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24.04.2026 | (rsn) – Zehn Saisonsiege hatte Red Bull – Bora – hansgrohe vor der Tour of the Alps (2.Pro) auf dem Konto. An acht von ihnen war Remco Evenepoel beteiligt, sieben holte er allein, einen mit der Mannschaft im Zeitfahren auf Mallorca. Da für die anderen beiden Erfolge Arne Marit und Jordi Meeus verantwortlich zeigten, waren die Raublinger im Frühjahr sehr Belgien-lastig aufgestellt, wenn es ums Gewinnen ging.
Doch mit Giulio Pellizzari stellte die deutsche Mannschaft kurz vor dem Giro einen Italiener auf, der das Rennen liebt und den italienischen Bann brechen wollte. “Ich bin zur Tour of the Alps gekommen, um mich an den Anstiegen zu testen: Zu Beginn war das Gefühl nicht ideal, aber es wurde von Tag zu Tag besser“, blickte der 22-Jährige in der Pressekonferenz zurück.
Obwohl die Beine anfangs suboptimal waren, entschied Pellizzari bereits das zweite der fünf Teilstücke für sich. Als Belohnung gab es das Grüne Trikot des Spitzenreiters obendrauf – und das verteidigte er bis zum Freitag.
Da stand die letzte Etappe auf dem Programm – und die hatte es in sich. Gleiches galt für die Gegner, denn das Ineos-Duo Egan Bernal und Thymen Arensman lag nur vier Sekunden hinter Pellizzari. Doch der wusste, was bekanntlich die beste Verteidigung ist: “Heute bin ich mit dem Plan gestartet, anzugreifen und allein ins Ziel zu kommen.“
Seine direkten Verfolger hatten für das Finale mit zwei schweren Auffahrten nach Nobls offensichtlich einen ganz ähnlichen Plan geschmiedet. “Ineos hat an der ersten Auffahrt nach Nobls ein hohes Tempo angeschlagen“, erzählte Pellizzari. Und da die Interessen gleichgerichtet waren, machte Red Bull einfach da weiter, wo Ineos aufgehört hatte. “Bei der zweiten Auffahrt hat mich Aleotti perfekt lanciert“, meinte der Italiener. Als sein Landsmann Giovanni Aleotti das Tempo erhöht hatte, hingen noch rund zehn Fahrer an seinem Hinterrad. Als sein Kapitän knapp drei Kilometer vor dem Bonussprint attackierte, konnte niemand folgen.
Pellizzari baute seinen Vorsprung Sekunde um Sekunde aus und holte sich wichtige sechs Bonussekunden, lag an der Kuppe aber noch in Reichweite der beiden Ineos-Fahrer und Michael Storer (Tudor), die nunmehr ein Verfolgertrio bildeten. Die letzte Abfahrt der TotA musste das Rennen entscheiden – und auch dort überzeugte der Red-Bull-Profil und baute seinen Vorsprung weiter aus
“Ich bin in der Abfahrt etwas Risiko gegangen, um den Vorsprung zu vergrößern. Die letzten zwei Kilometer habe ich in vollen Zügen genossen“, beschrieb Pellizzari die letzten Minuten, nach denen er die Zahl seiner Saisonsiege von eins auf drei hinaufgeschraubt hatte.
Neben der Etappe sicherte Pellizzari nämlich auch die Gesamtwertung – und beendete damit eine lange italienische Durststrecke. “Die Tour of the Alps 13 Jahre nach Nibali zu gewinnen, ist für mich etwas Unglaubliches. Für mich bleibt er ein großer Bezugspunkt, und ich hoffe, mich mit der Zeit dem annähern zu können, was er erreicht hat", sagte er über seinen Landsmann, der die Rundfahrt 2013 - damals noch Giro del Trentino - gewonnen hatte.
Und auch wenn er einem großen Namen nachjagt, scheint er auf einem guten Weg. Denn als 22-Jähriger hatte auch Nibali noch keine lange Erfolgliste vorzuweisen. Ende 2006 entschied er mit 21 Jahren mit dem GP Plouay (1.PT) das erste Rennen auf dem höchstem Niveau für sich - das war damals die ProTour. Erstmals in die Top Ten einer Grand Tour vordringen konnte der "Hai von Messina" erst mit 24 Jahren als Toursechster 2009. Der erste Etappensieg musste noch bis zum Giro 2010 warten. Pellizzari war beim Giro 2025, den er auf Position sechs beendete, vier Jahre jünger. Diesem Erfolg ließ er im Herbst auch noch Gesamtrang sechs bei der Vuelta folgen - plus Etappensieg.
In Kürze kann Pellizzari dann noch einen draufpacken, indem er bei der Italien-Rundfahrt aufs Podium fährt – oder sie gar gewinnt, was aber wegen der Teilnahme von Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) eher utopisch erscheint. Nibali schaffte es nach dem Giro-Etappensieg als Dritter aufs Podium, im selben Jahr gewann er die Vuelta. Auch was diese Eckpfeiler des früheren italienischen Topstars betrifft, könnte sein junger Landsmann vier Jahre früher dran sein.
Pellizzari hat nun jedenfalls Blut geleckt. “Dieses Rennen hat uns im Hinblick auf die Zukunft viel Selbstvertrauen gegeben: Wir haben gezeigt, dass wir ein starkes Team sind, bereit, um etwas Großes zu kämpfen. Ich habe die Verantwortung gespürt, als Leader zu fahren“, erzählte er mit Blick auf die am 8. Mai startende Italien-Rundfahrt, die sein nächstes großes Ziel darstellt.
“Ich glaube, dass ich meine Form mit Blick auf den Giro noch weiter verbessern kann: In den kommenden Tagen werde ich in Südtirol, im Schnalstal, bleiben und dort gemeinsam mit Gianni Moscon einige Trainingstage absolvieren, bevor ich nach Bulgarien reise“, kündigte er an.
Moscon ist bisher noch nicht im Giro-Aufgebot des Teams, im Gegensatz zu Co-Kapitän Jai Hindley, Danny van Poppel und die beiden TotA-Starter Aleksandr Vlasov und Ben Zwiehoff. Drei Plätze werden – das zumindest ist der Kenntnisstand der Öffentlichkeit – erst in den nächsten Tagen vergeben.