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25.04.2026 | (rsn) – Wieder einmal ist Tadej Pogacar (UAE -.Emirates - XRG) der Topfavorit bei Lüttich-Bastogne-Lüttich (1.UWT). Die vergangenen beiden Ausgaben gewann der Weltmeister scheinbar mühelos. Die große Frage am Sonntag ist daher nun: Können die Herausforderer um Top-Talent Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) und Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) dafür sorgen, dass der Slowene diesmal härter für seinen Sieg arbeiten muss?
Pogacars überzeugende Siege 2024 und 2025 verliefen ähnlich: Sein Team erhöhte das Tempo an der Côte de la Redoute (1,6 km bei 9,4%). Dort griff der Kapitän im steilsten Teil des Anstiegs an, niemand konnte dieser Attacke folgen. Bis nach oben fuhr er nur noch das Tempo seiner Verfolger, die bereits zehn Sekunden zurücklagen. So sparte er sogar im Angriff noch etwas Kraft. Auf den letzten 35 Kilometern baute Pogacar seinen Vorsprung dann langsam aus. Der Plan dürfte diesmal genauso aussehen, die Konkurrenz aber dürfte diesmal gefährlicher sein.
Um Pogacar am Sonntag mehr zu fordern als in den vergangenen beiden Jahren, muss jemand seine erste Attacke an der Redoute mitgehen können. Der vielleicht beste Kandidat dafür ist Seixas. Beim Flèche Wallone (1.UWT) verpasste das 19-jährige Wunderkind an der Mur de Huy eine neue Bestzeit nur ganz knapp - und war schneller als Pogacar bei seinen beiden Siegen. Seixas gewann dort ähnlich beeindruckend wie Pogacar im Vorjahr. Die steilen Rampen von Redoute und Roche-aux-Faucons muss der Franzose nicht fürchten.
Wie es funktionieren kann, zeigte Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) auf der 4. Etappe der Tour de France 2025. In der 15 Prozent steilen Rampe von Saint-Hilaire im Finale von Rouen konnte der Däne Pogacars Attacke zunächst folgen und biss sich fest. Etwas später ging die Lücke zwar doch kurzzeitig auf, doch UAE-Kapitän Pogacar musste länger am Limit fahren und konnte seine Anstrengung nicht dosieren. So schloss Vingegaard die Lücke kurz vor der Bergwertung wieder und hatte den erwarteten Angriff tatsächlich abgewehrt. Dabei half ihm auch, dass er zu Beginn des Anstiegs direkt an Pogacars Hinterrad positioniert war.
Auch an diesem Sonntag vor den Toren von Lüttich wird die Positionierung am Fuß der Côte de la Redoute entscheidend sein. Die Abfahrt davor ist extrem schnell. Deshalb müssen die Teams ihre Kapitäne früh nach vorne bringen. 2025 war keiner von Pogacars ärgsten Konkurrenten gut positioniert, der Titelverteidiger dagegen schon. Pogacar erkannte, dass keiner der Fahrer an seinem Hinterrad gefährlich für ihn, griff an, riss die entscheidende Lücke und wurde nie mehr gesehen.
Seixas muss am Sonntag also in guter Position sein, am besten am Hinterrad des Weltmeisters, wenn es durch Remouchamps auf die Redoute zugeht. Leichter gesagt, als getan! Denn das hat in dieser Saison beim bisher einzigen Aufeinandertreffen nicht geklappt. Bei Strade Bianche (1.UWT) hatte er schon Rückstand auf Pogacar, bevor der attackierte. Wenn Seixas aber an Pogacars Hinterrad klebt und sich nicht abschütteln lässt, wird es spannend: Arbeiten beide anschließend zusammen?
Denn eine wichtige Rolle spielt auch Evenepoel, der "La Doyenne" 2022 und 2023 ebenfalls schon zwei Mal gewonnen hat. Der Belgier ist derzeit ebenfalls bestens in Form und könnte selbst dann noch gewinnen, wenn ihm auf der Redoute-Kuppe ein paar Meter zu Pogacar fehlen sollten. Der von dort noch weite Weg und die besonderen Qualitäten des Red-Bull-Kapitäns im Kampf allein gegen den Wind, sprechen dafür, dass er wieder zurückkommen könnte, selbst wenn er einmal einen kleinen Rückstand haben sollte – und dann könnte ein echter Krimi entstehen.
Sicherlich ist Pogacar der Favorit auf den Sieg, seinen dann dritten in Folge in Lüttich. Doch sowohl Seixas als auch Evenepoel scheinen bereit zu sein, um es mit ihm aufzunehmen – und die Tatsache, dass Pogacar bei beiden auf unterschiedliche Stärken trifft, macht "La Doyenne" 2026 besonders spannend. Für die Fans jedenfalls wäre es toll, wenn gerade Debütant Seixas mithalten und damit ein Zeichen in Richtung Zukunft setzen könnte. Ein mögliches Duell der beiden in den kommenden Jahren, auch mit Blick auf die Tour de France, wäre eine Bereicherung für den Radsport.