RSNplusRed Bull zieht zufriedene Frühjahrsbilanz

Denk: “Unser Ziel ist es, Evenepoel breiter aufzustellen“

Von Joachim Logisch aus Lüttich

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Remco Evenepoel (Red Bull - Bora - hansgrohe) verfolgt bei Lüttich-Bastogne-Lüttich Paul Seixas (Decathlon - CMA CGM) und Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) | Foto: Cor Vos

27.04.2026  |  (rsn) - Nachdem sein Star Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) mit einem entschlossenen Schlussspurt aufs Podium des 112. Lüttich-Bastogne-Lüttich gesprintet war, zog Teamchef Ralph Denk gegenüber radsport-news.com eine positive Bilanz der abgelaufenen Frühjahrssaison.

"Wir konnten einen riesigen Schritt im Vergleich zum letzten Jahr machen. Wir haben einen großen Sieg letzte Woche beim Amstel Gold Race geholt. Wir waren hier (in Lüttich), in Flandern (Ronde, jeweils Platz 3) und beim Opening Weekend (Platz 2) auf dem Podium. In der Weltrangliste sind wir jetzt Zweiter. Das spiegelt das ganze Frühjahr ein Stück weit wider“, zählte der Raublinger zufrieden lächelnd auf. ___STEADY_PAYWALL___

Insgesamt konnte Red Bull in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 14 Saisonsiege einfahren, wobei der Amstel-Erfolg sowie der Gesamtsieg bei der Tour of the Alps durch Giulio Pellizzari die Kirsche auf der Torte bilden. Hinzu kam ein zweiter Platz in der Gesamtwertung von Paris-Nizza und auch Florian Lipowitz stand bei der Katalonien-Rundfahrt (als Dritter) und bei der Baskenland-Rundfahrt (als Zweiter) auf dem Podium.

Dass Evenepoel an der steilen Redoute erneut nicht der Attacke von Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) und diesmal auch von Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) folgen konnte, bereitet Denk keine schlaflosen Nächte in Hinblick auf die kommende Tour de France.

Lipowitz oder Evenepoel: Wer wird Tour-Kapitän?

Die Feststellung, dass sein Team zwei Fahrer für die Tour besitzt, wobei einer (Florian Lipowitz) nach aktuellem Stand am Berg stärker als der andere (Evenepoel) ist, beantwortet der Manager abwiegelnd: "Dazu kann man jetzt überhaupt nichts sagen, weil jetzt April ist und die Tour de France erst im Sommer startet. Ich weiß, auf was ihr hinauswollt. Wer wird jetzt der Tour-Kapitän werden? Das werden aber schlussendlich irgendwann mal die Beine entscheiden.“

Für Denk ist die Frage sowieso kein Problem, weil sich Neuzugang Remco Evenepoel so gut ins Team integriert hat. "Für mich ist viel wichtiger, dass man sieht, dass die beiden sehr gut harmonieren. Wenn ich jetzt nach Katalonien schaue, dann war das schon eigentlich ein Sinnbild, bei dem alle Kritiker gesagt haben, so wird es nie kommen. Das hat mich sehr stolz gemacht. Man muss schon ehrlich sein, ohne Remco wäre Florian in Katalonien nie auf dem Podium gelandet. Remco hätte dort nach seinem Sturz nach Hause fahren können. Hat er aber nicht gemacht, sondern ist dort geblieben, hat Florian geholfen und wir haben ein Podium eingefahren. Das ist eigentlich schon ein Beweis, dass es auch menschlich gut passt zwischen den beiden. Das haben wir im Trainingslager schon gemerkt. Da waren nicht viele außen rum, da waren nur die beiden,“ geben wir hier sein langes Statement zur Teamharmonie ungekürzt wieder.

Remco Evenepoel und Florian Lipowitz bildeten bei der Katalonien-Rundfahrt ein funktionierendes Team.

