoarbeit von Longo Borghini. “Brand und ich konnten im Finale taktieren“, sagte sie. Brand startete ihren Sprint vor der letzten Kurve, doch Gery konnte ihr locker folgen und fuhr noch an der Italienerin vorbei. Die 20-Jährige feierte ihren ersten Sieg auf World-Tour-Level und damit den größten Erfolg ihrer jungen Karriere.

Anna van der Breggen (SD Worx – Protime) verteidigte trotz eines Sturzes ihr Rosa Trikot. Longo Borghini konnte am Ende nur fünf Sekunden gutmachen und blieb auf dem sechsten Gesamtrang. Balsamo führt weiterhin komfortabel die Punktewertung an. Van der Breggen liegt auch in der Bergwertung vorne, ihr Blaues Trikot trägt morgen erneut stellvertretend ihre Teamkollegin Valentina Cavallar. Die Gesamtfünfte Isabella Holmgren (Lidl – Trek) bleibt im Weißen Trikot der besten Nachwuchsfahrerin.

So lief die 7. Etappe des Giro d’Italia Women:

Direkt vom Start weg gab es mehrere Attacken. Nach etwa sieben Kilometern konnten sich fünf Fahrerinnen absetzen: Pegolo, Marjolein van ‘t Geloof (Laboral Kutxa – Fundación Euskadi), die kanadische Meisterin Alison Jackson (St. Michel – Preference Home – Auber93), Sara Luccon (Top Girls – Fassa Bortolo) und Gaia Segato (Vini Fantini – BePink). Zwischenzeitlich befanden sich zwei Duos in der Verfolgung der Ausreißergruppe, konnten aber nie aufschließen.

Der maximale Vorsprung der Gruppe des Tages betrug achteinhalb Minuten. Im Hauptfeld übernahmen Lidl – Trek und Human Powered Health die Tempoarbeit für ihre Kapitäninnen Balsamo und Lily Williams. Auf dem Weg zur Bergwertung, etwa 60 Kilometer vor dem Ziel, schrumpfte der Abstand nach vorne deutlich.

Das Streckenprofil der 7. Etappe des Giro d’Italia Women | Foto: Veranstalter

53 Kilometer vor dem Ziel kam es zu einem Sturz im Peloton, in den zwölf Fahrerinnen um die Gesamtführende Anna van der Breggen und Marlen Reusser verwickelt waren. Zwischenzeitlich hatte die Frau im Rosa Trikot fast zwei Minuten Rückstand, schaffte aber zehn Kilometer später wieder den Anschluss; genau wie Reusser. Das Tempo im Hauptfeld blieb am Anstieg hoch, zahlreiche Fahrerinnen mussten abreißen lassen. Auch die Spitzengruppe wurde ausgedünnt.

In der Abfahrt attackierte Persico aus dem Hauptfeld heraus mit Gery am Hinterrad und fuhr zu den Ausreißern auf. Longo Borghini und Brand schlossen anschließend zu Gery, Persico, Pergolo, Jackson und Gaia auf. Das Hauptfeld schaffte es fast, die 35 Sekunden Rückstand zuzufahren. Doch Brand sprintete 150 Meter vor dem Ziel los, Gery sprang in ihren Windschatten und gewann letztlich souverän. Lara Gillespie (UAE – ADQ) war acht Sekunden dahinter die Erste aus dem Hauptfeld.

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