Da sich beide gut verstehen und auch Lipowitz nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass er für Evenepoel arbeiten würde, sieht Denk gelassen in die Zukunft. "Wir sind auf einem guten Weg. Wer dann schlussendlich bei der Tour de France irgendwann mal besser ist, das werden wir sehen. Wenn es nach mir geht, würde ich gerne beide auf Podium sehen“, sagt er mit einem schelmischen Lächeln.

Evenepoel soll sich breiter aufstellen

Klar, durch Evenepoel, der im Winter vom damaligen Team Soudal – Quick-Step kam, hat die mit deutscher Lizenz startende Equipe sich enorm verändert. Wobei die Frage, ob der Belgier in Eintagesrennen oder bei Rundfahrten höher einzuschätzen sei, für ihn noch nicht beantwortet ist. Denk: "Dass er Eintagesrennen kann, hat er bewiesen. Er hat hier gewonnen, bei der Weltmeisterschaft und den Olympische Spielen. Da braucht man nicht mehr darüber reden. Er hat eine Vuelta gewonnen. Das war zwar eine spezielle Vuelta, da Primoz (Roglic) stürzte. Aber wir werden sehen, ob er sich auch noch in Rundfahrten verbessern kann. Unser Ziel ist es, ihn breiter aufzustellen, sowohl bei Rundfahrten als auch bei Eintagesrennen.“

Dabei komme dem Olympiasieger entgegen, dass er nie aufgibt und sich immer neuen Herausforderungen stelle. "Was er für eine Klasse hat, das hat man bei der Flandern-Rundfahrt gesehen", sagte der Teamchef. "Er ist das erste Mal ein Rennen auf Kopfsteinpflaster gefahren, hat da gekämpft wie ein Löwe und ein Podium für uns eingefahren. Das ist schon ein großer Charakterzug. Auch heute war das ein anderer Remco als letztes Jahr, wo er in der Roche-aux-Faucons praktisch aufgab.“ Evenepoel konnte nicht mithalten und erreichte Lüttich schließlich als 59.

Lennart Jasch fuhr bis zu diesem Jahr für das Team Red Bull - Bora - hansgrohe.

Diesmal ärgerte sich sein Schützling auch, weil ihm, nachdem er abgehängt war, niemand bei der Nachführarbeit zum ebenfalls enteilten Mattias Skjelmose (Lidl – Trek) unterstützen wollte. Doch dann fasste er sich wieder, um schließlich Dritter zu werden.

"Remco hat gekämpft, er ist dann zeitweise für Jai (Hindley) gefahren. Sie haben sich gut ergänzt und er hat dann noch einen tollen Sprint hier geliefert. Das ist schon Charakter. Wenn du hierherkommst, sagst, du willst unbedingt gewinnen und dann ist nach La Redoute klar, dass du hier nicht gewinnst. Dann so zu fighten, da muss man schon den Hut ziehen”, meinte Denk.

Jasch konnten wir nicht integrieren

Evenepoel hat er neu ins Team geholt. Einen, der letzten Woche überraschend für Furore sorgte, musste er zum Jahreswechsel zu Tudor ziehen lassen: Lennart Jasch, der die Königsetappe der Tour of the Alps gewann und das Bergtrikot der Rundfahrt gewann.

"Lennart wohnt sehr nah bei mir und kommt ja von uns. Wir haben die Woche mehrmals Kontakt gehabt, weil ich mich sehr freue über das Ergebnis. Es hat mir wahnsinnig leidgetan, dass wir ihn aus Platzgründen nicht integrieren konnten. Es freut mich aber sehr für den Jungen. Ich habe ihm geschrieben, er soll es genießen, wenn man mal ein Rennen gewinnt“, sagte Denk.

Einen anderen hätte Denk aber gerne im Team: Paul Seixas. "Den will jeder haben. Das kann ich bestätigen“, sagte er mit einem Lachen.

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